Bruns Breitseite Ein Gespenst steht vor der Tür: Altersarmut

In Deutschland ist es Tradition, auf Vater Staat zu setzen. Doch bei der Rente wird das nicht ausreichen. Altersarmut droht. Und die ist auch Folge der selbstverschuldeten Unmündigkeit der Bürger in Sachen Kapitalanlage
  • Christoph Bruns
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Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst der Altersarmut. Meine erste Kolumne auf Handelsblatt Online beginnt mit diesen leicht abgewandelten Worten von Karl Marx. Ob aber die oft menetekelte Altersarmut ebenso verschwindet wie der Kommunismus dies im 20. Jahrhundert tat, wird sich zeigen müssen.

Das Problem Altersarmut ist eine Kombination aus etlichen Faktoren, von denen der demographische Wandel der Wichtigste ist. Aber auch schwach rentierliche Anlageformen gehören zu den weiteren Parametern. Anders als der Kommunismus ist die Altersarmut keine – wie Marx meinte – geschichtsinnewohnende Konsequenz, sondern Folge der selbstverschuldeten Unmündigkeit der Bürger in Sachen Kapitalanlage.

In Deutschland hat es Tradition, auf „Vater Staat“ zu setzen und seiner Führungsweisheit zu vertrauen. Riester, Rürup und viele steuerbevorzugte Anlageformen legen dafür Beweis ab.

Der Gedanke, sich an der Wirtschaft zu beteiligen, liegt eher fern. Und das Instrument der Beteiligung an der Wirtschaft trägt den Namen „Aktie“. Schon das Wort bewirkt in Deutschland überwiegend abstoßende Reaktionen.

Nun muss aber gesehen werden, dass die Unmündigkeit in Kapitalanlagefragen ihre Ursache in Faulheit und Feigheit hat, oder wie Immanuel Kant, der großer Denker aus Königsberg, es dereinst formulierte: „Es ist bequem, unmündig zu sein!“

Inzwischen ist es auch teuer, denn die Unmündigkeit der meisten Deutschen in Sachen Kapitalanlage hat zu einer enormen volkswirtschaftlichen Vermögensfehlallokation geführt, wenn man einmal von der entstandenen Staatsabhängigkeit ganz absieht. Schwachrentierliche und oft riskante Anlagen dominieren die Depotaufstellungen. Ein Übriges tut der Steuersparwahn unserer Landsleute.

Um die eklatante Fehlentwicklung mittel- bis längerfristig zu korrigieren, muss von unten neu angesetzt werden. Ein Pisa-Plan zur ökonomischen Grundbildung muss her! In den Schulen muss vermittelt werden, dass der Wohlstand Deutschlands in der Wirtschaft erarbeitet wird und sonst nirgendwo. Die Kinder müssen verstehen lernen, warum es unbedingt notwendig für Unternehmen ist, Gewinne zu erwirtschaften.

Vielleicht ist dann im Laufe von Jahren auch eine Renaissance der Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft qua Aktienanlage wieder salonfähig. Klug war sie immer schon.

Aus Chicago

Ihr Dr. Christoph Bruns

 

Christoph Bruns ist Fondsmanager und Inhaber der Fondsboutique Loys.

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42 Kommentare zu "Bruns Breitseite: Ein Gespenst steht vor der Tür: Altersarmut"

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  • Dr. Bruns: „Altersarmut droht. Und die ist auch Folge der selbstverschuldeten Unmündigkeit der Bürger in Sachen Kapitalanlage.“
    Das Attribut „selbstverschuldet“ ist zu beanstanden, denn diese Unmündigkeit liegt doch im Bildungssystem begründet. In der Schulzeit wird kaum Zeit darauf verwendet, die Schüler mit der so elementaren Lebensaufgabe der Einkommensvorsorge allgemein und gerade im Alter auch nur in Anfängen vertraut zu machen. Wir begnügen uns damit, den jungen Menschen Wissen zu vermitteln, in höheren Stufen auch vielleicht ein gewissen Denkvermögen, um damit die Grundlage für eine Berufsausübung zu geben. Wie mit dem schließlich verdienten Einkommen verantwortungsbewusst umzugehen ist, überlassen wir entweder dem Elternhaus oder dem (noch nicht qualifizierten) Eigeninteresse. Selbstverschuldung wäre gegeben, wenn Grundlagen der Altersvorsorge vorausgesetzt werden könnten und wider besseres Wissen vernachlässigt würden.
    Zu fragen ist, ob dieser Mangel im Ausbildungsweg etwa mit Absicht geduldet wird. Denn er begründet und begünstigt mit dem fehlenden Wissen breiter Bevölkerungskreise die Verdienstmöglichkeiten der gesamten Finanzdienstleistungsbranche. Dabei führt deren Begünstigung zu stellenweise katastrophalen Fehlinformationen und provisionsorientierten Anlageempfehlungen unter grober Vernachlässigung der individuellen Anlegerinteressen, z.B. Investition von fälligen Lebensversicherungen mit Schwerpunkt in Aktien oder gar Auslandsaktien (= doppeltes Kursrisiko).

