Bruns Breitseite Die Aktie ist die Königin der Sachwerte

Die Deutschen sind seltsame Anleger. Sie setzen auf Staatsanleihen, Derivate und illiquide Anlagen. Aktien sind ihnen dagegen suspekt. Ein groteskes Verhalten.
  • Christoph Bruns
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Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Deutschland gilt internationalen Kennern beim Thema Aktienanlage bestenfalls als Schwellenland. Während in den meisten Industrieländern die Aktienanlage zentraler Baustein der langfristigen Vermögensbildung und insbesondere der Altersvorsorge ist, tun sich die Deutschen mit der Beteiligung an börsennotierten Unternehmen schwer. Dieser Befund wird noch grotesker, wenn man bedenkt, wie beliebt Sachwertanlagen wie Immobilien, Gold, Schiffsbeteiligungen, Solaranlagen und Windräder sind. Hier zeigt sich die Lenkungswirkung steuerlicher Rahmensetzungen. Dabei hat die dynamische Sachwertanlage Aktie eine überlegene Historie und viele klare Vorteile gegenüber den vorgenannten Anlagen auf ihrer Seite.

In den vergangenen sechzig Jahren  hat sich Deutschland zu einem ökonomischen Riesen entwickelt. Wenngleich die Wirtschaftswunderzeiten mit ihren hohen volkswirtschaftlichen Wachstums- und Geburtenraten (man beachte den Zusammenhang beider Größen!) der Vergangenheit angehören, zählt Deutschland zu den wohlhabendsten Ländern der Erde. Geschaffen wurde der materielle Wohlstand in den Unternehmen des Landes. Es gehört zu den zentralen ökonomischen Grunderkenntnissen, dass materielle Werte beziehungsweise Wohlstand nur durch unternehmerisches Tun geschaffen werden. Dass die wohlhabendsten Deutschen ohne Ausnahme durch unternehmerischen Hintergrund zu ihrem Wohlstand gelangt sind, ist kein Zufall. In anderen Ländern finden wir ein ganz ähnliches Bild vor.

Es stellt sich daher die Frage, wie sich Bürger sinnvoll an der Wirtschaft und deren Wertschöpfung sowie ihrer Dynamik beteiligen können. Erst die Existenz von Börsen macht es möglich, Anlegern die Gelegenheit zu bieten, ihr Geld in einem oder mehreren dort notierten Unternehmen eigener Auswahl arbeiten zu lassen. Der inhaltliche Kern der Aktienanlage besteht folglich darin, sich am wirtschaftlichen Lebenswerk der Unternehmer zu beteiligen. Das ist ein Privileg.

Ein deutscher Sonderweg
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11 Kommentare zu "Bruns Breitseite: Die Aktie ist die Königin der Sachwerte"

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  • Vollkommen richtig!
    Ergänzen sollte man noch zur Problematik

    "habe ich lieber einen guten Tropfen Rotwein im Keller, ein paar schöne Antiquitäten, eine interessante Münzsammlung, ein Häuschen irgendwo anders"

    Wertschwankungen bzw. Marktschwankungen - hier als "Börsenschwankungen" bezeichnet - gibt es auch bei den oben genannten Anlagen: Nur gibt es eben keine laufenden Kurse die einem auf den ersten Blick auf evtl. vorhandene Verluste bzw. Wertschwankungen hinweisen. Zudem ist die Transparenz bei derlei Anlagen äußerst mau - ein Sammler kann sich vielleicht mit Wein/Antiquitäten beschäftigen bzw. diese bewerten, jemand der im Immobilienbereich stark ist diese - aber ein "Normalbürger"? Der überschätzt im Regelfall den Wert der "Anlagen" maßlos - oder wird von jemandem mit Sachkenntnis bei einem Verkauf über den Tisch gezogen. Zudem ist der Markt wesentlich illiquider, was einen zügigen freien Verkauf zu einem angemessenen Wert erschwert; über den volkswirtschaftlichen Nutzen von derlei Anlagen (Wein/Antiquitäten) kann man ebenfalls (wie übrigens auch bei Gold/Rohstoffanlagen) nur spekulieren...


