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Der Anlagestratege Sicherer Hafen ade!

Die Börsenturbulenzen in China zeigen, dass weder Staatsanleihen noch Gold als Risikopuffer im Depot taugen. Das sollten Anleger bei ihrer Strategie möglichst berücksichtigen.
03.09.2015 - 15:46 Uhr Kommentieren
Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Zu den vielgenannten Konzepten an den Finanzmärkten zählt die Idee vom „sicheren Hafen“. Damit wird suggeriert, Geld könne bei unruhiger Wellenlage an einem geschützten Ort vor Anker gehen, bis sich der Sturm gelegt hat. Historisch gesehen stellen Staatsanleihen erstklassig beleumundeter Staaten einen solch sicheren Hafen dar. Vor allem amerikanische Staatspapiere mussten häufig als solche Fluchtstätte herhalten. In Europa nehmen öffentliche deutsche Zinspapiere diese Rolle ein.

Auch in der Theorie der Wirtschaftswissenschaften spielen sichere Häfen eine wichtige Rolle. Man muss nur an die Annahme eines „risikolosen Zinssatzes“ denken, um dies bestätigt zu finden. Da aber Zinsen in Währung anfallen, gilt vielen Anlegern die Anlage in Gold als ultimativ sicherer Hafen während Krisenzeiten, zumal das Edelmetall in der fernen Vergangenheit als Währung diente und durchaus ähnliche Funktionen wahrnehmen könnte.

Umso bemerkenswerter ist nun, dass während der jüngsten Turbulenzen an den Aktienbörsen weder Staatsanleihen noch Gold besonders vorteilhaft reagierten. Im Gegenteil: Anleihenkurse gaben ebenfalls nach und fünfjährige deutsche Staatstitel weisen mittlerweile wieder eine positive Nominalrendite von immerhin 0,13 Prozent auf, nachdem sie bis vor kurzem noch im negativen Bereich notierten. Auch die Goldnotierungen konnten – entgegen aller historischer Erfahrung - von der Unruhe an den Aktienmärkten nur marginal profitieren.

Während der großen Finanzkrise 2007 fortfolgend war das völlig anders. Die Panik, welche die Aktienbörsen ergriffen hatte, führte zu einem kolossalen Anstieg des Goldpreises, der dann noch für mehrere Jahre durch eine spekulative Eigendynamik in Gang gehalten wurde. Nicht gänzlich anders erging es dem Silberpreis, der jüngst sogar in den erneuten Abwärtsstrudel der Rohstoffe geriet. Und die Anleihenkurse gingen seither geradezu durch die Decke.

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    Auch der US-Dollar verhält sich in der aktuellen Börsensituation keineswegs so, wie man dies seit Jahrzehnten von ihm gewohnt ist. Jedenfalls ist von der Krisenwährung Dollar derzeit wenig zu spüren. Vielmehr musste die amerikanische Landeswährung in den letzten Wochen Kursverluste gegenüber Euro und Yen hinnehmen. Angesichts einer ante portas stehenden Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten ist diese Entwicklung durchaus verblüffend und steht im Widerspruch zu historischen Erfahrungen.

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