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Der Anlagestratege Goldener Oktober für Aktien

Der Börsenherbst scheint ein guter zu werden. Derweil darben die Sparer immer noch an, denn die Niedrigzinsen halten an. Von Enteignung zu sprechen ist trotzdem falsch. Am Ende sind die deutschen Anleger selber Schuld.
Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Nach der kräftigen Börsenkorrektur im Spätsommer deutet sich nunmehr ein goldener Oktober für Aktienanleger an. Nachdem der Deutsche Aktienindex Ende September sein Korrekturtief von ungefähr 9450 Punkten gesehen hat, geht es mittlerweile wieder bergauf am Börsenplatz 1 in Frankfurt. Seit Jahresbeginn liegt der Dax aktuell bei sieben Prozent im Plus und der MDax weist gar einen Zuwachs von 20 Prozent für diesen Zeitraum aus. Dazu haben die guten Absatzzahlen im europäischen Automobilsektor ebenso beigetragen wie eine Beruhigung in China. Darüber hinaus bestimmen derzeit politische und nicht wirtschaftliche Nachrichten die Titelseiten der Gazetten. Völlig zurecht genießt etwa die Völkerwanderung Richtung Europa und deren Konsequenzen aktuell die volle Aufmerksamkeit der Medien.

Derweil können sich die Börsianer auf die im Gang befindlichen Quartalsergebnisse konzentrieren. Nachdem einige Unternehmen mit Gewinnwarnungen vorgeprescht sind, zu denken ist hier etwa an Leoni, Wacker Neuson und Hugo Boss, gibt es aber auch etliche positive Überraschungen. Während in Deutschland SAP und Daimler recht überzeugende Zahlen vorlegen konnten, wusste in den USA McDonalds zu überzeugen. Auch im nordamerikanischen Industriebereich gab es mit General Electric und Dow Chemical einige Lichtblicke. Auf der Negativseite stachen hingegen Harley Davidson, Alcoa, IBM und Mattel ab. Erwähnenswert mag noch die gute Entwicklung bei Samsung Electronics in Südkorea sein, nachdem das Unternehmen zuletzt eine Durststrecke zu durchlaufen hatte. Immerhin waren die Zahlen konsistent zu den amerikanischen Wettbewerbern Texas Instruments und Intel, die ihrerseits robuste Zahlenwerke präsentierten.

Die Stabilisierung an den Börsen mag im Kern der Einsicht geschuldet sein, dass sich am Hauptthema dieser Jahre in den letzten Monaten wenig geändert hat. Wer die Gesamtsituation der Kapitalanlagemöglichkeiten betrachtet, dem wird sogleich ins Auge fallen, dass es Zinsen, wie wir sie traditionell kannten, heute nicht mehr gibt. Damit sind die allermeisten Produkte, die auf Zinseinnahmen aufbauen, wie etwa der Bausparvertrag, die klassische Lebensversicherung oder Termingelder in Form von Sparverträgen, hinfällig geworden. Und wenngleich in diesem Zusammenhang häufig das Wort von der Enteignung der Sparer fällt, so kann ich dieser Interpretation der Dauernullzinspolitik meine Zustimmung nicht geben. Zwar ist richtig, dass die allermeisten Sparer in Deutschland seit Jahrzehnten zinsgebundene Anlagen tätigen und derzeit darben. Zugleich besteht aber kein staatlicher Zwang zu zinsgebundenen Anlagen, so dass von einer Enteignung, die im Kern stets eine Zwangshandlung ist, nicht die Rede sein kann. Vielmehr müssen die eintretenden Vermögensverluste durch Falschanlage in den Verantwortungsbereich der Betroffenen verortet werden. Die in Deutschland zu beobachtende Unmündigkeit der Bevölkerung in Sachen Kapitalanlage ist letztlich von den Bürgern selber zu verantworten, weil sie sich weigern, Informationen über sinnvolle Anlagealternativen einzuholen und schließlich in praktisches Handeln umzusetzen.

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