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Wirtschaft, Handel & Finanzen ROUNDUP/IWH-Chef Gropp: Ostdeutsche Betriebe oft weniger produktiv

Zahlreiche Firmen im Osten Deutschlands sind nach einer Studie des Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Reint E. Gropp, auch 30 Jahre nach dem Mauerfall weniger produktiv als im Westen. So hätten Untersuchungen von vergleichbaren Betriebsstätten, die dasselbe Produkt herstellten und gleich viele Mitarbeiter hatten, Produktivitätsunterschiede von 20 Prozent ergeben, sagte Gropp am Donnerstag auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow.
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  • dpa

Der Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Armin WillingmannEine Ursache sei womöglich die Subventionspolitik, die zu einer zu hohen Beschäftigtenzahl in Firmen geführt habe, sagte Gropp. Während im Westen der Anteil der Industriearbeitsplätze gesunken sei, habe man im Osten auf den Erhalt gesetzt statt Dienstleistungen und die Städte stärker zu fördern. Eine Verringerung der Schere zwischen Ost und West sei damit nicht erreicht worden.

Gropp stieß mit seinen Thesen auf Zustimmung, aber auch Widerstand aus Wissenschaft und Politik. Der Chef der ifo-Niederlassung in Dresden, Joachim Ragnitz, führte eine geringere Produktivität darauf zurück, dass ostdeutsche Firmen ihre Produkte zu billig auf den Märkten anböten. Das führe zu einem Teufelskreis aus niedrigen Löhnen und niedrigen Preisen.

Der Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann (SPD), sagte, er verstehe den Ansatz der Metropolenentwicklung, aber man könne ländliche Regionen wie etwa die Altmark nicht vertrösten, dass sie erst Jahre später vom Wirtschaftswachstum profitierten. Zudem flössen Subventionen zumindest heute in den Aufbau der Kapitalbasis und nicht in die Herstellung einzelner Produkte. Der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, Ziel müsse die Angleichung der Lebensverhältnisse sein.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), sagte, ohne die gezielte Förderung würde es heute die industriellen Strukturen im Osten nicht geben. Er verwies darauf, dass es im Westen weiterhin im Schnitt mehr Jobs in höher qualifizierten Berufen gebe. Experten führen das auf die großen Konzerne zurück, die es im Osten kaum gibt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zum Auftakt der Konferenz den Mittelstand in Ostdeutschland in einer Grußbotschaft gelobt. "Die ostdeutsche Wirtschaft hat einen hohen Anteil daran, dass Deutschland gesamtwirtschaftlich gut dasteht", erklärte Merkel laut Mitteilung. Im Osten gebe es neben einer beeindruckenden Forschungslandschaft vor allem einen breit aufgestellten Mittelstand, darunter auch eine Reihe von Weltmarktführern. "Ob es um Mikroelektronik, Elektromobilität, Leichtbau oder andere wichtige Branchen geht, für die Bundesregierung ist die Stärkung solcher Kompetenzfelder ein vorrangiges Anliegen", erklärte Merkel.

Die jährliche Wirtschaftskonferenz im Kurort Bad Saarow östlich von Berlin wird oftmals auch als das "Davos des Ostens" bezeichnet. In diesem Jahr sollte bei der zweitägigen Konferenz der globale Wettbewerb im Zentrum der Debatten stehen.

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