Wirtschaft, Handel & Finanzen ROUNDUP: Gerresheimer gewinnt dank Kosmetik-Industrie an Schwung

Gute Geschäfte mit der Kosmetikbranche haben dem Verpackungsspezialisten Gerresheimer im abgelaufenen Geschäftsquartal Rückenwind beschert. Auch die Nachfrage nach Medikamentenverpackungen aus Glas wie Injektionsfläschchen war hoch. Für das bis Ende November laufende Geschäftsjahr sieht sich der MDax -Konzern insgesamt auf Kurs zu den eigenen Zielen.
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  • dpa

Auf Basis konstanter Wechselkurse werde weiterhin ein Umsatz von 1,38 bis 1,40 Milliarden Euro angepeilt, wie der Konzern am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte. Für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Währungseffekten werden 305 bis 315 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Wegen der Kosten für einen Großauftrag für Inhalatoren könnte aber - je nach Projektfortschritt - eher das untere Ende erreicht werden, hieß es. Zudem liegt den Prognosen weiterhin ein Wechselkurs von 1,12 US-Dollar zugrunde.

Angesichts der Dollar-Schwäche der vergangenen Monate könnten sich de facto also andere Werte ergeben. Auch im abgelaufenen Geschäftsquartal bis Ende August bekam Gerresheimer die Schwäche des Dollar, des brasilianischen Real und der indischen Rupie zu spüren. So stieg der Umsatz auf Basis konstanter Wechselkurse zwar um 8,8 Prozent auf mehr als 364 Millionen Euro, unter Berücksichtigung von Währungsschwankungen wäre das Plus aber etwas geringer ausgefallen.

Analyst David Adlington von der Bank JPMorgan lobte das Umsatzwachstum als "das beste seit dem ersten Quartal 2013", wenngleich das deutliche Plus auch an schwachen Vorjahreswerten gelegen habe. Der Rückgang des operativen Ergebnisses sei zwar etwas höher gewesen als gedacht, doch liege das auch an einmaligen Belastungen.

So fiel das bereinigte Ebitda um rund 5 Prozent auf 73,7 Millionen Euro. Selbst unter Ausklammerung des stärkeren Euros blieb ein Minus von rund zweieinhalb Prozent. Das lag zum Teil an einer Rückstellung wegen einer drohenden Rückzahlung von zu wenig gezahlten Netzentgelten in den Jahren 2012 und 2013. Grund ist eine Entscheidung der europäischen Kommission, die eine Befreiung stromintensiver Unternehmen von den Entgelten nur teilweise genehmigte.

Hinzu kommen höhere Rohstoffkosten und es floss Geld in den neuen Geschäftsbereich Advanced Technologies. Dieser war im Zuge des Kaufs des Schweizer Medizintechnikunternehmens Sensile Medical im Sommer gegründet worden. Bei den Jahresprognosen von Gerresheimer wird Sensile Medical allerdings noch nicht berücksichtigt.

Unter dem Strich fiel der Rückgang aber noch etwas höher aus: Gerresheimer erzielte ein Konzernergebnis von 19 Millionen Euro nach 26,3 Millionen Euro vor einem Jahr. Das lag dem Unternehmen zufolge unter anderem an Kosten für eine Werksschließung, der Übernahme von Sensile Medical sowie an Wertanpassungen für den 2015 übernommenen US-Pharmazulieferer Centor.

Anleger reagierten zunächst verschnupft. Am Vormittag drehte der Aktienkurs aber ins Plus und trotzte damit dem schwachen Gesamtmarkt. Laut dem JPMorgan-Analysten Adlington böten die Resultate Optimisten wie Pessimisten Nahrung. Allerdings könnte einigen Anlegern eine weitere Vorstandspersonalie nicht schmecken, glaubt der Analyst.

Der Chef der Geschäftsbereiche Plastics & Devices und Advanced Technologies, Andreas Schütte, werde Ende Februar 2019 auf eigenen Wunsch das Unternehmen verlassen, wie Gerresheimer ebenfalls am Donnerstag mitteilte. Die Aufgaben von Schütte, der seit 2009 im Vorstand war, soll dann der neue Konzernchef Dietmar Siemssen übernehmen.

Mit Siemssen hatten die Düsseldorfer jüngst nach langer Suche einen Nachfolger für den früheren Vorstandschef Christian Fischer gefunden. Er wird den Vorstandsvorsitz zum 1. November 2018 übernehmen. Im Zuge dessen hatte sich auch der derzeitige Finanzvorstand Rainer Beaujean entschieden, seinen bis Ende April 2019 laufenden Vertrag nicht zu verlängern. Er führt das Unternehmen seit Februar übergangsweise als Vorstandssprecher.

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