Wirtschaft, Handel & Finanzen ROUNDUP: Metro-Chef will Supermarktkette Real nur als Ganzes verkaufen

Der Handelskonzern Metro will seine Supermarktkette Real als Ganzes verkaufen. Überlegungen, nach denen sich potenzielle Investoren lediglich für die lukrativen Immobilien interessieren könnten, wies Vorstandschef Olaf Koch am Freitag in einer Telefonkonferenz zurück. "Wir schließen einen getrennten Verkauf von operativem Geschäft und Immobilien aus", sagte der Manager. Für die seit Jahren im Umbau befindliche Supermarktkette sieht er nun den "richtigen Zeitpunkt" für eine Eigenständigkeit gekommen. Die Aktie legte bis zur Mittagszeit um 1,6 Prozent zu. Allerdings bezweifeln Analysten, ob Koch seinen Plan auch so durchführen kann.
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  • dpa

Metro hatte am Vorabend angekündigt, sich von Real zu trennen, um sich ganz auf das Großhandelsgeschäft zu konzentrieren. Der Großhandel sei "unsere Herkunft und unsere Zukunft", sagte Koch. Völlig überraschend kommen die Verkaufsabsichten nicht. In den vergangenen Jahren war immer wieder über einen Verkauf der chronisch renditeschwachen Tochter spekuliert worden. Metro sei bereits verschiedentlich wegen eines Real-Verkaufs kontaktiert worden, habe aber abgelehnt, sagte Koch. Der Konzern sei dazu "noch nicht bereit" gewesen.

Probleme bei Real und die anhaltende Schwäche im Russland-Geschäft hatten zuletzt deutliche Spuren in der Metro-Bilanz hinterlassen. Im dritten Quartal sank der Umsatz des Handelsriesen um 3,7 Prozent auf knapp 9 Milliarden Euro. Der Nettogewinn schmolz um 23,3 Prozent auf 57 Millionen Euro zusammen.

Nun sieht Koch jedoch den richtigen Zeitpunkt für einen Verkauf gekommen. Die Supermärkte mit großer Fläche, die vor allem an den Stadträndern liegen, haben in den vergangenen Jahren eine Reihe von Umstrukturierungen durchlaufen. Das Unternehmen hat seine Konzepte mehrfach angepasst und zahlreiche verlustreiche Läden geschlossen. Vom Auslandsgeschäft, vor allem in Osteuropa, trennte sich Metro bereits vor rund fünf Jahren. Heute betreibt Real in Deutschland noch 282 Märkte und beschäftigt 34 000 Mitarbeiter. Das Onlinegeschäft wurde ausgebaut und wächst kontinuierlich, steuert aber weiterhin nur einen kleinen Teil zum Jahresumsatz von gut 7 Milliarden Euro bei.

Des Weiteren ist das Umfeld weiter problematisch. Der scharfe Konkurrenzdruck insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel fordert seinen Tribut. Zudem waren die Kosten von Real im Vergleich zu den Wettbewerbern - insbesondere den Discountern - zu hoch. Metro hatte bereits vor einiger Zeit den Flächentarifvertrag gekündigt, eine Umstellung der Tarifstruktur erfolgte nun im Frühsommer. Auch durch die Einkaufsgemeinschaft mit anderen Handelskonzernen sollen die Kosten sinken.

Mit im Verkaufspaket sind 65 Immobilien, die eine Veräußerung attraktiv auch für Immobilienkonzerne machen könnte. Welche Interessenten es gibt, ob Finanzinvestoren, Immobilienkonzerne oder Handelsunternehmen, wollte Koch nicht sagen. Koch erklärte, er wolle keinen Käufer ausschließen, "der es gut mit Real meint". Mit den Interessenten sollen nun Gespräche beginnen. Der Prozess steht dem Manager zufolge noch ganz am Anfang, Koch rechnet mit einem Abschluss innerhalb der nächsten sechs bis acht Monate, aber nicht vor dem Frühjahr 2019.

Analysten begrüßten die Verkaufsentscheidung grundsätzlich. Einen Geschäftsbereich zu verkaufen, der ständig nur enttäusche, werde bei Anlegern wohl kaum für schlechte Stimmung sorgen, schrieb Analyst Bruno Monteyne von der Investmentbank Bernstein, der sich dabei durchaus auch Onlinehändler wie Amazon als Käufer vorstellen kann. Strategisch sei es sinnvoll, sich vom schwächsten Konzernbereich zu trennen, der von geringen Gewinnen und hohen Mitarbeiterkosten gekennzeichnet sei. Analysten bewerten Real mit etwa 500 Millionen (Baader Bank) bis 700 Millionen Euro (Bernstein).

Fabienne Caron vom Analysehaus Kepler Cheuvreux hingegen bezweifelt, ob Koch sein Bestreben, Real als Ganzes zu verkaufen, durchsetzen kann. Als strategischer Investor könnte Kaufland an einigen Märkten interessiert sein, ebenso Globus. Letztlich werde es wohl auf den Verkauf einiger Standorte und die Schließung von anderen hinauslaufen, schätzt sie. Die Entscheidung von Metro, sich von Real zu trennen und sich ganz auf den Großhandel zu konzentrieren, erfolgt nur wenige Wochen, nachdem Großaktionär Haniel ein Aktienpaket von 7,3 Prozent an eine Gesellschaft des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky verkauft hat. Laut Koch ist dies ein "Zufall". Der Manager wies einen Zusammenhang zurück.

Kretinsky könnte schon bald zum größten Metro-Aktionär aufsteigen. Der Investor hat sich eine Option auf den Kauf der restlichen 15,2 Prozent der Papiere gesichert und führt zudem Gespräche mit dem Elektronikhändler Ceconomy über dessen Metro-Anteil. Ceconomy ist ebenso wie Metro im vergangenen Sommer aus der Aufspaltung der früheren Metro Group hervorgegangen.

Mit einem Real-Verkauf würde Metro wieder zu den Wurzeln zurückkehren. Bereits jetzt erzielt Metro wieder rund 80 Prozent des Umsatzes mit gewerblichen Kunden. Das Unternehmen war in den 1960er Jahren als Großhändler gegründet worden und hat über die Jahrzehnte stetig andere Gesellschaften zugekauft. Bereits vor einiger Zeit begann die Rolle rückwärts. Zuletzt trennte sich der Konzern etwa von der Warenhauskette Kaufhof. Diese soll nun mit ihrer Rivalin Karstadt zusammengehen.

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