Bruns Breitseite Zypernkrise als Augenöffner

Auch wenn das große Bild gleich bleibt, nimmt die Feinsteuerung der Euro-Rettung doch neue Konturen an. Sparer müssen sich künftig genau ansehen, welcher Bank sie den Kredit ihrer Spar- und Termineinlagen geben wollen.
  • Christoph Bruns
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Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Offenbar hat die Politik in Berlin erkannt, dass die fortgesetzte Rettung ausländischer Banken und Länder durch deutsche Bürgschaften, Kredite und Zahlungen für das Wahlvolk in einem Wahljahr so nicht länger goutierbar ist.

Angesichts des großen privaten Reichtums in den Krisenländern schwenkte Berlin nun um und verlangte eine Beteiligung dieses Reichtums an den Rettungsaktionen. Hierfür gebührt der Bundesregierung Lob, nicht Häme, wenngleich man auf die Einhaltung der Rechtstaatlichkeit bezüglich der Einlagensicherung für 100.000 Euro pro Person hätte beachten sollen. Schade, dass die Bunderegierung nicht schon früher derartige Modelle favorisiert hat.

Derweil ist das aufgekommene Gegacker in den Medien und Internetforen nicht ohne Heuchelei. Jedermann weiß doch, dass die Sparer in den Ländern des Westens bereits in den vergangenen drei Jahren durch die sogenannte finanzielle Repression um einen Teil ihrer Spareinlagen gebracht worden sind. Genau besehen sind die nominalen Kurzzeitsparer neben den Steuerzahlern die Hauptleidtragenden der Finanzkrise.

Während der Vermögensraub durch Steuern schwarz auf weiß auf dem nächsten Kontoauszug abzulesen ist, bleibt die elegantere Methode des Vermögensraubs durch negative Realzinsen eher unbemerkt, weil schleichend. Grob gesprochen: Dem rational denkenden Menschen kann es recht einerlei sein, ob er ein Minus von fünf Prozent durch Kaufkraftverlust oder durch eine einmalige Zusatzsteuer in dieser Höhe erleidet.

Die deutsche Bundeskanzlerin hat die Interessen Deutschlands zu vertreten. Den Fehler der verfrühten Einführung des Euro kann sie heute nicht mehr ändern. Ein Zurück zur D-Marl ist aber romantische Illusion, ein vergebliches Beschwören der vermeintlich guten alten Zeiten.

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22 Kommentare zu "Bruns Breitseite: Zypernkrise als Augenöffner"

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  • Das gesamte Projekt EURO lebt doch nur noch, weil diese Regierung in Berlin und diese Opposition in Berlin, ohne jede Rücksicht auf die Zukunft unserer Kinder, also unseres Volkes, für alle Szenarien die Garantie übernommen hat. Was in den 1950er Jahren, kurze Zeit nach dem 2. WK keine Regierung Adenauer dem Volk aufgebürdet hätte, das wird von den Heutigen kaltlächelnd vollzogen. Eine wirklich schöne Demokratie ist das, so ähnlich wie bei George Orwell "1984". Wer nicht spurt ist ein Nazi und das "Argument" zieht immer.
    Armes deutsches Vaterland, jetzt verlierst Du den 2. WK.

  • "Am Beispiel Zyperns, und um den Fall geht hier die Diskussion, wird deutlich, dass es nicht zusehr um eine konkrete Bank sondern um die Zugriffsmöglichkeiten der EU-Finanzminister geht."

    Sie haben irgendwie verdrängt, oder vergessen, oder haben einen Tunnelblick - JEDER Finanzminister hat Zugriff auf Bankeinlagen seines jeweiligen Landes, wenn er will und das Parlament ein entsprechendes Gesetz verabschiedet.

    Auch im Fall Zypern - das Parlament in Zypern verabschiedet das entsprechende Gesetz, oder auch nicht.
    Sie bauen ein Gedanken-Gebäude ohne Boden.
    Ist das Absicht? Oder wissen Sie es nicht besser?
    Die Eurogruppe hat beschlossen für 10 Millarden kann sie Kredite vergeben, für den Rest muß Zypern sehen wo es herkommt. WIE der Finanzminister das bewerkstelligt, ist Sache der Zyprier, und nicht Sache der BRD, nicht Sache der Italiener, nicht Sache der Spanier, nicht Sache der Niederländer, nicht Sache der Engländer, nicht Sache der restlichen EU-Länder.
    Genauso der Minister aus Zypern keine Gesetze für die BRD beschließen kann, kann die BRD auch nicht Gesetze für Zypern beschließen.
    Da helfen auch keine Nazi-Popanze und kein Versuch irgendjemandem die Schuld zu geben. Das ist einfach kläglich, sonst nichts das ein Land mit diesem Geschäftsmodellen nicht mal 6,25% für seinen Staat abgeben will, und das noch mit "Ehre" rechtfertigt.

  • " Sparer müssen sich künftig genau ansehen, welcher Bank sie den Kredit ihrer Spar- und Termineinlagen geben wollen. "

    diesen Satz verstehe ich nicht!

    Am Beispiel Zyperns, und um den Fall geht hier die Diskussion, wird deutlich, dass es nicht zusehr um eine konkrete Bank sondern um die Zugriffsmöglichkeiten der EU-Finanzminister geht.

    Folgt man diesem Gedanken, dann ist im gesamten EU-Raum kein Geld mehr vor deren Zugriff sicher. Wer traut sich noch fremdes Geld im Euroraum anzulegen?