  • [...]!
    Was glaubt ihr, wieviel bei einem Niedriglöhner mit drei Jobs für den Kauf von Aktien übrig bleibt?

    Wenn diese Gesellschaftsgruppe sich selber überlassen bleibt, verhungert sie am Ende oder lebt von trocken Brot und Wasser das irgendwer großtuerisch als Almosen vom Tisch fallen lässt!

    [...]. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Nieder mit der Rente ! Pensionen (satte) für alle !

    Und alle Probleme sind beseitigt.

    Wer finanziert eigentlich die Pensionen ?
    Wer plündert seit Jahren die Rentenkasse ?
    Wer schafft nur noch billige Arbeitsplätze (ohne Rentenzahlung) ?
    Wer bezahlt die griechischen Beamten und Rentner ?
    Wer hat die Finanzkrise verursacht und wer bezahlt die Millionen Boni der Banker ?
    Usw.

    Fragen über Fragen !

  • Sicher alles gut und richtig, was Herr Bruns da erzählt.
    Umlagefinanzierte Rente ist sicher nicht das verkehrteste Verfahren, da sie immer im Moment erwirtschaftet und umgelegt wird, funktioniert auch bei Inflation / Währungsreform trefflich. Wegen Alterspyramide soll man noch selber vorsorgen, ok.

    ABER was mache ich mit 50? Habe ich dann noch einen Job? Oder wurde ich, wie viele andere, wegen ein paar Krankheitstagen oder grassierendem Jugendwahn schon aus dem Unternehmen gedrängt? Wie überbrücke ich die 17 Jahre bis 67? Oder sagen wir bis 62, wenn einen das JobCenter dann in die Frührente mit heftigen Abschlägen zwingt.
    Da nützen mir dann ein paar Jahre gut gemeintes Fondssparen oder Riestern herzlich wenig, wenn es mir nicht das Amt vorher abknöpft (Stichwort Schonvermögen).

    Machen wir uns nichts vor, diese Rentenvorsorgegeschichten sind alles Schönwetter-Baupläne, die bei zwei, drei Jahren Arbeitslosigkeit in den Fünfzigern nicht mehr hinhauen.

    Das ganze Problem von der Arbeitslosigkeit gegen Ende der Erwerbsbiographie ist sowieso der große Zauberwürfel, an den sich die ganzen Vorsorgeheinis nie herantrauen.

    Mein Fazit - Leben genießen, von Zeit zu Zeit mal einen Krügerrand erwerben. Der ist nämlich wenigstens Hartz IV-sicher.

  • Nur mal so: In den USA, wo die Weltsicht des Herrn Bruns nun schon mit den Genen weitergegeben wird, geht es der Mehrheit der Bevölkerung schlechter, lebt man kürzer, davon oft einen signifikanten Anteil des Lebens unter der Brücke.
    N.Y., LAX, SFO, sind Blendwerke nach aussen. Dem gemeinen Ami geht es nicht so gut obwohl er es vehement verneinen wird, wie er auch die Gesundheitsreform in den USA für Teufelswerk hält.

    Die PISA Basisarbeit scheint mir da viel eher in den USA notwendig, als hier.

    Die Versicherten-Solidargemeinschaften bei uns in Europa sind um einige Potenzen solider, als das DIY der Amis.

