Der Anlagestratege Der Anlegerschutz ist gescheitert

Mit Aktien ließe sich derzeit viel Geld verdienen. Den Deutschen ist die Anlageform dennoch suspekt. Die Politik müsste mehr dafür tun, dass Sparer hierzulande ihr Geldvermögen lukrativer anlegen.
  • Christoph Bruns
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Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Es gibt in der Öffentlichkeit kaum einen Zweifel daran, dass der Anlegerschutz in Deutschland gut gemeint ist, wiewohl man auch auf diesem Feld angesichts der gemachten Erfahrungen mit Lobbyisten fragen muss, ob gewisse Produktanbieter besonders durch ihn profitieren und die Gesetzgebung gegebenenfalls beeinflusst haben. Eine ganz andere Frage ist freilich diejenige, ob der deutsche Anlegerschutz zu wünschenswerten Anlageresultaten für den Einzelnen und in der Aggregation für die Allgemeinheit führt.

Schaut man sich die Vermögensberichte der Bundesbank und der europäischen Institutionen zu diesem Thema an, dann kann man einen recht niederschmetternden Eindruck gewinnen. Die Deutschen besitzen im europaweiten Vergleich trotz hoher Sparquote nicht nur unterdurchschnittliche Ersparnisse, sie legen diese auch derartig unklug an, dass auch künftig aus dieser Quelle wenig Zuwachs zu erwarten ist. In meinen Augen spricht daher vieles dafür, dass der zwar gut gemeinte Anlegerschutz völlig kontraproduktiv wirkt und sich in der Praxis als Hemmschuh erweist.

Um sich die Dimension des Problems grob vorstellen zu können, sollte man versuchen, sich überschlägig jenen Geldbetrag vorzustellen, der den Deutschen durch ihren Finanzmarkt Analphabetismus entgeht. Bei einem Geldvermögen in Deutschland von ungefähr 5.000.000.000.000 Euro (fünf Billionen) würde ein Anlageergebnis von einem Prozent schon eine zusätzliche Einnahme von 50.000.000.000 Euro (fünfzig Milliarden) bringen. Davon greift sich der Staat automatisch ein gutes Viertel durch seinen kleptokratischen Steuerzugriff.

Die verunglückte deutsche Energiewende ist also geradezu eine finanzielle Petitesse gegenüber der sehenden Auges betriebenen Falschanlage und Fehlallokation deutscher Anlegergelder.  Nebenbei weise ich darauf hin, dass - historisch gesehen - der Renditevorteil von Aktien gegenüber langlaufenden Staatsanleihen eher bei drei  bis fünf Prozentpunkten pro Jahr liegt. Im heurigen sehr guten Aktienjahr beträgt er stramme 17 Prozent.

Entscheidend ist nun aber, dass man sich von schlechten Regelungen und Maßnahmen trennt und sie entweder ganz wegfallen lässt oder durch bessere ersetzt. Ganz ähnlich ist es ja auch mit dem Ende des deutschen Branntweinmonopols nach einhundert Jahren gekommen. Oder etwa mit dem verfehlten Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, der nun langsam zu einem überfälligen Ende gelangt.

Es bräuchte einen Pisa-Finanztest
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7 Kommentare zu "Der Anlagestratege: Der Anlegerschutz ist gescheitert"

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  • Lt. Statistik verfügen 10% von s. g. privaten Haushalten über 60% des deutschen Vermögens. Das sind die Leute die sich ohne Probleme dem Risiko der Investition in Aktien aussetzten können. Der Rest hält sein Geld lieber zusammen. Erkenntnisse aus zwei Inflationen und dem Absturz der Zockerbanken geben ihnen wohl recht. Leider zog man diese Banken zu Lasten dieser 40% wieder aus dem Dreck! Und jetzt leben sie von den lachhaft niedrig verzinsten Einlagen der 40% weiter in Saus und Braus!

