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Wirtschaft, Handel & Finanzen CECONOMY IM FOKUS: Elektronikhändler findet Geiz wieder geil

Der Konzern Ceconomy hält sich künftig wieder an seinen alten Werbeslogan: Geiz ist geil. Allerdings spart dieses Mal nicht der Kunde, sondern das Management - und zwar auch an sich selbst. Bei den Anlegern kommt das gut an. Doch die Probleme sind damit nicht gelöst, Risiken bleiben. Wie sich der Online-Handel auf das Geschäft auswirkt, was Analysten raten und wie sich der Aktienkurs entwickelt.
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  • dpa

WAS IST LOS BEI CECONOMY:

Der neue Vorstandsvorsitzende Jörn Werner hat keine leichte Aufgabe. Das Sparprogramm soll das Unternehmen mit seinen Elektronikmarkt-Ketten Media Markt und Saturn wieder auf Kurs bringen. Dabei hatte Werner auch unangenehme Aufgaben zu verkünden: Ein langjähriger Vorstand musste seinen Platz räumen. Seit diesem Monat besteht das Gremium nur noch aus zwei anstatt drei Lenkern. Außerdem sollen mehrere Hundert Stellen wegfallen.

"Wir haben unser enormes Potenzial bislang nicht voll ausgeschöpft", kommentierte Werner das angekündigte Sparprogramm. Bei dieser Aufgabe helfen ihm sicher auch seine Erfahrungen, die er bei seinem vorherigen Arbeitgeber sammeln konnte, der Autowerkstatt-Kette ATU. In den Händen von Finanzinvestoren stand das Unternehmen kurz vor der Insolvenz. Doch nach einer schwierigen Sanierung wurde es verkauft.

Werner, der seine Ceconomy-Stelle erst im März angetreten hat, konnte für das zweite Quartal wieder schwarze Zahlen verkünden. Das Unternehmen wies im fortgeführten Geschäft unter dem Strich einen Gewinn von 20 Millionen Euro aus. Im Vorjahr hatte an dieser Stelle noch ein Verlust von 47 Millionen gestanden.

Online-Händler machen dem SDax-Unternehmen schon lange das Leben schwer. Laut einer Untersuchung des Deutschen Handelsverbands gingen die Umsätze im Elektronikhandel wegen der Konkurrenz im Netz im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent zurück. Damit leidet die Branche noch mehr unter Amazon und Co. als der Textilhandel. Insgesamt kaufen die Deutschen demnach 30 Prozent ihrer Elektrogeräte im Internet. Ceconomy hinkt deutlich hinterher: Bei Media Markt und Saturn liegt der Online-Anteil gerade mal 14 Prozent.

Um im Online-Handel künftig stärker mitzumischen, will Ceconomy ab dem Sommer in Deutschland eine auf Datenanalyse und Künstliche Intelligenz gestützte, zentrale Preisgestaltung einführen. So wolle man den Wettbewerbern immer einen Schritt voraus sein, kündigte das Management an.

Aber es gibt noch weitere Unsicherheiten für den Konzern, zum Beispiel die US-Sanktionen gegen den chinesischen Konzern Huawei. Das könnte sich auf das Geschäft mit Smartphones und Notebooks auswirken. Es gibt zwar kein Verkaufsverbot, allerdings darf Huawei künftige Smartphone-Modelle nicht mehr mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen, was in Europa ein drastischer Nachteil ist.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Die meisten der bei dpa-AFX erfassten Analysten raten Anlegern dazu, die Aktie zu halten. Zum Kauf rät niemand, JPMorgan sieht den Kurs künftig fallen und empfiehlt, die Papiere abzustoßen. Das durchschnittliche Kursziel der Experten liegt bei 5,45 Euro - nur damit nur wenig über dem aktuellen Kurs. Einzelne Analysten - so diejenigen von Kepler Cheuvreux und Goldman Sachs - sehen den Kurs mittelfristig allerdings deutlich über sechs Euro.

Die Baader Bank hatte ihr Kursziel Ende Mai angehoben. Analyst Volker Bosse hat für das kommende Geschäftsjahr höhere Erwartungen an den operativen Gewinn. Independent Research hat das Wertpapier zeitgleich von "Verkaufen" auf "Halten" hochgestuft, weil die Zahlen für das zweite Quartal deutlich besser als erwartet ausgefallen seien. Weil die Märkte in den Niederlanden und Polen deutlich schwieriger geworden seien, beließ JPMorgan das Kursziel dennoch vergleichsweise niedrig bei 4,50 Euro.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Im vergangenen Jahr der größte Flop im SDax, konnte die Ceconomy-Aktie seit dem Rekordtief Anfang Januar um rund 80 Prozent zulegen. Der Höchstkurs in diesem Jahr lag Anfang Mai bei gut sechs Euro. Auslöser dieses Anstiegs war die Ankündigung des Sparprogramms. Seitdem hat die Aktie allerdings wieder rund 15 Prozent verloren.

Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt damit derzeit bei rund 1,9 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Anfang 2018 war die Bewertung mit rund 4,8 Milliarden Euro noch in etwa zweieinhalbmal so hoch.

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