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Wirtschaft, Handel & Finanzen Ökonomen-Stimmen zur Schrumpfung der deutschen Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr leicht um 0,1 Prozent zum Vorquartal geschrumpft. Das Statistische Bundesamt führt die Entwicklung vor allem auf den schwachen Außenhandel und die geringere Bauaktivität zurück. Die Konsum- und Investitionsnachfrage stützten dagegen die Konjunktur. Setzt sich der Abschwung fort, dann droht Deutschland eine technische Rezession. Was sagen Ökonomen dazu?
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  • dpa

"Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal wie erwartet um 0,1 Prozent geschrumpft. Jörg Krämer, Chefökonom Commerzbank:

"Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal wie erwartet um 0,1 Prozent geschrumpft. (...) Mit einer nachhaltigen Wende zum Besseren ist auch im kommenden Jahr nicht zu rechnen. Zum einem wird der Handelskrieg eine nennenswerte Erholung des wichtigen deutschen Exportsmarktes Chinas verhindern. Zum anderen beginnt die Schwäche in der exportorientierten Industrie auf die bislang robuste Binnennachfrage durchzuschlagen. Die deutsche Wirtschaft bleibt im einem Graubereich zwischen Magerwachstum und Rezession."

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt Deutschland ING:

"Die heutigen BIP-Daten markieren das Ende eines goldenen Jahrzehnts für die deutsche Wirtschaft. Es war ein Jahrzehnt starken Wachstums aufgrund früherer Strukturreformen, fiskalischer Anreize, der Globalisierung auf ihrem Höhepunkt und der von der EZB bereitgestellten Steroide in Form von Niedrigzinsen und einem relativ schwachen Euro. Dieses Jahrzehnt, in dem ein starkes deutsches Wachstum so mühelos wirkte, neigt sich dem Ende zu."

Uwe Burkert, Chefökonom Landesbank Baden-Württemberg:

"Die immer noch robuste Entwicklung am Arbeitsmarkt bleibt zwar angesichts ihrer stabilisierenden Wirkung auf den privaten Konsum, welcher die Wirtschaftsentwicklung auch in Q2 positiv beeinflusste, ein Stützpfeiler. Auch dessen Kraft scheint jedoch sukzessive nachzulassen, wie die Daten der zurückliegenden Monate andeuten. Geht man nach den Warnsignalen, welche fortlaufend seitens der Frühindikatoren ausgesandt werden, ist im dritten Quartal keine Besserung in Sicht und eine technische Rezession in Deutschland somit greifbar."

Alexander Krüger, Chefökonom Bankhaus Lampe:

"Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist im zweiten Quartal 2019 leicht gesunken. Für das Sommerhalbjahr sieht es nun stark nach einer technischen Rezession aus. Unsere BIP-Prognose für 2019/20 haben wir auf 0,5 bis 0,7 Prozent gesenkt. Die Schwelle zur klassischen Rezession ist niedrig."

Katharina Utermöhl, Analystin Allianz:

"Die deutsche Wirtschaft hat nach einem erfreulichen Jahresauftakt den Rückwärtsgang eingelegt. (...) In den kommenden Quartalen ist angesichts des verhaltenen Ausblicks für Welthandel und Automobilbranche sowie der anhaltenden erhöhten politischen Unsicherheit rund um Handel, Italien und Brexit bestenfalls mit einem Mini-Wachstum zu rechnen. Besorgniserregend ist, dass die Industrieschwäche zunehmend auf die Binnennachfrage abfärbt. (...) Aufgrund des sehr schwachen Starts ins dritte Quartal liegt das Rezessionsrisiko mittlerweile auf einem hohen Niveau."

Stefan Kooths, Leiter Prognosezentrum IfW:

"Die deutsche Wirtschaftsleistung hat im zweiten Quartal stagniert. Damit hat sich der Abschwung fortgesetzt, nachdem Aufholeffekte infolge von Sonderfaktoren und günstige Witterungsbedingungen zum Jahresauftakt noch für eine recht dynamische Expansion gesorgt hatten. (...) Die im Abgaben- und Transfersystem angelegten automatischen Stabilisatoren sollte man dann wirken lassen. Anlass zu konjunkturpolitischem Aktionismus besteht damit nicht."

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