Bruns Breitseite Freundschaft zwischen Staaten gibt es nicht

Gerade erst wurden die deutsch-französische Freundschaft und der Élysée Vertrag gefeiert. Doch anstatt Lobreden auf die Vergangenheit zu halten, müssen schleunigst die Konzeptionsmängel des Euro beseitigt werden.
  • Christoph Bruns
14 Kommentare
Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Die wohlgemeinten Reden sind verklungen und die vielköpfige französische Reisegemeinschaft ist auf Kosten des Steuerzahlers wieder nach Hause gereist. Es gehört zum bundesrepublikanischen Ritual, die sogenannte Deutsch-Französische Freundschaft ständig zu betonen.

Dabei ist der Ausdruck Freundschaft völlig unangebracht. Zwischen Staaten gibt es keine Freundschaft, sondern allenfalls gemeinsame Interessen. Es stünde der Politik gut zu Gesicht, diesbezüglich mehr Sachlichkeit und Nüchternheit an den Tag zu legen.

Gefeiert wurde der Élysée Vertrag, der vor fünfzig Jahren unterschrieben wurde. Aber: Freunde schließen keine Verträge, sondern vertrauen einander. Staaten schließen Verträge, weil sie sich nicht trauen.

Wie Staaten zuweilen mit Verträgen umgehen, hat man beim Euro und den Maastricht-Kriterien beobachten können. Insofern sollten jetzt nicht nostalgische Feierlichkeiten, sondern eine Rückkehr zu Vertragstreue und zwischenstaatlicher Rechtsstaatlichkeit angegangen werden.

Anstatt Lobreden auf die Vergangenheit zu halten, müssen nunmehr schleunigst die Konzeptionsmängel der europäischen Verfassung, des Euro und der Europäischen Zentralbank beseitigt werden. Für den Frieden in Europa dürfte nichts so wichtig sein wie die Wiederherstellung des Vertrauens in die Rechtsstaatlichkeit Sie ist auch Grundlage für die Schaffung von Wohlstand, der seinerseits Voraussetzung und Garant des Friedens ist.

Deutschland und Frankreich sollten sich sodann einmal ernsthaft mit der Frage beschäftigen, wie Wohlstand für alle, so wie es Ludwig Ehrhardt im Sinn hatte, zu erzielen wäre. Klar ist dies: Wer wünscht, dass die Bevölkerung signifikanter an der Wirtschaft und ihrem Wachstum beteiligt ist, als das heute der Fall ist, der muss das Instrument der Beteiligung – die Aktie – stärker in den Blick nehmen. Diesbezüglich hört man aus der Politik jedoch keine Lobreden. Stattdessen setzt man auf den Staat als Heilsbringer. Auch dies hat eine fünfzigjährige Tradition.

Aus Chicago

Ihr

 

Dr. Christoph Bruns

 

Christoph Bruns ist Fondsmanager und Inhaber der Fondsboutique Loys.

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14 Kommentare zu "Bruns Breitseite: Freundschaft zwischen Staaten gibt es nicht"

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  • 'Poldi 0824' sagt
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    Für den Frieden in Europa dürfte nichts so wichtig sein wie die Wiederherstellung des Vertrauens in die Rechtsstaatlichkeit
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    Ich wüßte nicht, wodurch dieses bezüglich Europa nennswert beschädigt worden wäre.

    +++

    'Poldi 0824' sagt
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    Schönen Abend noch.
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    Ihnen auch.

  • Für den Frieden in Europa dürfte nichts so wichtig sein wie die Wiederherstellung des Vertrauens in die Rechtsstaatlichkeit Sie ist auch Grundlage für die Schaffung von Wohlstand, der seinerseits Voraussetzung und Garant des Friedens ist.

    Diese Aussage ist richtig, leider auch nötig und eindeutig an die Politik gerichtet.

    Schönen Abend noch.

  • "Bruns Breitseite" finde ich sehr sympatisch.

    HB-Redaktion tauschen Sie mal "Bruns Breitseite" mit "Dutschke spricht" am Wochenende. Den kann ich nicht ab.

  • 'steuerhilfe.net' sagt
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    Die Freundschaft existiert doch wie früher die, der DDR zur UDSSR nur für die politischen Bonzen, der jeweiligen Staaten bzw. ihren Günzlingen in der Wirtschaft.
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    Günzlinge?

