Der Anlagestratege Das ist eine Unverschämtheit!

Die Europäische Union führt eine Finanztransaktionssteuer auf Aktien ein. Damit werden Aktien gegenüber Zinspapieren diskriminiert. Der Grund ist zynisch: Die Staaten möchten ihre eigenen Anleihen an dem Mann bringen.
  • Christoph Bruns
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Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Man reibt sich die Augen. Wie zu vernehmen ist haben sich elf Länder aus der EU darauf geeinigt, eine Finanztransaktionssteuer auf Aktien und Derivate einzuführen. Nun sollten wir uns daran erinnern, dass die amerikanische Subprime-Krise ebenso wie die europäische Schuldenkrise ihre Ursache in zu hoher Verschuldung und in zu geringem Eigenkapital hatte. Die Konsequenz sollte folglich sein, den Eigenkapitalaufbau zu fördern und die Verschuldungsquote abzubauen.

Nach den nun vorliegenden und soeben richterlich abgesegneten Plänen sollen nunmehr Aktien und nicht Schuldtitel mit einer Finanztransaktionssteuer belegt werden. Damit offenbaren die Staaten, wes Geistes Kind sie sind. Die Staaten wollen nämlich ihre Schuldenwirtschaft munter fortsetzen. Eine Abkehr von der Droge ´Schulden´ war nie geplant. Vielmehr haben ihre Helfershelfer in den Notenbanken dafür gesorgt, dass die Schuldenorgie ungeniert weiter gehen kann. In allen betroffenen Ländern haben die ausstehenden Staatsschulden ungeachtet vorgeblicher Konsolidierungsbemühungen einen neuen Höchststand erreicht. Deutschland macht dabei keine Ausnahme.

Mit der neuen Finanztransaktionssteuer sollen Aktien gegenüber Zinspapieren stärker als bisher diskriminiert werden. Denn die natürlichen langfristigen Vorteile der Aktie gegenüber der Staatsanleihe überwiegen angesichts der Dauerniedrigzinsen und trotz steuerlicher und regulatorischer Benachteiligung inzwischen derartig stark, dass der Staat hier einzuschreiten sich aufgerufen fühlt.

Jene, die meinten, der Staat würde angesichts der drängenden Altersvorsorgeproblematik verstärkt eine Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft durch die Förderung des Aktienbesitzes unterstützen sehen sich nun völlig desillusioniert. Der Staat denkt überhaupt gar nicht daran, die Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft zu fördern. Im Gegenteil, er torpediert sie!

Vielmehr will der Staat seine eigenen Anleihen über Banken und Lebensversicherungen an den Mann bringen und dabei ist ihm eine hoch entwickelte Aktienkultur ein Dorn im Auge. Es sei daran erinnert, dass bereits heute mehr als die Hälfte der Dax Aktien in den Händen ausländischer Investoren liegen und das Geldvermögen der Deutschen ganz überwiegend zinsgebunden und damit nahezu renditelos angelegt ist. Die Bundesbank hat diesen traurigen Befund in dieser Woche durch die neuesten Zahlen zum Geldvermögen in Deutschland erhärtet.

Ablenkung vom eigenen Versagen
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7 Kommentare zu "Der Anlagestratege: Das ist eine Unverschämtheit!"

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  • In vielen Länder Europas sind Spekulationsgewinne nach einer Haltefrist steuerfrei,Erträge aus Dividenden werden meist überhaupt nicht besteuert.Und in Deutschland..? Da langt der Staat mit mindestens 25% zu.
    Wie soll sich da eine Aktienkultur entwickeln ? Kein Wunder,dass über 50% der Anleger im DAX aus dem Ausland kommen.

  • Revolution zu was? Herrschaft von Minderheiten gab es schon immer und wird es auch immer geben, schönes/unschönes Beispiel war Mittelalter. Habe selber unter der russischen Herrschaft 20 Jahre in Ost EU gelebt und viele Erfahrungen dort gesammelt ;-)

  • Phantastisch, was Deutschland mal alles war und wie es jetzt mehr und mehr auf den Hund kommt. Ministerialbüroktatie, GroKo(tz), Selbstbedienung!!!
    Dabei sollen wir ja sogar einmal eine DEMOKRATIE gehabt haben. Der Bürger zählt schon lange nicht mehr.
    Manchmal befürchte ich, dass wir aus der Nummer ohne Revolution nicht mehr herauskommen. Aber selbst die würde im Verwaltungsapparat steckenbleiben.

  • EU-Nettozahlungen, Rettungsschirme, die einzigartige Erfolgsgeschichte der "Fachkräfte"-Zuwanderung und die Energiewende, Prestigepannen unserer Politikversager (Airport Berlin, Elbphilharmonie, Nürburgring), Pleitegeschäfte der Landesbanken (Bankgesellschaft Berlin, West-LB, Bayerische LB etc.) sowie die tolle Energiewende gibt es auch nicht umsonst! Man kann eben nicht alles haben. Deutschland war noch in den 70ern und 80ern ein Paradies mit beinahe Schweizer Wohlstandsniveau, toller Infrastruktur, minimaler Kriminalitätsrate und fast Nullverschuldung. Was unsere Volkszertreter daraus bis heute gemacht haben kann jeder sehen, der nicht blind ist! Solange der Masterplan der deutschen und europäischen Spitzenpolitiker die Umverteilung deutschen Volksvermögens bleibt, wird der Niedergang des Landes weitergehen. Deshalb liegt das deutsche Medianvermögen auch auf einem der letzten Plätze im EU-Vergleich noch hinter Slovenien und der Slovakei. Die Deutschen sind schon lange nicht mehr reich und auch der Staat kommt seit langer Zeit trotz extremster Auspressung seiner Leistungsträger durch absurde Abgabenlasten und explodierender Staatsverschuldung seinen ureigensten Aufgaben nicht mehr nach. Die Wähler haben es in der Hand, die etablierten Parteien führen Deutschland in den Untergang!

  • ein hervorragender Kommentar, der den Nagel auf den Kopf trifft, der Schuldenpatient wurde durch Stereoide (Nullzinzen, Gemeinschaftshaftung der Euro-Länder) ins Leben zurückgeholt! Sein Siechtum wird das nicht beenden, das Ende (weitere Enteignung der Leistungsträger durch Abgaben bzw. Weginflationierung der Schulden) ist unausweichlich!

  • Hm? Das ist doch schon immer so. Unser Staat ist ein Verbrecher. Was gilt als risikolos per Gesetz und eignet sich zur Hinterlegung bei der EZB? Natürlich Staatsanleihen. Und als die Griechen Ramschniveau erreichten, führte man einfach eine Ausnahme ein. So waren diese Staatsanleihen weiterhin bei der EZB zu hinterlegen.

    Warum fördert der Staat die Lebensversicherer? Weil er ihnen die Anlage-/Kapitalvorschriften per Gesetz macht. Und was steht in diesem Gesetz? Dass lebensversicherer den Großteil des Kapitals in Staatsanleihen stecken muss.

    usw.

    "Du sollst nicht stehlen - der Staat duldet keine Konkurrenz!"

  • Tendenzoese Ueberschrift: "Die EU fuehrt..." es ist nicht die EU sondern EU-Mitgliedsstaaten, die diese Steuer wuenschen. Aber mit solchen Titeln kann "Stimmung" gemacht werden gegen "Europa". Wie viele, die gegen etwas sind, machen sich die Muehe, verstehen zu wollen? Es geht nur ums "Dagegensein", aber gegen was, wissen die wenigsten!

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