Anlagestrategie Passiv schlägt aktiv – das gilt auch für viele Anleihefonds

Nur wenige Rentenfondsmanager schneiden besser ab als der Vergleichsindex. Aber aktive Produkte können auch attraktiv sein, wenn die Kosten stimmen.
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56 Prozent der aktiven Rentenfonds mit besonders geringen laufenden Kosten schaffen es, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Quelle: mauritius images
Wahl der richtigen Fonds

56 Prozent der aktiven Rentenfonds mit besonders geringen laufenden Kosten schaffen es, ihren Vergleichsindex zu schlagen.

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FrankfurtDie jüngste Jahresauswertung des Datenanbieter S&P war wenig schmeichelhaft für amerikanische Rentenfondsmanager. Von den aktiven Managern, die sich auf lang laufende US-Staatsanleihen spezialisiert hatten, schaffte es kein einziger auf Drei-Jahres-Sicht, den Vergleichsindex abzuhängen.

Bei Hochzinsbonds mussten sich im selben Zeitraum gut 90 Prozent der Aktiven dem Markt geschlagen geben, bei Schwellenland-Anleihen waren es 70 Prozent. Noch deprimierender fällt der Langfristvergleich aus: Im aktuellen „S&P Indices versus Active“-Report schlagen die Indizes über einen Zeitraum von 15 Jahren je nach Anleihesegment zwischen 69 und 98 Prozent der aktiven Portfoliomanager.

Trifft also zu, was die Fonds-Ratingagentur Morningstar jüngst formulierte: dass „viele Bond-Fonds geborene Versager“ sind? Dass es unter den aktiven Portfoliomanagern im Aktienbereich nur wenige vom Schlage Warren Buffetts gibt, denen es gelingt, den Markt über einen längeren Zeitraum zu schlagen, ist bereits etabliert.

Doch für die Anleihemärkte ist der Wettbewerb zwischen aktiv und passiv noch nicht entschieden. Hier kommen die Studien je nach herangezogenen Indizes und getesteten Fonds zum Teil zu gegensätzlichen Ergebnissen. Klar ist aber eines: Eine Schlüsselrolle spielt die Höhe der Kosten.

Aktive Fondshäuser stemmen sich gegen das „Versager“-Image. So veröffentlichte die Allianz-Tochter Pimco eine Studie mit dem Titel: „Anleihen sind anders“. Ein Team um Chefanalytiker Jamil Baz hat darin Fondsdaten von Morningstar ausgewertet, die aktiven den passiven US-Anleihefonds gegenübergestellt statt direkt den Indizes.

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Das ist auch sinnvoll, denn kleine Gebühren verlangen die passiven Fonds ja auch. Nach dieser Studie haben 63 Prozent der aktiv verwalteten US-Fonds über fünf Jahre das passive Konkurrenzprodukt geschlagen. Über den Zeitraum von zehn Jahren waren es sogar 65 Prozent.

Eine aktuelle Auswertung von Morningstar zeigt ein differenziertes Bild. Zwar schneiden dort wiederum die passiven Fonds besser ab, aber die aktiven mit niedrigen Gebühren bekommen ebenfalls gute Noten. Diese Studie basiert zwar auf der gleichen Datengrundlage wie die Pimco-Studie, unterscheidet sich im Zuschnitt der untersuchten Fonds, ein direkter Vergleich ist daher nicht möglich.

Viele aktive Fonds sind zu teuer

Doch besonders für europäische Bond-Manager sind die Ergebnisse schwere Kost: Nur ein Drittel von ihnen schafft es, auf Sicht von fünf Jahren die passive Konkurrenz zu schlagen. In einigen Marktsegmenten sieht es sogar noch düsterer aus. Morningstar-Analyst Ali Masarwah benennt den Grund: Viele aktive Fonds sind schlicht zu teuer.

So kostete ein Anleihefonds im Schnitt 0,84 Prozent jährlich, ein Indexprodukt nur 0,22 Prozent. Einer Mehrheit der günstigen aktiven Fonds gelang es durchaus, den Markt zu schlagen. Masarwah schließt daraus: „Anleger haben bessere Performance-Aussichten, wenn sie auf günstige, aktive Fonds setzen.“

Zumindest in der Theorie bieten die Anleihemärkte aktiven Managern mehr Möglichkeiten zu glänzen. Schon die Zahl der Wertpapiere ist um ein Vielfaches größer. So haben in Deutschland im Jahr 2017 Unternehmen 170 Anleihen neu begeben. Dagegen gingen nur acht Unternehmen neu an die Börse. Einige Marktsegmente wie Schwellenländer sind weniger liquide und transparent.

Experten, die sich tief in die Zahlen eingraben, können sich so einen Informationsvorsprung verschaffen – und in Rendite ummünzen. Hinzu kommt: Am Anleihemarkt gibt es große Käufergruppen, deren primäres Ziel es nicht ist, Gewinne einzufahren. So kauft beispielsweise die Europäische Zentralbank aus geldpolitischen Gründen riesige Volumina.

