Der Anlagestratege Die cleveren Japaner

Die Deutschen leugnen die Realität. Sie warten lieber auf eine Rückkehr auskömmlicher Zinsen, als ihr Vermögen in Aktien umzuschichten. Damit vergeben sie sich ihre Altersvorsorge. Da sind die Japaner schon weiter.
  • Christoph Bruns
8 Kommentare
Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Viele Beobachter mögen sich die Augen reiben, aber es ist wahr, der riesige staatliche japanische Pensionsfonds, der bei der Bank of Japan angesiedelt ist, stellt seine Anlagestrategie radikal um. Künftig soll der Anteil von Zinsanlagen deutlich zugunsten von Aktien- und Immobilienfondsinvestments sinken.

Einheimische japanische Aktien sollen in der Zukunft zirka ein Viertel des Anlagevermögens ausmachen, während japanische Zinsanlagen von zuletzt 60 auf 35 Prozent zurückgeführt werden sollen. Die verbleibenden 40 Prozent sind für Investitionen in ausländische Aktien sowie sonstige Vermögenstitel gedacht.

Wir Deutschen können die Entwicklung nur mit allergrößtem Staunen zu Kenntnis nehmen. Zunächst ist sich nämlich zu vergegenwärtigen, dass es in Deutschland einen vergleichbaren nationalen Pensionsfonds gar nicht gibt. Stattdessen ist das deutsche Rentensystem durch den Generationenvertrag charakterisiert, demzufolge die derzeitigen Arbeitnehmer den heutigen Rentnern ihre Ruhegeldzahlungen leisten.

Trotz staatlich verordneter Rentenkürzungen und Lebensarbeitszeitverlängerung ist aber der demographische Wandel bereits im Begriff, dieses System zu unterspülen. Bereits heute muss ein Teil der Renten aus dem Steuertopf bezahlt werden. Rücklagen sind in Deutschland jedenfalls nicht gebildet worden, so dass kommenden Generationen unabwendbarer Kummer ins Haus stehen wird. Das Menetekel der Altersarmut geht um.

Jene privaten Ersparnisse, die zur Vorsorge für die Altersperiode gebildet wurden, sind durch die Dauerniedrigzinspolitik der EZB ganz überwiegend fehlallokiert, alldieweil sie zumeist in renditelosen Zinsanlagen gebunden sind. Und wenngleich die Notenbanken inzwischen seit mehr als sieben Jahren eine Niedrigzinsdiät verordnet haben, weigern sich die Bürger, aber auch die meisten institutionellen deutschen Anleger, dieser Entwicklung durch umschichtendes Handeln Rechnung zu tragen.

Aus den Statistiken der Bundesbank und des deutschen Aktieninstitutes sowie der Versicherungswirtschaft lässt sich deutlich herauslesen, dass eine Rotation von Zins- zu Aktienanlagen gar nicht oder bestenfalls in ganz geringem Umfang stattgefunden hat.

Hier zeigt sich auch, dass die nachhaltigen Konsequenzen der großen Finanzkrise noch gar nicht hinreichend verstanden worden sind. Es obherrscht nach wie vor der fromme Wunsch, die alten guten Zeiten möchten doch irgendwann wieder zurückkehren.

Deutschen lieben Verschwörungstheorien
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8 Kommentare zu "Der Anlagestratege: Die cleveren Japaner"

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  • Kauf- und Verkaufprovision sind, zumindest bei Onlinebrokern(ich bin bei Consors) überschaubar.

    Zudem wird ja da wenigstens was "gemacht"........

  • @Hans Kammerer

    Spätestens wenn die FED, wie angekündigt, nächstes Jahr den Leitzins wieder hochsetzt, wird's spannend mit der Richtung der Kurse....

  • @Jürgen Bertram

    "Verkaufe ich (was normalerweise nicht vorkommt, da wie bereits erwähnt "Dividendenstrategie")die Aktien mit Gewinn, hält der Staat wieder die Hand auf."

    Und die Bank kassiert gleich mit, als Provision (genau wie beim Kauf).