    Dem Vorwurf der Untreue wird er sich ggfs. strafrechtlich nicht mehr entziehen können.

  • In der Eurozone verdichten sich lediglich die fundamentalen Probleme unseres Geldsystems auf tragische Weise. Die mit der Geldmenge exponentiell steigende Labilität des Systems wird Booms and Busts in immer apokalyptischeren Größenordnungen hervorrufen, der finale Crash ist unausweichlich. Es gibt Möglichkeiten und Wege zu einer stabilen Geldordnung aber nur in einem anderen System, realwirtschaftliches Wachstum, Zinsen und Geldmenge müssen in einem Dreiklang stehen und sich analog entwickeln; ohne dass das staatliche Geldregal wiederhergestellt wird, ist dieses Szenario nicht zu verwirklichen. Chancen auf eine solche Ordnung gibt es in meinen Augen nicht vor der Apokalypse und die ist nicht mehr weit

  • Es gibt inzwischen ca. 10 mal mehr Geldmenge M3 als es Bargeld gibt wobei über 90% des Bargelds nicht im Besitz der Banken sind, M3 sind aber Zahlungsansprüche auf Bargeld. M3 wächst inzwischen mit exponentieller Geschwindigkeit aufgrund unseres fractional reserve banking Systems durch die Geschäftsbanken, de facto nicht mehr reguliert und nicht mehr regulierbar durch die Zentralbanken, in andere Worten außer Kontrolle.

    Das Geld geht in den globalen Finanzmarkt, in spekulative Finanzprodukte rund um den Globus. In unserem Geldsystem ist Geld aber das gleiche wie Schulden. Aufgrund des begrenzten Wachstums der Realwirtschaft müssen die erhofften Renditen früher oder später ausbleiben. Die kreditfinanzierten, verschuldeten Anleger und Investoren verlieren zunehmend Erträge und Kapitalvermögen (Aktiva), bleiben aber in voller Höhe auf ihren Schulden (Passiva) sitzen; die bilanzielle Schieflage tritt ein.

    Von heute auf morgen müssen unvorstellbare Mengen an Vermögen gelöscht/abgeschrieben werden. Die Frage ist nur noch: WER zahlt dafür, WER steht dafür gerade. Es werden gerade alle Modelle durchprobiert. Staaten für Unternehmen (Banken), Banken für Banken, Bürger für Banken, Bürger für Staaten, "Unionen"...der schwarze Peter, der sich mit ebensolcher exponentieller Geschwindigkeit vermehrt wird hin- und hergeschoben. Schließlich in immer größerem Maße zu dem, der am vertrauenswürdigsten, am belastbarsten, am "schuldentolerantesten", also am leistungsfähigsten ist. DAS ist euro Zukunft !

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Viel Spaas den Zyprioten als Vassall Russlands. Das selbstgewählte Gefängnis erscheint oft anziehender als die Freiheit (auch im Scheitern) auf eigenen Füssen zu stehen.

    Im übrigen geht es nur darum dass Zypern sich überhaupt wesentlich an der eigenen Rettung beteiligt. Dass die Zyprer(nicht Merkel!) ihre Kleinsparer zur Kasse bitten, geschah wohl um Europa zum Einlenken zu bewegen, so dass es alle Spielschulden des kleinen Zockers übernimmt.

    Merkel kann man nur Vorwerfen, dass sie die Dinge komplizierter macht als sie sind. In einer Marktwirtschat geht einer der Mist baut pleite (und fängt neu an). Die jahrelangen Insolvenzverschleppungen beweisen, dass dies Wahrgheit zu vertuschen nichts bringt, sondern ales nur schlimmer macht.

  • "...Ein Zurück zur D-Marl ist aber romantische Illusion, ein vergebliches Beschwören der vermeintlich guten alten Zeiten...."

    sowas ist das beste argument, was gegen eine dmark spricht?
    ich würde mir wirklich wünschen das hier mehr überprüfbare fakten kommen und nicht herabwürdigungen von menschen die eine andere meinung vertreten.
    die neagiven folgen die jetzt schon durch alternativloses politisches handeln entstanden sind und weiter aufsummiert werden sind enorm. sowohl was geld als auch das miteinander in europa angeht.

  • im letzten absatz wird die absicht von herrn bruns deutlich: "Mündige und kundige Bürger sind gefragt. Dies bedenkend wollen möglicherweise sogar mehr Menschen über alternative Anlageformen nachsinnen. Die Beteiligung an der Wirtschaft, und das auf globaler Basis, könnte daher vor einer strukturellen Renaissance stehen,..."
    übersetzt sagt er: 'seht ihr, das sparbuch bringt nix und ist obendrein nicht sicher - gebt euer geld mir - ich lege das in aktien(-fonds) an'
    und dann geht der ex-sparer los und ihm werden von wortgewandten akteuren der branche finanzvertrieb schiffsfonds, xy-zertifikate, immobilienfonds angedreht.

  • Wenn ich als Zyprioter 50.000 oder 80.000 auf dem Konto habe! Und diese Summe eigentlich nur erreicht habe, weil ich deutlich weniger Steuern bezahlen muß als z.B. die Deutschen und weil ich mehr Zinsen bekomme als z.B. die Deutschen und dann die Steuerzahler in Deuschland für meine Insel in Hafung nehmen will. Selber nichts dazuggeben möchte und die Deutschen als Nazis beschimpfe, weil sie mein schönes Leben nicht weiter bezahlen wollen, dann bin ich asozial!!

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