Das alles eröffnet Spielräume für Portfoliomanager – aber über deren Zuschnitt streiten die Experten. Das bessere Abschneiden der aktiven Manager führt Baz von Pimco nach seiner eigenen Analyse darauf zurück, dass sich die Zusammensetzung der Bond-Indizes deutlich häufiger ändert.

Üblicherweise fallen jeden Monat Papiere aus Anleiheindizes, während große Börsenbarometer wie der Dax meist nur jährlich neu zusammengestellt werden. „Wenn Anleihen aus dem Index fallen, fallen tendenziell auch die Preise, weil passive Investoren die Papiere loswerden müssen“, sagt Baz. „Davon können aktive Investoren profitieren.“

Was passiert in Krisen?

Dem widerspricht jedoch David Schnautz, der für iShares, die Indexfonds-Tochter von Blackrock, die Strategie der Anleiheprodukte verantwortet. „Anleiheindexfonds werden von einer Vielzahl aktiver Portfolioentscheidungen beeinflusst“, sagt er.

„Der Unterschied ist, dass sie versuchen, den Index bestmöglich abzubilden – und nicht schlauer als der Markt zu sein.“ Das sogenannte Sampling ermögliche es, mit statistischen Methoden das Risikoprofil des Indexes abzubilden, ohne dass der Fonds alle Anleihen hält.

„Wir sind beim Sampling-Ansatz nie gezwungen, Anleihen sofort zu verkaufen, nur weil sie am Monatsende aus dem Index fallen“, sagt Schnautz. „Es ist nicht nötig, die Anpassungen übers Knie zu brechen.“ Auch sei es ein Mythos, dass Indexfonds in Krisen schlechter abschneiden.

„Aktive Manager müssen vor einem Crash entsprechend positioniert sein, um gegenüber dem Markt vorne zu liegen“, sagt Schnautz. Das gelinge jedoch nur wenigen. „Wenn der Einschlag kommt, können auch sie nichts mehr machen.“

Fallende Kurse einer Anleihe sorgten dafür, dass sich deren Gewicht im Index reduziert. „Das bedeutet, auch als ETF-Anbieter muss ich bei einem Absturz nicht ständig nachkaufen und damit ins fallende Messer greifen“, so Schnautz.

Das Fazit für Privatanleger ist dagegen simpel: Sie profitieren auch, wenn sie ihr Geld aktiven Managern anvertrauen. Denn die Konkurrenz zwingt die, gute Qualität zu kleinem Preis zu liefern.

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2 Kommentare zu "Anlagestrategie: Passiv schlägt aktiv – das gilt auch für viele Anleihefonds"

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  • Naja, müssen nicht unbedingt Aktien sein - Direktinvestments oder Anleihen sind ja weniger volatil - aber ansonsten gebe ich Herren Peter Recht. Am Anfang sollte man ja bei jeder Geldanlage erst einmal Informationen sammeln und die Gewichtung der Aspekte Sicherheit und höchste Rendite selbst ausbalancieren. Musste ja als Einsteiger mit der Grundfrage, welche Anleihe kaufen Erfahrungen auch erst selbst machen aber man lernt schnell, wenn man möchte. Bei Fonds muss man eben nicht nur Vertrauen in die Manager mitbringen, sondern auch noch zusätzliche Gebühren zahlen - und kann in einigen auch nicht so einfach wieder heraus/hinein. Da ist es mir lieber, ich kann eingesetztes Kapital in Branchen investieren, bei denen ich mich etwas auskenne (habe darum kürzlich auch mein Portfolio um eine Anleihe der Deutschen Lichtmiete Invest erweitert, da das umstellen auf LED weitergeht und der Ökobezug ansprechend ist), Bilanzen und Prospekte selbst lesen durfte und die Ratings weiß. Das das Sparbuch momentan keine wirkliche Alternative ist, ist leider wahr. Hoffe es kommt da zu einem kleinen Umdenken, wie Investor werden ist gar nicht so schwierig, man muss sich nur Zeit und Ruhe nehmen, hinein zu finden.

  • Wenn man sich in Aktien einliest wie z.B. Kostolany oder Warren Buffet Bücher liest, dann kann man auch getrost selbst Aktien kaufen und in Unternehmen investieren.
    Fonds sind nur für Leute, die sich nicht wirklich um ihr eigenes Geld kümmern wollen.
    Doch ein bekannter Investor sagte mal:
    Besser eine halbe Stunde sich um das eigene Geld kümmern als einen ganzen Tag zu arbeiten!
    Es gibt so schöne günstige Aktien in Deutschland mit niedrigem KGV und schöner Dividende, da kann man mutig sein! Jedenfalls besser als Sparbuch!

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