Dr. Sommers Marktdiagnose Das unnormale Börsenjahr 2017

Aktienkurse steigen langsam, aber stetig. Die Börse präsentiert sich so ruhig wie selten. Doch was sollen Anleger in dieser besten aller möglichen Welten bloß tun, um nicht vom Kursrutsch überrascht zu werden?
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Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.
Dr. Sommers Marktdiagnose

Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.

DüsseldorfSie legt zu, pendelt leicht auf und ab, ehe sie weiter steigt. Das ist die Börse 2017. Seit Jahresbeginn gab es so gut wie keine Korrektur, geschweige denn einen Crash. Ist das normal?

Nur 1996 und 2005 verlief der Kursverlauf beim Dax ähnlich glatt wie diesmal – in diesen beiden Jahren betrugen die Kursverluste vom jeweiligen Hoch weniger als sechs Prozent. 2017 sind es bislang sogar noch viel weniger, kaum drei Prozent. Also noch ruhiger als ruhig. Das ist ungewöhnlich, denn: Seit 1975 korrigierte der Dax im Durchschnitt um 18 Prozent innerhalb eines Kalenderjahres. Das ermittelte der erfahrene DZ-Bank-Analyst Christian Kahler.

Das sind die größten Kapitalvernichter

EXCEET GROUP SE BEARER RED.SHARES A O.N.

WKN
ISIN
LU0472835155
Börse
Xetra

0,00 0,00%
+5,60€
Chart von EXCEET GROUP SE BEARER RED.SHARES A O.N.
Platz 10. Exceet Group
1 von 11

Die auf Elektronik und Sicherheitstechnik spezialisierte Exceet Group hat Anlegern auf fünf Jahre gesehen 67 Prozent Verlust gebracht. In den vergangenen drei Jahren verloren Aktionäre mit knapp 55 Prozent immer noch über die Hälfte ihres eingesetzten Kapitals, im vergangenen Jahr waren es 37 Prozent. In ihre Performancerechnung einbezogen haben die Anlegerschützer neben der Kursentwicklung auch die Dividendenzahlungen.

mybet Holding SE

WKN
ISIN
DE000A0JRU67
Börse
n. a.

Chart von mybet Holding SE
Platz 9. Mybet Holding
2 von 11

Ein Glücksspiel-Konzern als Wertvernichter entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Auf fünf Jahressicht machten Mybet-Aktionäre fast 66 Prozent Verlust – die Dividendenzahlungen eingerechnet. Das ist zwar etwas weniger als die auf Platz zehn platzierte Exceet Group. Wer erst vor drei Jahren auf Mybet setzte, muss Kursverluste von 57 Prozent verschmerzen. Im vergangenen Jahr schlug ein Minus von 48 Prozent zu Buche.

AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0WMPJ6
Börse
Xetra

-0,49 -3,84%
+12,24€
Chart von AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 8. Aixtron
3 von 11

Minus 68 Prozent: So lautet die Bilanz der Aixtron-Aktionäre nach fünf Jahren. Auf Sicht von drei Jahren ist das Bild sogar noch schlechter, die Verluste summieren sich auf 70,5 Prozent. Die Herzogenrather hatten allein 2015 mit der drastischen Reduzierung eines chinesischen Großauftrags und anschließender Ausverkaufsstimmung bei den Aktionären zu kämpfen. Im vergangenen Jahr konnte der Absturz etwas abgebremst werden, Aixtron-Papiere verloren „nur“ 25 Prozent. In der Rangliste der größten Wertvernichter wird das Unternehmen damit nicht mehr auf Platz fünf geführt, sondern lediglich auf Platz acht.

SKW STAHL-METALLURGIE HLDG AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000SKWM021
Börse
Xetra

+0,01 +4,35%
+0,21€
Chart von SKW STAHL-METALLURGIE HLDG AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 7. SKW Stahl-Metallurgie
4 von 11

Drei Plätze verloren hat im Vergleich zum Vorjahresranking hingegen die SKW Stahl-Metallurgie. Auf fünf Jahre gesehen verloren Aktionäre 71 Prozent ihres Vermögens, Dividendenzahlungen eingerechnet. Wer die Aktie seit 2014 hält, machte ein Minus von 75 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Für 2016 berechneten die Anlegerschützer der DSW ein Minus von 15 Prozent.

SGL CARBON SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007235301
Börse
Xetra

-0,07 -0,69%
+10,02€
Chart von SGL CARBON SE INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 6. SGL Carbon
5 von 11

Der Kohlenstoffspezialist SGL Carbon hofft derzeit auf die Wende. Konzernchef Jürgen Köhler: „Im Geschäftsjahr 2016 haben wir die Voraussetzungen für den Neubeginn und für die Rückkehr zu profitablem und nachhaltigem Wachstum geschaffen.“ Der Kohlefaserspezialist aus Wiesbaden will spätestens 2018 wieder schwarze Zahlen schreiben, im Oktober 2016 verkaufte man das verlustreiche Geschäft mit Grafitelektroden. In den vergangenen fünf Jahren machten Anleger mit SGL Carbon-Papieren 74 Prozent Verlust. Auf Dreijahressicht summierte sich der Verlust auf 67 Prozent, auf ein Jahr gesehen machten Anleger 15 Prozent Minus – Dividendenzahlungen eingerechnet.

