Der Anlagestratege Der gläserne Steuerbürger wird Realität

Steuerlich werden Erträge aus Aktienanlagen in Deutschland schon lange stark diskriminiert. Statt für Steuergerechtigkeit zu sorgen, geht es dem Staat nur um die eigenen Einnahmen, das zeigt auch ein neues Abkommen.
  • Christoph Bruns
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Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Ein Bankgeheimnis gibt es nicht mehr. Die 50 wirtschaftlich führenden Länder der Welt haben beschlossen, einen umfassenden Finanzdatenaustausch vorzunehmen. Den Behörden ist nunmehr national und international der Blick in die Konten und Steuerdaten aller Bürger eröffnet. Der gläserne Steuerbürger wird Realität.

Sofern diese umfassende Staatsaufsicht zu Steuergerechtigkeit führt, mag man sie begrüßen. Alle Erfahrung deutet aber darauf hin, dass die eigentliche Absicht der geschlossenen Vereinbarungen darin liegt, die Steuereinnahmen zu erhöhen. Jedenfalls ist es kein Zufall, dass der Ausdruck „aufkommensneutral“ in der Diskussion gar nicht auftaucht, obwohl ja zusätzliche Einnahmen von Steuersündern zur Entlastung der Steuerehrlichen verwendet werden könnten.

In Deutschland haben die getroffenen Abkommen zum Datenaustausch die erwartbaren Rituale in den politischen Lagern geweckt. Kaum war die Tinte unter den Datenaustauschverträgen trocken, da wurde bereits die Abschaffung der Abgeltungssteuer und die künftige Besteuerung von Kapitalerträgen nach den persönlichen Einkommensteuersatz gefordert, in der Hoffnung, die seit Jahren sprudelnden Steuerquellen noch üppigere Fontänen werfen zu sehen.

Für Zinsanleger ist diese Entwicklung unerfreulich, denn die Abgeltungssteuer dürfte regelmäßig unterhalb des jeweiligen persönlichen Steuersatzes liegen. Insofern ist das staatliche Scharren mit den Steuerhufen sehr verständlich. Die Obrigkeit weiß allzu genau, dass die Deutschen ihr Erspartes ganz überwiegend zinsgebunden anlegen, wenngleich viele dieser Anlagen steuerprivilegiert sind, wie zum Beispiel bei der klassischen Kapitallebensversicherung. Gedämpft werden die Hoffnungen des Staates jedoch durch die Dauernullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, so dass die Einnahmen aus der Besteuerung von Zinsanlagen zum Ingrimm des Finanzministers für längere Zeit mager ausfallen dürften.

Gänzlich anders liegt der Fall bei der Besteuerung von Kapitalerträgen aus Aktienanlagen. Im Gegensatz zu Zinsanlagen werden Dividendenausschüttungen steuerlich in Deutschland stark diskriminiert, indem Unternehmensgewinne zuerst im Unternehmen und im Falle der Ausschüttung zusätzlich beim Anleger zu versteuern sind. Diese Doppelbesteuerung ist unsystematisch, produziert unverhältnismäßig hohe Steuersätze und ist daher zutiefst ungerecht.

Mehr noch: Sie trägt im Ergebnis dazu bei, dass die Deutschen Aktienanlagen meiden und somit kaum an ihrer Wirtschaft beteiligt sind. Inzwischen ist in den letzten Jahren durch diese zum Teil staatlich gelenkte Fehlentwicklung ein Vermögensschaden von mehreren hundert Milliarden Euro entstanden. Mit Altersarmut wird unsere Gesellschaft langfristig diesen Schaden bezahlen müssen.

Eine Doppelbesteuerung muss verhindert werden
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6 Kommentare zu "Der Anlagestratege: Der gläserne Steuerbürger wird Realität"

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  • Sehr geehrter Herr Bruns,

    zweifelsohne kann man die Doppelbesteuerung und damit Benachteiligung der Aktie kritisieren. Aber wie Omarius schon schrieb ist der Kapitalanleger damit immernoch deutlich besser gestellt als der Arbeiter der in aller Regel deutlich mehr als 25% Steuern auf seinen Arbeitslohn hat.
    Vor allem aber liegen Sie mit Ihrer Analyse falsch, dass die Doppelbesteuerung der Grund für die zurückhaltende Aktienkultur der Deutschen ist. Denn für mich als Kleinanleger ist es zunächst mal egal ob der Unternehmensgewinn besteuert wird und anschließend bei mir nochmal die Dividende, so lange der Ertrag nach Steuern höher liegt als z.B. bei Festgeld (was momentan der Fall ist) ist die Aktienanlage für mich attraktiver. Den meisten fehlt doch schlicht der ökonomische Sachverstand, die sind sich dieses Umstands doch gar nicht bewusst. Die Zurückhaltung ist doch wohl eher historisch und durch mangelnde ökonomische Bildung begründet.

