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Wirtschaft, Handel & Finanzen CHINA-BÖRSEN IM FOKUS: Handelsstreit-Hoffnung befeuert die Erholung beim CSI

Chinesische Aktien rücken bei Investoren auf dem Wunschzettel immer weiter nach oben. Dies zeigt die dynamische Erholung beim CSI-300-Index , der die 300 wichtigsten Werte der Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen zusammenfasst. Am Montag schnellte der CSI um fast 6 Prozent nach oben und verbuchte so den größten Tagesgewinn seit dem Spätsommer 2015. Damit wurde das chinesische Kursbarometer auf den höchsten Stand seit Juni vergangenen Jahres katapultiert.
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  • dpa

DAS IST LOS IN CHINA:

Für neue Hoffnung im Handelskonflikt mit den USA, der mittlerweile schon mehr als ein Jahr zu den wichtigsten Themen an den globalen Finanzmärkten zählt, sorgte am Sonntag eine neue Kurznachricht von Donald Trump auf dem Nachrichtendienst Twitter. Demnach hat der US-Präsident eine Frist zur Erhöhung der US-Strafzölle auf chinesische Importe verschoben. Am 1. März sollte eigentlich ein 90-tägiger "Waffenstillstand" enden, den beide Seiten beim G20-Gipfel Anfang Dezember in Argentinien vereinbart hatten.

Trump stellte in seinem Tweet einen Gipfel mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Aussicht, sollte es zusätzliche Fortschritte bei den Gesprächen geben. Laut der chinesischen Seite gibt es bei ersten Verhandlungspunkten bereits Positives zu vermelden. Bei zentralen Streitfragen wie Technologietransfers, dem Schutz geistigen Eigentums und Wechselkursen seien "erhebliche Fortschritte" erzielt worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag.

Trump hatte im Januar 2018 begonnen, ernst zu machen mit seiner "America First"-Politik. Vor allem mit China schaukelte sich der Konflikt dann nach und nach hoch, indem die USA scheibchenweise begannen, ganze Listen von chinesischen Waren mit milliardenschweren Einfuhrzöllen zu belegen. Der Streit über Handelsdefizite, über Fairness im Umgang und Chancengleichheit für Schwellenländer hatte eine neue Dimension erreicht.

Die Auswirkungen machten sich zuletzt in den chinesischen Industriebetrieben mehr und mehr wirtschaftlich bemerkbar. Industrielle Einkaufsmanagerindizes (PMI) wie der vom Wirtschaftsmagazin Caixin erhobene Stimmungsindex stehen mittlerweile unter der Wachstum signalisierenden Schwelle von 50 Punkten. Auch die europäische Autoindustrie, für die China zum wichtigsten Wachstumstreiber wurde, bekommt die Zurückhaltung der chinesischen Kunden seit einiger Zeit zu spüren.

DAS SAGEN DIE EXPERTEN:

Laut dem Marktanalysten Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets ist es "eine entscheidende Botschaft, dass die neuen Strafzölle, die zum 1. März vorgesehen waren, erst einmal nicht kommen". Wie der Marktexperte Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel kommentiert, sorgt "US-Präsident Donald Trump für mehr zeitlichen Puffer im Handelsstreit".

"Es ist Frühlingszeit für chinesische Aktien", betonte ein weiterer Experte. Nach dem Ausverkauf im vergangenen Jahr, als der CSI 300 etwa ein Viertel an Wert verlor, hätten diese zuletzt "einen vermehrt günstigen Eindruck" gemacht. Nach dem jüngsten Kurssprung wiederum betonen einige, dass eine Entspannung im Handelskonflikt teilweise schon eingepreist sei - obwohl am Markt weiterhin nur die vage Hoffnung auf eine Lösung gespielt wird.

Analysten sehen in chinesischen Aktien denn auch weiter keine "sichere Wette", nach Einschätzung der NordLB "ist ein Scheitern der Gespräche noch immer nicht auszuschließen". Laut Marktbeobachter Dean Popplewell vom Broker Oanda ist die erfreuliche Entwicklung noch mit Vorsicht zu betrachten, da die Endphase der Gespräche wohl schwieriger werden wird. Andere sehen in dem jüngsten Kurssprung bereits eine "Überhitzung" in einem wankelmütigen Marktumfeld.

DAS MACHT DER CSI-300-INDEX:

An den chinesischen Börsen reichte der jüngste Nachrichtenfluss aus, um den CSI 300 am Montag mit einem Anstieg um letztlich 5,95 Prozent auf ein lange nicht gesehenes Niveau zu heben. Über 3700 Punkten hatte er letztmals im Juni 2018 gestanden, als Trump in seinem ersten großen Schritt Strafzölle auf Waren im Wert von 50 Milliarden US-Dollar verhängt hatte. Von dem Niveau über 4000 Punkten, das der Leitindex vor einem Jahr noch inne hatte, bleibt er mit aktuell knapp 3730 Punkten jedoch noch mehr als 7 Prozent entfernt.

Im Tief war der CSI zum Jahreswechsel unter 3000 Punkte und damit auf sein niedrigstes Niveau seit drei Jahren gefallen. Im neuen Jahr hat er sich nun deutlich davon erholt: Mit einem Anstieg um fast ein Viertel hat er 2019 bislang deutlich mehr gewonnen als andere wichtige Indizes. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial liegt derzeit bei einem Jahresplus von weniger als 12 Prozent. Der europäische EuroStoxx 50 sowie der japanische Nikkei bringen es auf 9,2 beziehungsweise 7,6 Prozent./tih/ag/men

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

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