Doping-Skandal Mutko schließt Rückzug als WM-Organisator nicht aus

Wackelt der Stuhl von Witali Mutko? Oder schlägt der russische Spotfunktionär eine Volte, um ungeschoren durch die Doping-Vorwürfe zu kommen? Die Treueschwüre der FIFA scheinen dünner zu klingen.
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Der stellvertretender Ministerpräsident legt die Führung des russischen Fußballverbandes vorerst nieder. Quelle: dpa
Witali Mutko

Der stellvertretender Ministerpräsident legt die Führung des russischen Fußballverbandes vorerst nieder.

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Das Internationale Olympische Komitee Ein halbes Jahr vor der Fußball-WM in Russland schließt der im Doping-Skandal bedrängte Cheforganisator Witali Mutko einen Rücktritt von diesem FIFA-Posten nicht mehr aus. Mutko sagte in Moskau außerdem, dass er die Führung des russischen Fußballverbandes RFS für bis zu sechs Monate ruhen lassen werde. In dieser Zeit wolle er sich vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne gegen die vom IOC verhängte lebenslange Olympia-Sperre wehren.

Es wäre logisch, sich auf sein staatliches Amt zu konzentrieren und die Ehrenämter abzugeben, sagte der für Sport zuständige Vizeregierungschef und Multifunktionär (59). Über den Verbleib an der Spitze des Organisationskomitees bestimme aber nicht er: „Das entscheiden das Staatsoberhaupt, der Regierungschef und der Aufsichtsrat.” Als Organisationschef der WM vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 ist er vertraglich an den Fußball-Weltverband FIFA gebunden.

Nach einer Meldung der Agentur Tass dankte die FIFA Mutko für den Rückzug aus dem russischen Fußballverband. Dies sei im Interesse einer erfolgreichen WM. Über weitere Schritte im Organisationskomitee werde die FIFA in den kommenden Tagen mit allen Beteiligten reden, zitierte die Agentur aus einer Stellungnahme. Es ändere sich nichts an einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen FIFA, russischer Regierung und dem Organisationskomitee.

Die Schauplätze der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland
Moskau
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Mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern ist Moskau die größte Stadt Europas und gilt als Machtzentrum Russlands. Zu den wichtigsten Wahrzeichen gehört der Kreml am Roten Platz. Hinter Backsteinmauern lenkt dort Präsident Wladimir Putin die Geschicke des Landes. Moskau hat zwei WM-Stadien: die Arena des Traditionsclubs Spartak sowie das renovierte Luschniki-Stadion, wo Eröffnungsspiel und Finale stattfinden.

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Kasan
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Die Hauptstadt der ölreichen Teilrepublik Tatarstan gilt als Beispiel für ein Miteinander der Kulturen – hier stehen Moscheen muslimischer Tataren neben orthodoxen Kirchen christlicher Slawen. Sportliches Aushängeschild der Stadt an der Wolga ist Rubin Kasan.

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Sotschi
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Dank der Olympischen Winterspiele unter Palmen wurde der beliebte Badeort mit subtropischem Klima 2014 weltbekannt. Zudem hat Sotschi eine Formel-1-Rennstrecke. Die russische Elite schätzt den Ort am Schwarzen Meer als Feriendomizil.

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St. Petersburg
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Zar Peter I. gründete die Stadt 1703 als „Fenster nach Europa“ seines Reichs. Hier ergriffen die Kommunisten 1917 die Macht. Zu Sowjetzeiten hieß die Stadt an der Newa Leningrad. Heute ist die Touristenmetropole die zweitgrößte Stadt Russlands. Das Zentrum ist Unesco-Welterbe und wird wegen seiner malerischen Flüsse und Kanäle auch als „Venedig des Nordens“ bezeichnet.

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Jekaterinburg
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Die nach Zarin Katharina I. benannte Stadt am Ural-Gebirge gilt als Tor nach Sibirien. 1918 wurde hier Zar Nikolaus II. mit seiner Familie ermordet. In der Region sind Schwerindustrie und Waffenschmieden angesiedelt. Als prominentester Sohn der Stadt gilt Ex-Präsident Boris Jelzin (1931-2007).

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Kaliningrad
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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Stadt Königsberg der UdSSR zugesprochen. Heute grenzt das westlichste Gebiet Russlands nur an EU-Staaten. Als bekannteste Persönlichkeit der Ostsee-Region zwischen Polen und Litauen gilt der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804).

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Nischni Nowgorod
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Die Stadt an der Mündung der Oka in die Wolga war im 19. Jahrhundert ein Konkurrent für Moskau als Handelsdrehscheibe. Ein Sprichwort sagt noch heute: „Moskau ist das Herz Russlands, St. Petersburg der Kopf und Nischni Nowgorod seine Tasche.“

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Mutko sagte, an seiner Stelle stünde der Generalsekretär des Komitees, Alexander Sorokin, bereit. Den Fußballverband soll für die Zwischenzeit dessen Generalsekretär Alexander Alajew führen, wie russische Agenturen nach einer Sitzung der Verbandsführung meldeten. „Er geht, um zu bleiben”, schrieb die russische Zeitung „Sport-Express”.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hält den langjährigen Sportminister Mutko für einen der Verantwortlichen im russischen Doping-Skandal. Die Manipulationen erreichten einen Höhepunkt bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Deshalb hatte das IOC Mutko Anfang Dezember lebenslang für Olympia gesperrt. Die FIFA hatte ihn danach zunächst unterstürzt, doch es wuchs der Druck, ein Zeichen zu setzen. Auch Fußballer, darunter russische Nationalspieler bei der WM 2014 in Brasilien, sollen von dem Doping-System profitiert haben.

Die russische Politik weist den Vorwurf systematischen Dopings zurück und spricht von Einzelfällen. „Es gibt in letzter Zeit so viele Angriffe auf den russischen Sport, aber wir gehen davon aus, dass das alles politisiert ist und die Erfolge und das Image unserer Athleten diskreditieren soll”, sagte Mutko. Die Dopingstrafen gegen russische Sportler wegen Sotschi seien durch nichts begründet. Gegen seine Sperre wollte er am Dienstag beim CAS Beschwerde einlegen.

Mutko ist ein langjähriger sportpolitischer Weggefährte von Präsident Wladimir Putin. Wie der Kremlchef begann er seine Karriere in St. Petersburg. Den Fußballverband führte er bereits von 2005 bis 2009 und ließ sich 2015 erneut an die Spitze wählen.

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