Dr. Sommers Marktdiagnose Die Trump-Rally, die gar keine war

Die Aktienkurse schwächeln. Wer auf den amerikanischen Präsidenten als Börsentreiber setzt, sollte sich besser andere Treiber suchen. Denn er ist gar keiner. Zum Glück gibt es noch mehr als nur Donald Trump.
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Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.
Dr. Sommers Marktdiagnose

Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.

DüsseldorfDie Wall Street lahmt, der Dax lahmt. Mehr und mehr Anleger beschleicht das Gefühl, dass die Trump-Rally an den Börsen vorbei ist und nun die große Ernüchterung folgt. Dazu passt, dass Trump mit seiner ersten für ihn so immens wichtigen Gesetzesvorlage, nämlich die Einreise für Menschen aus sieben islamischen Ländern zu verhindern, an der US-Justiz scheiterte. Dazu passt auch, dass das FBI mehr und mehr Verbindungen zwischen dem Trump-Wahlkampfteam und russischen Geheimdienstlern sucht – und offenbar findet.

Leserin E.K., die meine Analysen regelmäßig kritisch hinterfragt, merkt dazu an: „Werden diese Verbindungen nachgewiesen, steht Trump als Wahlbetrüger da. Sein Ansehen bei der Bevölkerung und bei seinen Republikanern würde auf einen Tiefpunkt sinken.“

Das sind die größten Kapitalvernichter

EXCEET GROUP SE BEARER RED.SHARES A O.N.

WKN
ISIN
LU0472835155
Börse
Xetra

+0,03 +0,44%
+5,60€
Chart von EXCEET GROUP SE BEARER RED.SHARES A O.N.
Platz 10. Exceet Group
1 von 11

Die auf Elektronik und Sicherheitstechnik spezialisierte Exceet Group hat Anlegern auf fünf Jahre gesehen 67 Prozent Verlust gebracht. In den vergangenen drei Jahren verloren Aktionäre mit knapp 55 Prozent immer noch über die Hälfte ihres eingesetzten Kapitals, im vergangenen Jahr waren es 37 Prozent. In ihre Performancerechnung einbezogen haben die Anlegerschützer neben der Kursentwicklung auch die Dividendenzahlungen.

mybet Holding SE

WKN
ISIN
DE000A0JRU67
Börse
n. a.

Chart von mybet Holding SE
Platz 9. Mybet Holding
2 von 11

Ein Glücksspiel-Konzern als Wertvernichter entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Auf fünf Jahressicht machten Mybet-Aktionäre fast 66 Prozent Verlust – die Dividendenzahlungen eingerechnet. Das ist zwar etwas weniger als die auf Platz zehn platzierte Exceet Group. Wer erst vor drei Jahren auf Mybet setzte, muss Kursverluste von 57 Prozent verschmerzen. Im vergangenen Jahr schlug ein Minus von 48 Prozent zu Buche.

AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0WMPJ6
Börse
Xetra

-0,02 -0,17%
+12,05€
Chart von AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 8. Aixtron
3 von 11

Minus 68 Prozent: So lautet die Bilanz der Aixtron-Aktionäre nach fünf Jahren. Auf Sicht von drei Jahren ist das Bild sogar noch schlechter, die Verluste summieren sich auf 70,5 Prozent. Die Herzogenrather hatten allein 2015 mit der drastischen Reduzierung eines chinesischen Großauftrags und anschließender Ausverkaufsstimmung bei den Aktionären zu kämpfen. Im vergangenen Jahr konnte der Absturz etwas abgebremst werden, Aixtron-Papiere verloren „nur“ 25 Prozent. In der Rangliste der größten Wertvernichter wird das Unternehmen damit nicht mehr auf Platz fünf geführt, sondern lediglich auf Platz acht.

SKW STAHL-METALLURGIE HLDG AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000SKWM021
Börse
Xetra

+0,01 +2,31%
+0,20€
Chart von SKW STAHL-METALLURGIE HLDG AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 7. SKW Stahl-Metallurgie
4 von 11

Drei Plätze verloren hat im Vergleich zum Vorjahresranking hingegen die SKW Stahl-Metallurgie. Auf fünf Jahre gesehen verloren Aktionäre 71 Prozent ihres Vermögens, Dividendenzahlungen eingerechnet. Wer die Aktie seit 2014 hält, machte ein Minus von 75 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Für 2016 berechneten die Anlegerschützer der DSW ein Minus von 15 Prozent.

SGL CARBON SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007235301
Börse
Xetra

+0,12 +1,19%
+9,79€
Chart von SGL CARBON SE INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 6. SGL Carbon
5 von 11

Der Kohlenstoffspezialist SGL Carbon hofft derzeit auf die Wende. Konzernchef Jürgen Köhler: „Im Geschäftsjahr 2016 haben wir die Voraussetzungen für den Neubeginn und für die Rückkehr zu profitablem und nachhaltigem Wachstum geschaffen.“ Der Kohlefaserspezialist aus Wiesbaden will spätestens 2018 wieder schwarze Zahlen schreiben, im Oktober 2016 verkaufte man das verlustreiche Geschäft mit Grafitelektroden. In den vergangenen fünf Jahren machten Anleger mit SGL Carbon-Papieren 74 Prozent Verlust. Auf Dreijahressicht summierte sich der Verlust auf 67 Prozent, auf ein Jahr gesehen machten Anleger 15 Prozent Minus – Dividendenzahlungen eingerechnet.

