Der Anlagestratege Griechenland hat Wahl zwischen Pest und Cholera

Auch der ausgeprägte Reisedrang der neuen griechischen Amtsträger hat an der Situation des Landes nichts geändert. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wäre für die Gemeinschäftswährung eine glückliche Fügung.
  • Christoph Bruns
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Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Wenn es um Aufmerksamkeit geht, hat die neue sozialistisch-nationale Regierung Griechenlands rasch in der Medienwelt gepunktet. Mit kernigen Forderungen, übereilten Maßnahmen, flotten Sprüchen, lockerer Kleidung und dem Rauswurf des Troika Chefs Jeroen Dijsselbloem wurde die Wahlsiegeuphorie zunächst in den hellenischen Alltag hinübergerettet.

Als hilfreich erwies sich zusätzlich der ausgeprägte Reisedrang der neuen Amtsträger, zumal dadurch weitestmögliche Berichterstattung erzeugt wurde, nicht zuletzt über die Kleidungs- und Selbstdarstellungsvorlieben der neuen Regierung. Während seiner Deutschlandtournee hoffte etwa der schneidige hellenische Finanzminister mit seinem Hinweis auf den Versailler Vertrag, der angeblich Griechenland heute genauso drangsaliere wie dereinst die Nachfahren des im ersten Weltkrieg unterlegenen Deutsche Kaiserreichs, die Bundesregierung milde zu stimmen, um einen Schuldenerlass zu erwirken.

Immerhin eine neue Variante, nachdem die Vorgängerregierungen Griechenlands noch mit der Nazi-Opfer-Keule versucht hatten, zusätzliches Geld aus Deutschland loszueisen. Inzwischen sind aber auch Tsipras und seine Claqueure wieder auf den Reparationszug aufgesprungen. Ganz konkret fordern sie Kriegs-Reparationen in Höhe von 11 Milliarden Euro von Deutschland.

Jetzt aber, wo sich das Siegeskonfetti matt auf die Straßen Athens gelegt hat und die kommunistischen sowie die nationalistischen Fahnen eingerollt sind, muss Alexis Tsipras die Einsicht des Goetheschen Faust in den Ohren klingen, wo es heißt: „Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.“

An der beklagenswerten Lage Griechenlands hat sich nämlich durch den Regierungswechsel wenig geändert, wenn man einmal davon absieht, dass wohlwollende und bislang solidarische Partner und Freunde durch die forschen Auftritte gerade verprellt wurden. Es ist ein anthropologisches Phänomen, dass Menschen und erst recht Nationen der Auffassung zuneigen, ihre Probleme seien überwiegend von Dritten und nicht von ihnen selbst verursacht.

In Griechenland ist es keinen Deut anders. Die ständigen Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite gepaart mit Bilanzfälschung beim Euro-Eintritt sowie der eklatante Mangel an Verwaltungsinfrastruktur und die Dauerkorruption hat trotz permanenter Alimentierung aus Europa einen riesigen Schuldenberg entstehen lassen.

Was Not täte, wäre jetzt die Schaffung von Investitionsbedingungen und -Anreizen für die private Wirtschaft und eine Beseitigung der staatlichen Unordnung in Athen und Umgebung. Hier sind Themen wie Planungssicherheit, Rechtssicherheit, Steuerverlässlichkeit, Vertragstreue, politische Stabilität und dergleichen gefragt.

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