    Wenn hier etwas den Bach heruntergeht, dann ist die Politik schuld, die erst gekauft wurde und nun die Arbeit ihres eigentlichen Lohnzahlers macht.
    Schaut euch die Vita diverser Politiker a.D. an.
    Z.B. Clemets, um nur einen zu nennen, aber auch viele viele mehr.
    Da wird für alle öffentlich zelebriert: Wer uns dient, der hat auch später was davon...

    Früher hat die Wirtschaft die sozial Schwachen bekämpft, als Schmarotzer und Vaterlandsverräter angeprangert, wer gegen ihre Weltsicht war.

    Heute kauft man die Politik. Das ist effizienter.

  • LIEBER LINKE UND KOMMUNIST ALS UNION UND SKLAVE !!!!!!!!!

  • Klar, wenn man ein spartanisch lebender Single ist..

  • Beamte zahlen nichts, bekommen diesen Betrag aber auch nicht auf ihr Bruttogehalt (linke Tasche rechte Tasche). Frau von der Leyen hatte bei ihrem Vorstoss ganz andere Hintergedanken und hat entsprechend rechnen lassen. Aber 35 Arbeitsjahre haben noch nie zu einer üppigen Altersvorsorge gereicht und selbst von 2500 Euro brutto lässt sich noch ein kleiner Betrag zurücklegen für eine zusätzliche Altersvorsorge (kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen).

  • ich kann es nicht mehr hören "Beamte" zahlen nichts in die Kassen ein....bekommen später viel zu hohe Pensionen....an alle Schlaumeier....Beamte werden aus den Haushalten (Bund, Länder, Kommunen) bezahlt. Sollen die Beamten in die Rentenkasse einzahlen, dann ist das Bruttogehalt entsprechend vergleichbarer Angestellten im öffentlichen Dienst anzupassen. Und wo kommt das höhere Bruttogehalt her, ja natürlich wieder aus den Haushalten. Genauso verhält es sich mit der Krankenversicherung. Der Staat spart sich aktuell den Arbeitgeberanteil bei den Beamten. Schaffen wir die Privatversicherung ab und alle (auch Beamte) zahlen in eine Krankenkasse ein, sind auch der Arbeitgeberanteil aus den Haushalten zu bezahlen. So und wer drei und drei zusammenzählt, dem wird schnell klar, dass es sich nur um eine Umverteilung im Haushalt handelt. Keine zusätzlichen Gelder aus dem Nichts....Aber bitte, wenn die Gemüter damit beruhigt werden und der sozialen Gerechtigkeit damit genüge getan ist, nur zu.....

  • Nur so, aber IMHO sind Aktien auch nur die zweitbeste Lösung.
    Am Ende sieht es doch so aus, die Jungen "sparen", die Alten "konsumieren".
    Das schreit förmlich nach einer umlagefinanzierten Lösung, wo die Rentenbeiträge der Jungen als Rente bei den Alten und über deren Konsum (z.B. von Pflege- und Behandlungsdienstleistungen) wieder als Einnahmen und Gehälter bei den Jungen landen. Das Geld bleibt so immer im Umlauf und wird weder in einem Unternehmen (Aktie) noch bei einem Schuldner (Anleihe) langfristigen Risiken oder den Wetten irgendwelcher Fonds- oder Firmen-Manager ausgesetzt.

    Klar müssen dann die Rentenbeiträge auch an die Altersstruktur angepasst werden, aber das geht im Jahres- oder Monatsrythmus. Eine persönliche, kapitalgedekte Rente kann im Vergleich dazu auf Änderungen praktisch überhaupt nicht reagieren, weil dazu jahrzehntelange Zahlungen nachgeholt werden müssten. Sehr schön kann man das an den privaten Krankenversicherungen sehen. Man stellt mit 65 fest, dass die mittlere Lebensdauer gestiegen ist? Prima. Dann verteilen sich die Zusatzkosten nicht auf 60 sondern nur noch auf 15 oder 20 Jahre. Und - schwupps - hat man eine Beitragserhöhung um 1/3 oder mehr.

    Aber ich trauere mal wieder den alten Zeiten hinterher. Ok, wenn es nunmal keine umlagefinanzierte Rente mehr geben soll, gehören aktienbasierte Geldanlagen wie z.B. Indexfonds definitiv ins Portfolio.

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