  • Einkommena aus Aktien werden in Deutschland viel zu hoch besteuert. Der Aktionär ist Teilhaber an einem Unternehmen und trägt das Risiko des Unternehmens. Geht das Unternehmen pleite, ist der Aktienkurs bei Null.
    Als Anteilseigener gehört ihm der Gewinn des Unternehmens.
    Dieser wird in der AG mit der Kapitalertragsteuer belegt und bei der Ausschüttung als Dividende mit der Abgeltungssteuer. Gewinnt das Unternehmen an Wert und steigt die Aktie im Kurs wird beim Verkauf der Veräußerungsgewinn besteuert. Alles zusammen gerechnet liegt die Steuer auf den Unternemensgewinn insgesamt bei fast 50 %.
    Bei persönlicher Grenzsteuersatz liegt weit darunter.
    Wenn man dann noch Aktien mit einem Wertpapierkredit kauft, kann es sein, dass die Höhe der Abgeltungssteuer Steuer die Höhe der Dividenden übersteigt.
    Der Staat betätigt sich da auch als Moloch.
    Den Vielfraß will ich nicht beleidigen und ihn mit dem Staat gleichsetzen.

  • Aktien sollen Sachwerte sein? Modern geführte Unternehmen reduzieren ihre Sachwerte auf ein Minimum um gebundenes Kapital freizusetzen. Der Wert eines Unternehmens steckt eher in geistigem Eigentum und im Geschäftsmodell. Das kann sich auch schnell mal in Luft auflösen. Wer hätte z.B. gedacht, dass die Nokia Aktie eimal unter 2 Euro kostet? Die Bewertungen sind selbst bei "soliden" Dax-Unternehmen extremen Schwankungen unterworfen. Kleinere Unternehmen sind manipulationsanfällig. Für die normalen Kleinanleger bleibt die Börse ein Glücksspiel in dem die meisten verlieren. Die Deutschen haben sich an Aktien ordentlich die Finger verbrannt und daraus gelernt.

  • 'Republikaner' sagt
    -----------------------
    Die Bilanzen aller börsennotierten Gesellschaften sind mit Fremdkapital gehebelt bis ans limit.
    -----------------------

    Völliger Unsinn.

    Die Fremdkapitalquoten börsennotierter Gesellschaften können niedrig oder hoch sein.

    Zwischen Null prozent und 95% ist alles vertreten.

    Z.B:

    Drillisch 58%
    VW 75%
    Euromicron 55%
    Continental 71%
    Leoni 68%
    Rheinmetall 68%
    Aixtron 22%
    Freenet 54%
    Lanxess 70%

    Oft sind die Buchwerte recht konservativ angesetzt.

    Und - wichtig für die Schuldentrahfägigkeit - die Zinskosten machen bei den meisten deutschemn Gesellschaften nur einen Bruchteil des EBIT aus.

    +++

    'Republikaner' sagt
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    Die Bilanzen aller börsennotierten Gesellschaften sind mit Fremdkapital gehebelt bis ans limit. Sonst würden sie sehr schnell Übernahmeopfer. Wo der "Sachwert" in einer Aktie stecken soll, entzieht sich meiner Kenntnis.
    -----------------------

    Ach so - teilweise mit Fremdkapital finanzierte ("gehebelt") Sachwerte sind keine Schachwerte?

    Erzählen Sie das bitte den Häuslebauern mit Ihrer ("gehebelten") Hypothek.

    ...

    Ein teilweise fremdfinanzierter Sachwert ist immer noch ein Sachwert. Meinetwegen ein "gehebelter".

    Und Aktien sind verbriefte Sachwerte - ob gehebelt oder nicht.

  • Die Bilanzen aller börsennotierten Gesellschaften sind mit Fremdkapital gehebelt bis ans limit. Sonst würden sie sehr schnell Übernahmeopfer. Wo der "Sachwert" in einer Aktie stecken soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Blicke ich auf die Börsenbewegungen der letzten 15 Jahre und das lausige Renditeniveau mitsamt seinem exorbitanten Risiken, habe ich lieber einen guten Tropfen Rotwein im Keller, ein paar schöne Antiquitäten, eine interessante Münzsammlung, ein Häuschen irgendwo anders, aber nicht in D und vielleicht ein anspruchsvolles Hobby. Aktien igitt!!! Schon allein, weil die Steuer 1/3 meines Gewinns wegfrißt, es gibt weiß Gott Alternativen.

  • O-Ton Bruns
    --------------
    Der inhaltliche Kern der Aktienanlage besteht folglich darin, sich am wirtschaftlichen Lebenswerk der Unternehmer zu beteiligen. Das ist ein Privileg.
    --------------

    Leider redet der Herr Bruns hier über den "Kern der Aktienanlage" ohne selbst zu verstehen was das ist:

    Als Aktionär "beteiligt" man sich nicht am "Lebenswerk der Unternehmer", sondern man wird selbst zum Mitunternehmer. Denn die Aktionäre sind gemeinschaftlich die Eigentümer des Unternehmens. Auch wenn - wie bei Siemens - der Unternehmer sein Lebenswerk schon vor hundert Jahren verkauft hat, oder wie bei der Deutschen Post nie existiert hat.