  • Ich verstehe die Kritik hier nicht. Für mich ist eindeutig der Trend zu erkennen, Geld wieder selbst in die Hand zu nehmen und zu investieren.
    Warum sollten wir die Dividenden an uns vorbeigehen lassen?
    Wenn mehr Privatpersonen Unternehmensanteile halten ist die Gefahr von Kursmanipulation auch geringer. Wie dem auch sei alles ist besser als auf dem Geld sitzen zu bleiben.
    Am Ende rettet uns die Allgemeinheit wie bei Griechenlandanleihen die ja so viel sinnvoller waren als Aktien.

  • gleich vorwerg: ich bin "normaler" Angestellter und, da ich es gewohnt bin eigenverantwortlich zu handeln, Aktionär mit klassischer "Dividendenstrategie" - Erträge wurden i.d Vergangenheit immer wieder reinvestiert.

    Wegen der Mickerzinsen geht normalerweise an einem guten Aktienanteil kein Weg vorbei.
    Trotzdem muss man auch sehen: grundsätzlich wird ein Teil der "Gewinne" vom lieben Staat gleich beim Unternehmen "eingezogen".
    Die Aktien kaufe ich von bereits versteuertem Einkommen.
    Zur Zeit zahlen wir auf die Dividenden (abgesehen vom lächerlichen Steuerfreibetrag) die Abgeltungssteuer + Soli (der natürlich ewig bestehen bleibt) + ggf. Kirchensteuer.
    Verkaufe ich (was normalerweise nicht vorkommt, da wie bereits erwähnt "Dividendenstrategie")die Aktien mit Gewinn, hält der Staat wieder die Hand auf.
    Kursverluste (immer möglich, muss man wenn mgl. eben "aussitzen") gehen (falls "aussitzen" warum auch immer nicht mgl.) sowieso zu meinen Lasten.
    Die SPD diskutiert "der Gerechtigkeit wegen" bereits die nächste Steuererhöhung in dem Bereich!!!

    Ich werde daher auf absehbare Zeit im Bereich Aktien äußerst zurückhaltend sein. Man darf in diesem Staat nicht zu "reich" werden.
    Und "reich" ist in diesem Staat jeder der arbeitet und was auf die Seite legt.

  • Schon einmal daran gedacht, dass der Dax früher oder später auch mal wieder runterkommen muss ? Schon ein oder zweimal in der Vergangenheit beobachtet, dass sobald die Kleinanleger massiv umschichten und ihr Geld in Aktien stecken, die Institutionellen Gewinne mitnehmen und die Kurse auf Talfahrt gehen ?
    Ein Zweifelhafter Artikel mit einer noch zweifelhafteren Absicht. Sehr schlecht !

  • ´"...der riesige norwegische Pensionsfonds bereits seit Jahren erfolgreich..."

    Was der nette Herr Bruns verschweigt, ist, das dieser Fonds massgeblich von Einnahmen aus dem Ölgeschäft gestopft wird, und zwar regelmäßig. Deshalb nennt man ihn auch Ölfonds. Außerdem legt dieser Fonds fast ausschliesslich im Ausland an, die heimische Wirtschaft hat also davon nicht viel. Die Verwaltungs- und Managementkosten sind sehr niedrig, liegen bei 0,09 Prozent. Jetzt frage ich mich seit wenn wir in Deutschland Öl fördern und welcher Fonds so wenig Gebühren verlangt.
    Das alles verschweigt der nette Herr Burns, der offensichtlich ganz uneigennützig Papier empfiehlt, und nur unser "Bestes" will ...

  • Herr Bruns,

    seit Jahren werden die Aktienmärkte mit Luftgeld aus den Computern der Notenbanken versorgt und damit in vollkommen irreale Höhen getrieben, die nichts mit der eher schwächlichen Wirtschaftslage zu tun haben.

    Warum soll ein Mensch mit Verstand in einer solchen vollkommen künstlichen Hausse sein Geld in Aktien/Aktienfonds investieren? Der Verlust ist vorprogrammiert.

    Daß hier im HB permanent Aktien/Aktienfonds als einzig sinnvolle Kapitalanlage bejubelt werden, ist ein eindeutiger Kontraindikator. Er zeigt: dem Finanzsystem geht langsam aber sicher die Luft aus.

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