Klimaschutz Baden-Württemberg will Quotenregelung für Grünen Wasserstoff

Um grünem Wasserstoff zum Durchbruch zu verhelfen, fordert Baden-Württembergs grün-schwarze Regierung eine Quotenregelung für Flugbenzin.
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Wird er aus erneuerbaren Energien hergestellt, ist er klimaneutral. Quelle: dpa
Wasserstoff

Wird er aus erneuerbaren Energien hergestellt, ist er klimaneutral.

(Foto: dpa)

Berlin Die baden-württembergische Landesregierung setzt sich für synthetische Kraftstoffe ein, die auf der Basis von Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellt werden. In einem Antrag des Landes für den Bundesrat, der dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, der Marktanteil solcher Kraftstoffe sei „in Deutschland noch verschwindend gering“. Bisher existierten nur wenige Pilot-Anlagen zur Herstellung. Das soll sich ändern.

„Der Bundesrat erkennt die Nutzung regenerativ und klimaneutral hergestellter Kraftstoffe, insbesondere für den Luft-, Schwerlast- und Schiffsverkehr, als zielführende Maßnahme an“, heißt es in dem Beschlussvorschlag des Landes für den Bundesrat. Die Länderkammer soll sich dafür aussprechen, Mindestanteile von klimaneutral hergestellten synthetischen Kraftstoffen im Flugverkehr festzulegen. Im Jahre 2022 soll die Beimischungsquote zu herkömmlichem Kerosin 2,5 Prozent betragen, 2025 dann fünf Prozent und 2030 bereits zehn Prozent.

Ausgangspunkt der Überlegungen ist Wasserstoff. Er wird mittels Elektrolyse hergestellt. Wenn der für die Elektrolyse eingesetzte Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, entsteht klimaneutraler Wasserstoff, auch „grüner Wasserstoff“ genannt. Dieser kann dann direkt eingesetzt werden, etwa in der Chemie- oder der Stahlindustrie oder für den Betrieb von Brennstoffzellen.

Er kann auch weiterverarbeitet werden zu Methan oder zu flüssigen Brennstoffen, den sogenannten E-Fuels. Solche strombasierten Brennstoffe können wegen hoher Herstellungskosten preislich noch nicht mit fossilen Brennstoffen konkurrieren. Die Verfechter der Technik stellen aber erhebliche Kostendegressionen in Aussicht - wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die gesamte Verfahrenskette läuft im Fachjargon unter der Überschrift „Power to X“.

Der Nachteil der Technik: Die Umwandlungsverluste sind sehr hoch, ein großer Teil des eingesetzten Stroms geht ungenutzt verloren. Doch diesem Nachteil stehen unbestreitbare Vorteile gegenüber: Es entstehen klimaneutrale Brennstoffe, die leicht speicherbar sind und die auch dort eingesetzt werden können, wo eine direkte Stromanwendung ausscheidet, etwa im Flugverkehr.

Wasserstoff-Branche begrüßt die Entwicklung

Daher auch die Forderung der grün-schwarzen Landesregierung, die Quotenregelung im Flugverkehr einzuführen. Der Einsatz der synthetischen Kraftstoffe sei „auf solche Mobilitätsbereiche zu beschränken, in denen eine Direktnutzung von Strom nicht zielführend ist“, heißt es in dem Antrag der Baden-Württemberger für den Bundesrat.

Grüner Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe spielen auch in den Überlegungen der Bundesregierung eine wachsende Rolle. Erst kürzlich war ein Papier aus dem Bundeswirtschaftsministerium publik geworden, das der Vorbereitung einer „Nationalen Strategie Wasserstoff“ (NSW) dient. Auch die Beimischung von synthetischen Kraftstoffen spielt darin eine Rolle.

Die Branche begrüßt die Entwicklung. Mit einer ambitionierten Beimischungsquote würde „nicht nur ein Beitrag zum Erreichen der Klimaziele im Verkehr geleistet werden können, sondern auch der Einstieg in den erforderlichen industriellen Hochlauf des dafür erforderlichen Anlagenbaus möglich“, sagte Werner Diwald, Chef des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands (DWV).

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bezeichnete die Initiative als „Weckruf für den Bundesverkehrsminister“. Andreas Scheuer (CSU) müsse nun endlich Nägel mit Köpfen machen, sagte Hermann dem Handelsblatt. „Wer für Klimaschutz ist, muss auch eine Lösung für den Flugverkehr haben“, sagte er. Die Antwort auf die Herausforderung sei eine hochlaufende Quote für Kerosin.

Mehr: Japan macht seit Jahren vor, was Deutschland gerade entdeckt hat. Mit staatlicher Förderung will das Land Wasserstoff als Klimaretter zum Durchbruch verhelfen.

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