  • Da ist nichts mehr hinzuzufügen.

  • Alle Steuergesetze der Vergangenheit wurden von Steuerbeamten, nicht von Privaten verfasst. Dies hier ist ein Eingeständnis, dass die Steuerbeamten in der Vergangenheit nicht in der Ykage waren ordentliche Steuergesetze zu formulieren.

    Und jetzt ausgerechnet wollen die gleichen Beamten behaupten, den Stein der Weisen entdeckt zu haben?

    Kein Wort glaube ich denen, die sogar Steuergelder für den Erwerb von Hehlerware einsetzen und ausländische Bürger zur Begehung von Straftaten anstiften. Sie gehören dahin, wo andere Bürger mit ähnlichen Straftaten auch hin gehören.

  • Absolut richtig - und es freut mich auch sehr, hier im HB einmal einen kritischen Artikel zum Steuerdiebstahl an den Bürgern zu lesen.
    Der Austrian Murray N. Rothbard kam sogar zu folgendem Urteil: "Der Staat ist eine Institution des Diebstahls."
    WARUM das so ist, weshalb Leviathan sich zwangsläufig zu einer unersättlichen Staatskrake entwickeln muss, wird jedoch in den Medien kaum thematisiert - schon gar nicht in denen, die vom Staat selbst abhängig sind.
    Die Kurzerklärung finden Sie z.B. hier:
    http://forum.finanzen.net/forum/Staatsbankrott_und_Konkursverschleppung-t250965
    Und wenn man dann noch die unheilvolle Allianz von Banken und Staat mitberücksichtigt:
    http://www.youtube.com/watch?v=iFDe5kUUyT0
    Wird wohl nicht allzu lange dauern, bis die Links gelöscht werden, obwohl das Thema die Masse sowieso nicht interessiert. Für die zählt vor allem der Neidfaktor: "Der Andere besitzt mehr als ich, also soll er auch mehr Steuern bezahlen! Das ist doch nur gerecht!" ;-)

  • 1 was am meisnt besteuert wird in D ist Arbeit...
    2 ist as abkommen blendwerk.... USA sowie China, Singapur etc und damit zb Delaware machen garnicht mit
    so kann man zusammenfassen das Abkommen unterzeichnen vor allem die Staaten, aus denen die meisten Steuerflüchtigen kommen, aber kaum Länder, in denen sie sich verstecken.

    3 Gern stellen sich Deutschlands Reiche als die Lokomotive dar, die den Zug der Staatsfinanzen ganz allein zieht. Weiter kann man die Wahrheit nicht verfehlen. Mehrwertsteuern, Mineralölsteuern und Lohnsteuern werden von der Masse der Gesellschaft aufgebracht. 1960 betrug der Anteil dieser „Massensteuern“ an den Einnahmen des Finanzministers noch etwa 38 Prozent. Die „Gewinnsteuern“, die typischen Steuern der Reichen, hatten damals einen Anteil von 35 Prozent. Bis 2010 hat sich der Anteil der „Massensteuern“ mit 71 Prozent fast verdoppelt, während die „Gewinnsteuern“ unter 20 Prozent abgerutscht sind. Die Oberschicht überlässt die Finanzierung des Staates der arbeitenden Mittelschicht.

    Allein durch die Tabaksteuer nimmt der Staat mehr Geld ein als durch Steuern auf Kapitalgewinne. Auch der Beitrag der Steuern auf Unternehmensgewinne liegt noch unter dem, was Raucher in die Staatskasse pusten. Die vermögensbezogenen Steuern auch. Ihr Anteilchen beträgt gerade mal 2,3 Prozent an den Einnahmen des Fiskus. In den USA und in Großbritannien ist der Beitrag der Vermögen fünfmal größer. Deutschland ist eine Steueroase für Vermögen.“

    "Wenn das Vermögen der Reichen Erträge abwirft, werden vom Profit pauschal 25 Prozent Kapitalertragsteuer abgezogen. Vom Einkommen aus Arbeit nimmt sich das Finanzamt jedoch bis zu 45 Prozent. Bei BMW bedeutet das: Vorstände und Beschäftigte, die ein Rekordergebnis erarbeitet haben, müssen die hohe Einkommensteuer zahlen. Bei der Familie Quandt, deren Leistung sich im Gewinnabschöpfen erschöpft, begnügt der Staat sich mit 25 Prozent. Die Steuerpolitik bevorzugt das leistungslose Einkommen und bestraft den Lohn

  • hHerr Bruns,

    alles was Sie hier schreiben, ist richtig. Aber es nutzt nichts, sich über Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit Gedanken zu manchen, denn unser Geldsystem ist am Ende und alle Staaten sind hoffnungslos überschuldet.

    Daß die Staaten die Bürger wie Zitronen auspressen, ohne auch nur ansatzweise eine Gegenleistung zu liefern, zeigt, wie ernst die LAge ist.

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