    Das ist weiterhin auch kein "Privileg" (Gesülze!), sondern eine Geldanlage mit Chancen und Risiken.

    +++

    Natürlich besteht das Problem bei der Geldanlage in Aktien häufig darin, daß die lieben Mitunternehmer keinen Schimmer davon haben wie sie ihrer unternehmerischen Verantwortung gerecht werden können.

    Was dann wiederum von einem Managerfilz aus Aufsichtsräten und Vorständen dazu ausgenützt wird sich selbst die Taschen vollzustopfen selbst wenn sie das Unternehmen ruinieren.

    Ein Paradebeispiel dafür ist Commerzbank. Hätten die Aktionäre die auch nur halbwegs bei Sinnen sind, dann wären die Milliardenvernichter Müller (AR) und Blessing (VV) schon längst zum Teufel gejagt worden.

    ...

    Weshalb es unter den gegebenen Umständen - unfähige Kleinaktionäre - empfehlenswert ist sich die Eigentümerstruktur genau anzuschauen.

    Am besten fährt man nach meiner Erfahrung, wenn es zwei oder mehr Großaktionäre gibt von denen keiner die Mehrheit hat.

    Die passen dann auf den Aufsichtsrat und auf
    einander auf.

    Solange es ein gutes Management und nachhaltig tragfähiges Geschäftsmodell zu erträglichen Preisen gibt, kann man natürlich auch mal mit reinen "Publikumsgesellschaften" was verdienen.

  • ..."zählt Deutschland zu den wohlhabendsten Ländern der Erde"...

    Da gibt es doch dieses Sprichwort: "Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach."

    Für mich stellt sich die Frage ob Deutschland trotz oder wegen der Konservativen Anlageentscheidungen so wohlhabend ist.

  • @SaytheTruth

    Das ist es übrigens tatsächlich, was das "Sachwert"-Argument für Aktien motiviert bzw. wie es motiviert wird (Sachwert= gut bei Inflation, also Aktie=Sachwert).

    Aktien sind eine der ersten Anlage-Vehikel, die von "neugeschöpfem" Geld profitieren, als rein monetär-inflationärem Effekt. Die Notenbank-Zentralplaner wollen nämlich, daß das Geld da hin geht, weil die Vermögensbesitzer sich dann "reich" fühlen (wealth effect). Außerdem geht das Geld dann nicht in die eher unliebsameren Bereiche Rohstoffe (führen zur Konsumpreisinflation insbesondere Agrarrohstoffe), echtes Geld=Gold (deutet auf Währungsprobleme und Krisen hin) - Immobilien sind halbgut (Kreditexpansion und "wealth effect" versus (späterer) Mietpreis-Erhöhungen und damit Preisinflation).
    Das Inflationsargument ist aber sehr komplex (nicht nur!!!) bei Aktien und mit Vorsicht zu genießen (siehe u.a. auch die Crashs) - viel zu umfangreich, um es hier zu diskutieren.

    Ich sage auch nicht, daß Aktien generell schlecht sind. Man muß sie zur richtigen Zeit und aus den richtigen Gründen halten, nicht aufgrund des Trommelwirbels des "finanz-industriellen" Komplexes.

    Über den Sachwert-Charakter der meisten "Sachwert"-Investments kann man heutzutage übrigens auch streiten und sollte zumindest darüber nachdenken.

  • Diesem Herrn Bruns habe ich schon einmal gesagt : Wenn
    sich nicht so eine Überzahl von Gaunern jeder Coleur
    auf dem Aktienmarkt tummeln würden, dann könnte sich auch der Kleinaleger mit Aktien anfeunden. Da aber genau die Spekulanten den Markt bestimmen, wird der kleine Sparer von denen bis auf die nackte Haut abgezockt.

  • Aktien "saugen" das überschüssige Kapital am Finanzmarkt einfach auf. Das ist wohl ihr grösster Vorteil. Auch kann vorher "Devisen-Konvertiert" werden. Somit freut sich der Dow-Jones, wenn die EZB Geld druckt !! Hauptsache die Inflation wird verhindert und Aktien sind da eine gute Möglichkeit als "langfristiges Verschwindenlassen des Geldes".

    Einzig das Kurs-Gewinnverhältnis wird dabei verzerrt und auch gut gelaufene Titel kappen ihre Dividende, denn eine weltweite Rezession haben wir trotzdem.

    Aber der Weg EZB druckt Geld -> Dow Jones und Nasdaq steigt - funktioniert. Goldman Sachs und co. kassieren immer mehr Investmentbank-Gewinne ... Als Kleinanleger ist man immer auf der Verliererseite, weil Aktien entweder brutal aufgepumpt oder brutal abgestraft werden. Man ist immer zu früh oder zu spät.

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