AIR BERLIN PLC REGISTERED SHARES EO -,25

WKN
ISIN
GB00B128C026
Börse
Xetra

+0,00 +5,08%
0,00€
Chart von AIR BERLIN PLC REGISTERED SHARES EO -,25
Platz 5. Air Berlin
6 von 11

Seit Jahren kommt die Berliner Airline einfach nicht aus den roten Zahlen. Die Fluglinie verfolgte einen Expansionskurs, der 2015 in einem Rekordverlust mündete. Ohne Finanzspritzen des größten Aktionärs – der arabischen Etihad – wäre Air Berlin vermutlich längst am Boden. Die chronisch unter Druck stehende Airline mutet Investoren einiges zu. Auf fünf Jahre gesehen haben Air Berlin-Aktionäre 76 Prozent ihres eingesetzten Kapitals verloren. Binnen drei Jahren verloren sie 63 Prozent, auf Sicht von einem Jahr summiert sich das Minus auf 34 Prozent.

SYGNIS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A1RFM03
Börse
Xetra

-0,02 -1,39%
+1,42€
Chart von SYGNIS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 4. Sygnis Pharma
7 von 11

Der deutsch-spanische Polymerase-Hersteller schreibt seit seiner Gründung 1997 durchgehend rote Zahlen. 2015 die Nummer fünf der Kapitalvernichter, belegt das Pharmaunternehmen in der aktuellen Auswertung der DSW sogar Platz vier. In den vergangenen fünf Jahren verloren Aktionäre 71 Prozent ihres Kapitals. Ähnlich schlecht fällt Bilanz nach drei Jahren aus. Auf Sicht von einem Jahr verloren Anleger mit Sygnis-Titeln 39 Prozent ihres Einsatzes.

Meine Antwort: Bei den Republikanern wird Trumps Ansehen sicherlich noch weiter sinken - in großen Teilen der Bevölkerung aber wohl nicht. Im Gegenteil. Trumps gesamte Strategie basiert doch bislang auf Poltern nach dem Motto: Gebt es dem Establishment! Schon während des Wahlkampfes haben Trump Unwahrheiten, Lügen, Sexismus und grobe Beleidigungen mehr genutzt als geschadet. Seine Anhänger (und Anhängerinnen!) verzeihen ihm alles, solange er nur unberechenbar und anders als die etablierte Politikergeneration bleibt.

Insofern können die Börsen nach wie vor mit Trump als Präsidenten rechnen. Allerdings nicht damit, dass er seine Versprechen auch wahrmacht, also Unternehmenssteuern drastisch zu senken und Milliardenbeträge in die Infrastruktur zu investieren – so dass die Unternehmensgewinne steigen. Denn auf eine Wahlkampflüge mehr oder weniger kommt es längst nicht mehr an.

Wer also die Börsen weiter steigen sieht, weil Trump der US-Wirtschaft zu noch mehr Wachstum verhelfen könnte, sollte rasch nach anderen möglichen Börsentreibern suchen.

Wie wäre es damit: Die Aktie ist immer noch eine sehr geeignete Anlageform, solange es für Anleihen und Geld auf dem Sparbuch keine Zinsen gibt. Vielleicht war und ist das auch noch seit der US-Präsidentenwahl im November vergangenen Jahres der größte Börsentreiber – und gar nicht so sehr Donald Trump.

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1 Kommentar zu "Dr. Sommers Marktdiagnose: Die Trump-Rally, die gar keine war"

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  • Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

    angesichts meines Kommentars zu Ihrem Musterdepot kann ich mich kurz fassen. Trump hat ein äußerst attraktives Wirtschaftsprogramm. Sich darüber zu informieren, ist keine Schande. Und die Zentralbanken haben ihre Leitzinsen schon vor sehr langer Zeit auf Null gesenkt ohne dass es in nennenswertem Umfang zu Umschichtungen in Aktien gekommen wäre.

    Aber vielleicht darf ich Ihnen an dieser Stelle einmal mein Leid über Ihre Redakteurskollegen klagen. Seit 20 Jahren schreiben diese Herren Artikel nach der Bauart "Braucht man Aktien?". Natürlich kommen alle zu dem Ergebnis, dass dies die lukrativste Anlagemöglichkeit ist und man Aktien braucht. Offen bleibt stets, "wie viele?". Vielleicht 2 Stück? Oder 2 Millionen? Soll ich nur mein Taschengeld in Aktien anlegen? Oder vielleicht die Ersparnisse meines gesamten Arbeitslebens einschließlich des Erbes meiner Eltern?

    Sie sehen, ich bin beim Thema "asset allocation" gelandet. Die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen ist für den Anlageerfolg wichtiger als alles andere. Aber für Ihre Kollegen leider kein Thema. Die chreiben bestenfalls einmal einen kurzen Satz, man solle sein Vermögen breit gestreut auf verschiedene Anlageklassen verteilen. Danke für die Hinweise.

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