  • @Anu:
    Sie mögen ja sogar Recht haben mit der von Ihnen vorgeschlagenen Anlagestrategie, speziell wenn man auf Einzelwerte und kurzfristige Kursgewinne setzt statt auf langfristige, diversifizierte, Dividenden mit einbeziehende Anlage. Ich selbst würde derzeit auch keine großen Neuinvestments in Aktien tätigen - aber beim nächsten größeren Rückschlag gerne wieder. Um genau zu sein, nehme ich derzeit eher GEwinne mit, auch auf das Risiko hin, weitere zu verpassen, falls die derzeitige Aufwärtsbewegung noch weiter geht.

    Aber Bruns spricht hier in diesem Kommentar ja überhaupt nicht davon, dass genau jetzt alle Bürger große Investments in Aktien vornehmen sollen.

    Er kommentiert und beklagt die fehlgeleitete Gesetzgebung zum Verbraucher-/Anlegerschutz und das in Deutschland leider in breiter Fläche offensichtliche Analphabetentum im Bezug auf die Geldanlage und darüber hinaus wirtschaftliche und unternehmerische Zusammenhänge.

    Aus meiner Sicht wäre noch hinzuzufügen: Das verbindet sich mit einem (zumindest in vielen Kommentaren zu Handelsblattartikeln geäußerten) Hass und der Verunglimpfung, am Ende aber einfach Neid, auf Menschen, die sich mit einer aktiven, risikobewussten (und von der Masse eben mangels Bildung nicht verstandenen) Anlagestrategie ein mehr oder weniger großes Vermögen / Finanzpolster erarbeiten. Gerne werden ja Anleger in Aktien (oder ggf. Aktienfonds) und andere Wertpapiere, die nicht deutsche Staatsanleihen sind, als gierige Zocker beschimpft - was nicht einmal auf jeden Käufer oder Verkaüfer von Optionen und anderen Derivaten zutrifft. Schließlich werden diese auch zur Absicherung verwendet.

  • Dank der unsäglichen Euro-"Rettung" von Merkel und Draghi sind die Zinsen am Boden und die Altersvorsorge von Millionen zukünftiger deutscher Rentner massiv gefährdet. Die Möglichkeit, wie in anderen Ländern auch, über Aktien Vermögen aufzubauen, wird uns durch die erste Maßnahme der neuen Einheitsregierung und der Volkskammer durch die Transaktionssteuer verbaut. Die sozialistische Regierung aus Union und SPD geht in ihrer Gier nach Geld der Bürger eben über Leichen: "Was schert uns denn die Zukunft? Hauptsache der linke Populismus wird bedient."

  • Geld verdient man am Besten wenn man billig kauft und teuer verkauft. Aktien sind zZ teuer. Man kann natürlich auch in einer Blase mit der "Greater Fool Theory" Geld verdienen. Aber ob das eine Strategie für Kleinanleger ist?

    Für den Kleinanleger gilt: Verkaufen, was die Profis empfehlen; kaufen wovon die Profis abraten.

    Wer das als Polemik empfindet, möge den Reality Check machen. Wann war der schlechtestmögliche Zeitpunkt, Telekom Aktien zu kaufen? Auf der Höhe des Pump & Dump am Ende des Dot-Com Boom. Wann war der beste Zeitpunkt zum Wiedereinstieg? Als alle davon abgeraten haben.

  • In Deutschland sind Anlagen u. Vorsorge uninteressant, da man nur vom Staat u. den sogenannten Initiatoren abgezockt u. betrogen wird.

  • Bei der aktuellen Gesetzeslage und Regulierung wird ein Berater den Teufel tun und Aktien empfehlen - da liegt der Hund begraben

  • Was mir immer unerklärlich ist:
    Wenn wir von einer inflationsbereinigten Rendite von 4% p.a. ausgehen (dies scheint der Artikel anzunehmen, "historisch gesehen"; über den (Un)Sinn von Vorhersagen auf historischen Werten kann man wohl kaum streiten...), dann heißt das doch, dass wenn wir alle so kluK sind und in Aktien investieren, sind wir alle bald reich und müssen nicht mehr arbeiten (nur die dummen und armen).

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