Bruns Breitseite Die große Zinswende!

Nach Jahrzehnten der fallenden Zinsen verdichten sich die Zeichen für einen neuen weltweiten Anstieg. Den Aktienmärkten könnte dadurch Ungemach drohen - auch, wenn Gewinne und Dividenden noch robust aussehen.
  • Christoph Bruns
11 Kommentare
Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Für die Weltfinanzmärkte ist kaum ein Einflussfaktor so wichtig wie die Zinsstrukturkurve. Nach mehr als drei Jahrzehnten fallender Zinsen sowohl am kurzen wie auch am langen Ende des Zinsspektrums verdichten sich mittlerweile die Zeichen einer weltweiten Zinswende.

Seinen intellektuellen Ursprung nahm dieser außergewöhnliche Zinszyklus in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Ölpreisanstiege von 1973 und 1979 die westlichen Notenbanken zu höherer Wachsamkeit gegenüber Inflation alarmierten. Allen voran marschierte damals die Deutsche Bundesbank, die sich durch ihr Beharren auf Geldwertstabilität weltweit einen guten Ruf sowie mancherlei Feinde - zumal in Europa - schuf.

In den neunziger Jahren wurde das Erfolgsmodell der unabhängigen Bundesbank zum vielgeachteten Vorbild in der westlichen Welt. Entsprechend sahen die achtziger und neunziger Jahre fallende Zinsen, was insbesondere den Aktienmärkten deutlichen Rückenwind verschaffte. Im Jahr 1981 hatte der Zinsgipfel bei zehnjährigen US-Staatsanleihen bei knapp 16 Prozent Nominalzins gelegen. Zehn Jahre später, 1991, lag dieser Wert bei gut 8 Prozent und zum Jahrtausendwechsel dann bei etwa sechs Prozent.

Seit dem neuen Jahrtausend hat sich die Lage dann jedoch grundlegend verändert. Zuerst wurde die Bundesbank durch die Euro-Einführung im Kern obsolet und in den entscheidenden Funktionen durch die Europäische Zentralbank ersetzt. Ferner sorgten die Terroranschläge vom 11. September 2001 für eine bis dahin ungekannte Geldflutung durch den damaligen amerikanischen Notenbankenpräsidenten Alan Greenspan, der sich weithin als „Magier der Märkte“ gerierte und sich einen entsprechenden Leumund sowie große Beliebtheit bei Börsianern und Immobilienspekulanten erwarb.

Ein Ende der Zinshausse hätte enorme Folgen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Bruns Breitseite - Die große Zinswende!

11 Kommentare zu "Bruns Breitseite: Die große Zinswende!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Bei 2 Billionen Schulden würden uns 2% Zinsen im Jahr 40 Mrd. Euro kosten - nicht 30 Mrd. Und bei 6% Zinsen wären es flotte 120 Mrd pro Jahr und nicht 90 Mrd. Schöne Grüsse aus PISA

  • Wirklich steigende Zinsen wird es nicht geben, weil dies die sofortige Insolvenz der notorisch Pleite seienden westlichen Länder bedeutete.

    Wahrscheinlicher ist da eher das Prinzip "mit Vollgas an die Wand":

    - Die Notenbanken pumpen weiter ungebremst fiat-Geld in den Markt
    - Die Aktien-Bubble pumpt sich immer weiter auf
    - Eines (weniger) schönen Tages platzt die grösste Spekulationsblase aller Zeiten, die Aktienmärkte stürzen um über 50% in den Keller
    - Die Politik führt den "Reset" des Währungssystems aus, geplant ist er ja schon: Die neue Währung heisst "Bancor" und wird auf den sog. Sonderziehungsrechten (SZR) beruhen, siehe: http://gedankensplitter.bplaced.net/index.php?cat=Finanzwesen&page=SZR%20-Weltw%C3%A4hrung%20made%20by%20IWF

  • Wir scheinen uns ja alle einig zu sein: steigende Zinsen wuerden zu Staatspleiten und in deren Gefolge zu einer Wirtschaftskrise fuehren. Daher werden die Zinsen nicht steigen! Aber auch wenn die Zinsen nicht steigen, sehe ich keine Gesundung der Staatsfinanzierung. In vielen Laendern werden die Defizite nicht abgebaut oder steigen sogar. Die Schuldenquote wird weiter steigen. Staaten und Zentralbanken haben laengst die Handlungshoheit ueber Wirtschafts- und Finanzpolitik verloren. Und so werden die Dinge weiter chaotisch einer finalen Weltwirtschaftskrise entgegentrudeln.

    Ich habe wenig Hoffnung, dass ich etwas von meinen Gewinnen aus Investitionen wirklich behalten darf. Wenn es hart auf hart kommt, muessen die, die noch etwas haben, mit denen teilen, die nichts mehr haben, Lastenausgleich sozusagen. Ich habe aber die Hoffnung, dass wir Freiheit, Wuerde, Selbstbestimmung und Demokratie ueber die Krise hinwegretten koennen und einen Neuanfang machen koennen. Sicher ist das nicht.

