Wirtschaft, Handel & Finanzen ROUNDUP: Autozulieferer Leoni schreibt erneut tiefrote Zahlen - Aktie schwankt

Der Weg aus der Krise ist für den angeschlagenen Kabel- und Bordnetzspezialisten Leoni noch weit. Die anhaltende Flaute der Autoindustrie brockte dem Zulieferer im zweiten Quartal erneut einen dicken Verlust ein. Unter dem Strich stand ein Minus von 44 Millionen Euro nach einem Plus von 41 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Im Zuge der Zahlen teilte Leoni außerdem mit, dass der Konzern mit einem negativen Betriebsgewinn (Ebit) rechnet.
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  • dpa

Der Umsatz sank im zweiten Quartal um 6 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Der Verlust vor Zinsen und Steuern Ungeachtet der insgesamt prekären Lage gibt sich Konzernchef Aldo Kamper aber weiterhin zuversichtlich, die Trendwende zu schaffen. Er setzt dabei unter anderem auf die Effekte des Konzernumbaus, der mitten im Gange ist.

Leoni habe Fortschritte gemacht und sei auf dem richtigen Weg. "Wir sind uns aber bewusst, dass noch große Herausforderungen vor uns liegen", befand Kamper in einer Telefonkonferenz. Der Niederländer verwies darauf, dass die Nachfrage aus der Autoindustrie im zweiten Quartal weiterhin rückläufig geblieben sei, insbesondere im so wichtigen chinesischen Markt. Das schwache Umfeld belastete bei Leoni die Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Sowohl die Kabel- als auch die Bordnetzsparte des Zulieferers waren von den Problemen deutlich betroffen.

An der Börse kamen die Nachrichten gemischt an. Die ohnehin im Sinkflug befindlichen Leoni-Aktien verloren nach Handelsbeginn am Mittwoch rund 5 Prozent. Bis zum Mittag schafften sie aber knapp ins Plus, auch weil die Furcht vor eine Kapitalerhöhung ein wenig nachließ. Seit Jahresbeginn haben die Anteilsscheine zudem bereits etwa 70 Prozent an Wert verloren, in den zurückliegenden zwölf Monaten steht für Leoni sogar ein Minus von knapp 80 Prozent zu Buche. Damit sind die Franken abgeschlagenes Schlusslicht im Nebenwerteindex SDax . Aktuell kosten die Papiere nur noch knapp 9,50 Euro.

Der Umsatz sank im zweiten Quartal um 6 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug 30 Millionen Euro, nach einem positiven operativen Ergebnis in Höhe von 62 Millionen Euro im zweiten Quartal des Vorjahres. Auch beim freien Barmittelzufluss sieht es schlecht aus. Er war mit minus 72 Millionen Euro deutlich negativer als im Vorjahr, als ein Minus von 29 Millionen Euro zu Buche gestanden hatte. Dieser Free Cashflow ist als Kennzahl für Analysten und Investoren wichtig, weil er eine Aussage über die Finanzkraft des Unternehmens gibt. Ist er negativ, verbrennt ein Unternehmen quasi Geld.

Einen konkreten Ausblick auf den weiteren Jahresverlauf hatte Leoni bisher nicht gegeben. Das Unternehmen erwartet nun jedoch, dass der Umsatz für das Geschäftsjahr 2019 moderat unter dem des Vorjahres liegen wird. Mit einer erwarteten besseren Entwicklung im zweiten Halbjahr werde sich das Konzern-Ebit vor Sondereffekten zudem auf einen bis zu mittleren zweistelligen negativen Millionen-Betrag belaufen. Mit Blick auf den Free Cashflow geht Leoni davon aus, dass er durch eine weitgehend ausgeglichene Entwicklung im zweiten Halbjahr innerhalb einer Bandbreite um das Niveau des ersten Halbjahres liegen werde - plus oder minus eines niedrigen zweistelligen Millionen-Betrags.

Analysten vom Bankhaus Lampe schrieben in einer ersten Reaktion, dass Leoni weiter Barmittel verbrenne. Mit dem jüngsten Quartal habe das Unternehmen erneut enttäuscht. Da half es auch nichts, dass Vorstandschef Kamper mit Blick auf eine von Anlegern befürchtete Kapitalerhöhung gesagt hatte, dass der Druck, eine solche durchzuführen, deutlich gesunken sei. Die Experten von JPMorgan schrieben, der Ausblick auf den Betriebsgewinn (Ebit) liege beträchtlich unter ihren Erwartungen.

Während sich das Ergebnis der Kabelsparte in etwa auf Vorjahresniveau bewegte, lag es in der größeren Bordnetzsparte abermals deutlich im Minus. Als Gründe führte Leoni neben deutlich gestiegenen Lohnkosten in Osteuropa vor allem Volumenrückgänge einzelner Projekte, die Schwäche in China und planmäßige Hochlaufkosten für neue Projekte an.

Obwohl die Bordnetzsparte zuletzt klar defizitär lief, will Leoni künftig den Fokus auf deren Weiterentwicklung legen. Von der kleineren Kabelsparte will sich der Konzern dagegen im Zuge des Umbaus trennen. Neben einem kompletten Verkauf der Kabelsparte kämen auch ein Anteilsverkauf oder ein Börsengang des Segments nach wie vor in Betracht, sagte Kamper. Er halte alle Optionen für machbar. Allerdings stehe Leoni bei der Trennung von der Sparte noch am Anfang und habe "bei diesem strategisch wichtigen Schritt" keine Eile. "Wir werden hier sehr sorgfältig vorangehen", kündigte Kamper an.

Er verwies zudem darauf, dass Leoni bereits eine Reihe von Initiativen umgesetzt und erste Kosteneinsparungen realisiert habe. Zudem sei es positiv, dass sich die Schwierigkeiten am Werk im mexikanischen Merida deutlich reduziert hätten. Die Produktionssituation habe sich stabilisiert und die Belastungen für den Projektanlauf seien weitgehend abgeschlossen.

Kamper zeigte sich optimistisch, das Leoni-Geschäft stabilisieren und die Ziele des Konzerns erreichen zu können. "Wir erwarten, dass die bis Ende Juni implementierten Maßnahmen in den kommenden Jahren zu nachhaltigen Bruttokosteneinsparungen im mittleren zweistelligen Millionenbereich führen werden", sagte er.

Im Frühjahr hatte Leoni angekündigt, angesichts der Krise 2000 Stellen hauptsächlich in der Verwaltung streichen zu wollen, davon 500 in Hochlohnländern wie Deutschland. Der Großteil der Jobs soll im kommenden Jahr wegfallen, derzeit spricht das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern. Der Konzern liege beim angekündigten Stellenabbau im Plan, sagte Kamper. Leoni beschäftigt mehr als 90 000 Mitarbeiter weltweit. Mit dem Sparprogramm sollen die strukturellen Kosten bis 2022 um 500 Millionen Euro im Vergleich zu 2018 gesenkt werden.

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