    Empfehle "http://de.thefreedictionary.com/Rechtschreibhilfe"

  • O-Ton Christoph Bruns, Fondsmanager und Inhaber der Fondsboutique Loys
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    Anstatt Lobreden auf die Vergangenheit zu halten, müssen nunmehr schleunigst die Konzeptionsmängel der europäischen Verfassung, des Euro und der Europäischen Zentralbank beseitigt werden.
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    Anstatt derartige Allgemeinplätze zu äußern wäre es von Nutzen zu sagen, worin die "Konzeptionsmängel der europäischen Verfassung, des Euro und der Europäischen Zentralbank" bestehen.

    Das wäre ein sinnvoller Beitrag zur Diskussion.

    So ist dieser Gastkommentar so überflüssig wie ein Kropf.

  • Die Freundschaft existiert doch wie früher die, der DDR zur UDSSR nur für die politischen Bonzen, der jeweiligen Staaten bzw. ihren Günzlingen in der Wirtschaft.

    Der normale Bürger hat doch von diesem ganzen Sachen sogut wie nichts und er braucht auch keine verträge um mit seinem Nachbarn auszukommen wenn er es möchte.

  • Im Idealfall stimmt es schon, Freunde schließen keine Verträge, sondern vertrauen einander. Das trifft allerdings nur für Privatpersonen zu und keinesfalls für Staaten, die in der Tat keine "Freunde" haben, sondern allenfalls gleiche oder ähnliche Interessen.
    Wenn Staten Verträge schließen ist in der Tat Vertragstreue eine entscheidende Voraussetzung, dass ein Vertrauensverhältnis zunächst entsteht und dann auch Bestand erhält.
    Trodem sollte man sich immer bewußt sein, wenn die zwischenstaatlichen Interessen sich ändern, muß auch mit "Kreativen Vertragsauslegungen" gerechnet werden, was nichts anderes als Vertragsbrüche sind.
    In privaten Verhältnissen kann man Feundschaften pflegen und "Verträge" per Handschlag besiegeln. Das ist in Ordung.
    In zwischenstaatlichen Verhältnissen ist jede Freundschaftslyrik unangemessen, sondern man hat sachlich miteinander umzugehen.
    So kommt man zu einem Umgang, wo gegenseitiger Respekt wichtiger ist als hochgeschraubte "Freundschafts- küsschen und Duz-Politik", die sowieso kein denkender Zeitgenosse für substanziell ansieht.

  • Der Elysee-Vertrag ist nichts anderes als ein Vertrag des sich als Siegermacht aufspielenden Frankreich, das in Wirklichkeit besiegt wurde und von den Angelsachsen als "Siegermacht" installiert wurde und dem Besatzungsregime von Adenauer bis Merkel.

    Das hier einseitig zu Lasten Deutschlands geht, sieht man an der Infrastruktur, die hier zunehemend verfällt und in den restlichen Staaten von Grund auf neu erschaffen wird mit deutschen Beiträgen, TARGET II Verbindlichkeiten und dem Einheitszins durch den Euro. Die Summe begwegen sich im hohen einstelltigem Billionenbreich.

    Das ganze Getöns Deutsch-französische Freundschaft ist einfach ein sogenanntes großes Potemkinsches Dorf...
    Nichts daran stimmt.

    Wie Francois Mitterrand schon sagte:"Der Euro ist ein Versailles 2.0 "

    Staaten sind keine Freunde, sie haben Interessen.

    Von deutscher Seite wird sogar gegen das deutsche Volk gearbeitet. Küsschen hier, Küsschen da und schon sind die Renten/Pensionen weg.

  • Genauso seh ich es auch! Die Euro-logen versuchen gern diese entscheidende Tatsache zu marginalisieren . Aber wenn Einigkeit in EUropa nur unter Brechung und Beugung des Rechts erreicht werden kann, dann ist diese EU einen Dreck wert.

  • Wie rotzfrech und respektlos EU-Martin Schulz ist, hat er wieder unter Beweis gestellt. Seine EU-Propaganda will er direkt in Britain ablassen - sein Steigbügelhalter soll Ed Miliband (Labour - SPD) sein, der UK am liebsten schon gestern ganz unter die WIllkühr von Brüssel zu stellen bereit ist.

    Rette sich wer kann vor dieser grössenwahnsinnigen und respektlosen EU aus Brüssel ! Völker- und Staatenfressendes mit EURO erpressendes Monster.

    Here is the king of europe Mr. Cameron !

    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/wp-content/uploads/2013/01/rompuy1.jpg

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