AIR BERLIN PLC REGISTERED SHARES EO -,25

WKN
ISIN
GB00B128C026
Börse
Xetra

+0,00 +5,08%
0,00€
Chart von AIR BERLIN PLC REGISTERED SHARES EO -,25
Platz 5. Air Berlin
6 von 11

Seit Jahren kommt die Berliner Airline einfach nicht aus den roten Zahlen. Die Fluglinie verfolgte einen Expansionskurs, der 2015 in einem Rekordverlust mündete. Ohne Finanzspritzen des größten Aktionärs – der arabischen Etihad – wäre Air Berlin vermutlich längst am Boden. Die chronisch unter Druck stehende Airline mutet Investoren einiges zu. Auf fünf Jahre gesehen haben Air Berlin-Aktionäre 76 Prozent ihres eingesetzten Kapitals verloren. Binnen drei Jahren verloren sie 63 Prozent, auf Sicht von einem Jahr summiert sich das Minus auf 34 Prozent.

SYGNIS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A1RFM03
Börse
Xetra

-0,02 -1,25%
+1,42€
Chart von SYGNIS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 4. Sygnis Pharma
7 von 11

Der deutsch-spanische Polymerase-Hersteller schreibt seit seiner Gründung 1997 durchgehend rote Zahlen. 2015 die Nummer fünf der Kapitalvernichter, belegt das Pharmaunternehmen in der aktuellen Auswertung der DSW sogar Platz vier. In den vergangenen fünf Jahren verloren Aktionäre 71 Prozent ihres Kapitals. Ähnlich schlecht fällt Bilanz nach drei Jahren aus. Auf Sicht von einem Jahr verloren Anleger mit Sygnis-Titeln 39 Prozent ihres Einsatzes.

Daraus folgt: Dass 2017 so ruhig bleibt wie bislang, ist äußerst unwahrscheinlich. Vielmehr müssen sich Anleger auf größere Schwankungen in den nächsten Monaten einstellen. Vor allem auf eine zwischenzeitliche und mehrwöchige (mindestens!) Korrektur nach unten.

Sollte der Dax in den nächsten Monaten tatsächlich beispielsweise um 18 Prozent korrigieren, so wie es der Durchschnittswert vorsieht, fände sich das Börsenbarometer bei weniger als 10500 Punkten wider. Ein scharfer Trendbruch oder gar eine Talfahrt wäre das aber immer noch nicht – nur eben eine durchschnittliche Korrektur innerhalb eines normalen Börsenjahres. Welche Lehren lassen sich aus solchen Statistiken ziehen?

Erstens: Wer Aktien in nächster Zeit verkaufen möchte, weil Geld benötigt wird, sollte dies eher jetzt tun – und nicht erst dann, wenn die Kurse fallen. Lieber teuer als billig verkaufen, heißt die Devise.

Zweitens: Wer Aktien hält, um damit langfristig fürs Alter oder Studium der Kinder Kapital aufzubauen, sollte solange nichts tun und warten, bis die Korrektur kommt, um dann preiswerter nachzukaufen.

Drittens: Wer nach acht Jahren Börsenaufschwung auf ein Ende der Hausse und baldigen Beginn einer Baisse spekuliert, der sollte damit beginnen, nach und nach seine Aktien zu verkaufen. Besser jetzt bald, als nach dem Start der Korrektur – oder gar Baisse. Noch Fragen oder andere Meinungen? Aber gerne!

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1 Kommentar zu "Dr. Sommers Marktdiagnose: Das unnormale Börsenjahr 2017"

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  • Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

    über "Korrekturen" zu spekulieren, hilft dem Anleger nicht weiter. Wir wissen nicht, wann und bei welchem Kursniveau die Anleger Gewinne mitnehmen werden. Und wir haben auch keine Ahnung, wie tief die Kurse dann fallen werden. Also was soll es?

    Statt über "Korrekturen" zu fabulieren, würde ich einen anderen Begriff in die Diskussion werfen. Gemeint ist der "Investitionsgrad", den jeder Anleger nach eigenem Gusto steuern kann. Jedem ist klar, dass der DAX bei 2 000 Punkten kaum noch fallen kann und dass bei solch einem niedrigen Indexstand kein Verlustrisiko besteht. Aber danach gilt die Regel: Was hoch steigt, kann tief fallen. Die Engländer sagen: "What goes up, must come down" Mit jedem Anstieg steigt das Verlustrisiko immer weiter. Dem Verlustrisiko kann man nach und nach durch kleinere Teilverkäufe begegnen. Damit steigt die cash-Quote und mit ihr die Chance, im Falle eines "Einbruchs" billig nachkaufen zu können.

    Ich spreche absichtlich von einem tiefen "Einbruch" weil der Anleger die meisten Korrekturen für eine Verbilligung nicht nutzen kann. Das liegt daran, dass er den "Hochpunkt" und den "Tiefpunkt" erst im nachhinein kennt. Deshalb kann er die Spanne zwischen beiden nur sehr unzureichend nutzen.

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