  • Ich denke, es geht gar nicht so sehr um einen kleinen realwirtschaftlichen Schock sondern darum, dass wenn dieser Zeitpunkt eintritt, an den Assetmärkten und den daran gebundenen Finanzmärkten eine Megablase platzen wird.

    http://dollardaze.org/blog/posts/00762/Ms.png

    Das wird dazu führen, dass sich die immensen Aktiva der Geschäftsbanken von jetzt auf gleich in Luft auflösen werden - wieder einmal, nur die Größenordung wird kein historisches Beispiel haben. Die dahinterstehende Mechanik schon: Bilanzielle Schieflage, Mindesteigenkapitalunterschreiten, Pleite, Dominoeffekt,...Rettung?? Durch Staaten? Durch Steuerzahler? Die ist ab gewissen Größenordnungen nicht mehr möglich ganz abgesehen von Grenzen der Schuldensozialisierung die von den Beschissenen akzeptiert wird, insbesondere auch abgesehen von der bereits vorhanden, in vielen Ländern bereits grenzwertigen Gesamtverschuldung (Staat, Unternehmen, Bürger)

    Die Realwirtschaft hängt inzwischen am Finanzmarkt, nicht mehr andersum, deswegen geht es nicht um einen durch leichte Zinserhöhung in den Büchern so beschriebenen analoge, leichte realwirtschaftliche Delle. Tatsächlich geht es beim nächsten Boom & Bust um nicht weniger als Alles !

  • Wo glaubt der Autor die Zeichen für steigende Zinsen wahr genommen zu haben ?

  • 'Seh ich auch so, wer zuerst zuckt, verliert. Es ist die viel zitierte Abwertungsspirale, da kommt der Globus jetzt nicht mehr raus, es ist zu spät.'

    Oh nein, zu spät ist es noch lange nicht... Wir kommen da schon raus, allerdings nur dann, wenn die großen Währungsräume gemeinsam an einer Lösung arbeiten, die eine sanfte Rückführung der Geldpolitik zum Ziel hat, sobald die Volkswirtschaften robust genug sind, um einen kleinen Schock zu ertragen. Ich halte es für durchaus möglich, so etwas auf dem Verhandlungsweg durchzusetzen.



  • Seh ich auch so, wer zuerst zuckt, verliert. Es ist die viel zitierte Abwertungsspirale, da kommt der Globus jetzt nicht mehr raus, es ist zu spät.

    Die Frage ist nur noch, wo es enden wird. Oft liest man dann - wie im Artikel - von "absehbarer Zeit", weiter scheint in der Quartals-Spekulantenökonomie niemand zu denken, ein Flug mit dreifacher Schallgeschwindigkeit und man fliegt "auf Sicht"...

    Dabei ist das mit großem Abstand wahrscheinlichste Szenario in ihrem Ausmaß nie gekannte Assetpreisblasen, deren Implosion den Globus bis in´s Mark erschüttern und die rund hundert Jahre alten Spielregeln unseres Finanz- und Geldsystems hinwegfegen werden, ein globales, finanznukleares Armageddon. Kriege wurden weiß Gott für sehr viel weniger geführt

  • Ein Zinsanstieg auf das Niveau der 90er Jahre wäre wohl für alle Länder Katastrophal, da die bei den meisten Ländern eine Verdoppelung oder Verdreifachung der Zinsausgaben nach sich ziehen würde. Wenn man die letzten Jahre betrachtet wie sich ein Zinsanstieg in Italien oder spanien auswirkt, dann kann man sich evtl. vorstellen was Global passieren würde. Die Zinsausgaben würden den kleinen noch frei gestaltbaren Anteil der Haushalte abgreifen.
    Eben weil sich die öffentlichen Haushalte durch die jahrzentelange expansive Haushaltspolitik immer weiter verschuldet hat, kommen wir mit hohen Zinsen unweigerlich in Konkursnähe.
    2Bill Euro kosten bei durchschnittlich 2% Zinsen gut 30.Mrd im Jahr bei 6% sind es dann schon 90 Mrd Euro

    Auch hat sich die Verschuldung von 1990 mit gut 500Mrd auf über 2.000 Mrg bis 2012 erhöht.
    Von 1950 bis 1990haben wir Schulden iHv 500Mrd aufgehäuft / 40 Jahre hat das gedauert. das gleiche haben wir in 5 Jahren geschafft (von 2005 -2010).

    Deutschland ist da kein Einzelfall, daher wird wohl kaum ein Land höhere Zinsen überleben.

  • 'Allerdings hätte dies eine massive Währungsaufwertung und den Verlust industrieller Wettbewerbsfähigkeit zur Konsequenz.'

    Ein Dilemma: Wenn alle anderen Währungsräume ihre Volkswirtschaften mit Geld fluten und damit den Wert ihrer Währung drücken. Welche Chancen hat man als Exportnation, wenn man als einzige eine solche Politik nicht verfolgt?

  • Wird hier von dem Verfasser der Redakteur des Artikels nicht "Hausse" und "Baisse" durcheinander geworfen. "Hausse" ist demnach ein Anstieg, "Baisse" ein Abfall. Der Inhalt des Artikels kommentiert ein moegliches Ende der "Zins Baisse". Es waere schon nuetzlich, wenn Verfasser und Redakteur die Begriffe nicht durcheinander wuerfeln wuerden. PKS

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%