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Wirtschaft, Handel & Finanzen Aktien Europa: Drohungen aus Peking verschrecken Anleger

An Europas Börsen bleiben die Anleger am Donnerstag weiter in Alarmbereitschaft. Nach einer moderaten Erholung am Morgen von den hohen Vortagesverlusten setzten im weiteren Handelsverlauf zunehmende Ängste vor einer Eskalation des US-chinesischen Handelsstreits die Bewertungen wieder unter Druck. Der EuroStoxx50 als Leitindex der Eurozone rutschte daraufhin bis zum Mittag um 0,80 Prozent auf 3262,23 Punkte ab und näherte sich damit seinem Zwischentief von Anfang Juni weiter an.
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  • dpa

Noch in dieser Woche hatte die Hoffnung auf eine Annäherung im Handelszwist für eine kurze Phase der Entspannung an den Börsen gesorgt. Doch nun bezeichnete Peking die von den USA angekündigten Strafzölle von zehn Prozent auf viele Güter als eine Verletzung von Vereinbarungen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping und kündigte entsprechende Gegenmaßnahmen an.

Auch die zuvor noch positiven Börsen in Frankreich und Großbritannien gaben zuletzt nach. In Paris stand der Cac 40 mit rund einem Prozent im Minus, ähnlich hoch waren die Abschläge im FTSE 100 in London.

Der Handelskrieg gilt als einer der gewichtigsten Auslöser der aktuellen Konjunktursorgen an den Märkten. Am Vortag hatten Anleger fast panikartig Aktien losgeschlagen, die Notierungen an den internationalen Märkten waren rasant gefallen. Ausgelöst worden war der Ausverkauf durch ein rares Phänomen an den US-Anleihemärkten. So hatten die Renditen von langfristigen Anleihen unter jenen der kurzfristigen Rententitel gelegen. Eine solche Situation wurde letztmals vor der weltweiten Finanzkrise 2007 beobachtet und entsprechend als Vorbote einer erneuten globalen Rezession interpretiert worden.

Die Märkte seien derzeit so launisch wie das britische Wetter, schrieb Craig Erlam vom Broker Oanda. So brauche es für Stimmungsumschwünge nur einen Katalysator, von denen es in Form weiterer Konjunkturdaten bereits im Laufe des Tages noch reichlich gebe. Vor allem in den USA ist die Agenda am Nachmittag dicht bestückt.

Europaweit standen angesichts des Zwists mit China vor allem Rohstoff- und Automobilwerte auf den Verkaufslisten, für die das Land als wichtiger Abnehmer gilt. Als einzige Branche standen Versorgerwerte leicht im Plus. Die Branche profitiert angesichts hoher Verschuldungsgrade von niedrigen Zinsen.

Zudem hatten die Anleger noch im Nachklapp der Berichtssaison einiges Zahlenmaterial zu verdauen. Vestas -Papiere verloren mehr als fünf Prozent an Wert, nachdem der Windkraftanlagenbauer rückläufige Kennziffern für das zweite Quartal präsentiert und zudem trotz eines Auftragsrekords seine Margenziele gekappt hatte.

Anteile an der dänischen Reederei A.P. Moller-Maersk kamen dagegen nach der Zahlenvorlage zunächst in Fahrt und legten um mehr als sieben Prozent zu, zuletzt aber sorgten Gewinnmitnahmen für ein moderates Minus von einem halben Prozent. Analyst Patrick Creuset von der US-Bank Goldman Sachs sprach von "sehr guten Resultaten". Das operative Ergebnis habe dank einer guten Kostenentwicklung in der Containerschifffahrt um zehn Prozent über den Erwartungen gelegen.

Eine Verkaufsempfehlung durch die Experten der US-Bank JPMorgan setzte die Aktien des Bergbaukonzerns Glencore unter Druck - sie fielen in London um mehr als drei Prozent zurück. In diesen Sog gerieten auch die Anteile an den Wettbewerbern Rio Tinto und BHP Group , die jeweils rund ein Prozent nachgaben.

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