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Anlagestrategie Richtig sparen: Was Anleger beim Fondssparen beachten müssen

Breit investierende Fonds zählen zu den Klassikern der privaten Geldanlage. Selbstläufer sind die leicht zugänglichen Produkte dennoch nicht.
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Jeden zehnten Euro des Einkommens legen die Deutschen im Durchschnitt auf die hohe Kante. Quelle: dpa
Geld

Jeden zehnten Euro des Einkommens legen die Deutschen im Durchschnitt auf die hohe Kante.

(Foto: dpa)

FrankfurtVon wegen spießig: Sparen macht glücklich. Das jedenfalls finden zwei Drittel der Deutschen, wie die Marktforscher von Forsa für die Direktbank Rabodirect in einer Umfrage herausfanden. Jeden zehnten Euro des Einkommens legen wir im Durchschnitt auf die hohe Kante. Als Klassiker gelten Sparpläne mit Fonds, die das Geld in verschiedene Wertpapiere investieren. So nutzen Anleger Renditechancen am Kapitalmarkt und verteilen zugleich das Risiko eines Verlusts.

Doch bei dieser Art der Geldanlage gibt es einiges zu bedenken. Allen voran kommt es auf die Kosten an, die vor allem an der Rendite der von Managerhand gelenkten aktiven Fonds nagen.

„Fondssparen ist die ideale Art, Geld beiseitezulegen – egal, ob für betuchte Mittvierziger oder arme Studenten“, sagt Stefan Schießer, Chef der Frankfurter Honorarberatung. Denn mithilfe der Pläne lasse sich einfach und flexibel ein Vermögen aufbauen. Ob jemand nun 50, 500 oder gar 5000 Euro monatlich übrig habe, sei egal, bekräftigt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. Und in Fonds zu sparen lohne sich „vom Enkel bis zum Opa“. Allerdings sollte jeder noch mindestens fünf Jahre Zeit haben, idealerweise mindestens zehn bis fünfzehn Jahre.

Möglichst weltweit investieren

Ab zehn Jahren Spardauer empfiehlt sich eine Anlage in Fonds mit einem gewichtigen Anteil in Aktien, die historisch betrachtet ab dieser Zeitdauer immer positive Renditen eingebracht haben. Aktien gehören zu den Anlageklassen mit den höchsten Ertragschancen. Allerdings schwanken ihre Kurse mitunter heftig im Wert, wie das Börsenjahr 2018 zeigte: Rund 18 Prozent verlor etwa der deutsche Leitindex Dax. Nach elf Jahren aber gibt es über 50 Jahre hinweg keinen Zeitraum mehr mit negativen Renditen, wie das Deutsche Aktieninstitut errechnet.

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Im Durchschnitt haben breite Aktienindizes wie der MSCI World eine Rendite von gut sieben Prozent im Jahr erreicht, wenn Dividenden wieder investiert wurden. „Mit einem langen Zeithorizont können Anlegern Schwächephasen an der Börse egal sein“, sagt Ali Masarwah, Analyst des Fondsratinghauses Morningstar daher.

Wichtig ist, das Geld möglichst weltweit zu investieren: „Anleger sollten ihr Risiko immer möglichst breit streuen, indem sie Fonds wählen, die Titel aus möglichst vielen unterschiedlichen Branchen und Ländern enthalten“, erklärt Mai. Denn geht es etwa der Chemiebranche einmal schlecht oder läuft es in den USA wirtschaftlich nicht so gut, können die Verluste durch andere Branchen und Länder ausgeglichen werden.

Masarwah empfiehlt, den Börsenindex MSCI All Countries mit über 2400 Aktien als Maßstab zu nehmen, der neben rund 55 Prozent USA, 25 Prozent Europa und sieben Prozent Japan gut ein Zehntel Schwellenländer beinhaltet. Das sei die modernisierte Form des bekannteren MSCI World.

Aktiver oder passiver Fonds?

Der Dax macht an der globalen Kapitalisierung großer Firmen gerade mal drei bis fünf Prozent aus. Viele Deutsche hätten das Zehnfache an heimischen Papieren im Depot, weiß der Analyst. Er warnt: „Das ist riskant, birgt ein Klumpenrisiko.“ Ein gut aufgebautes Aktiendepot sollte ein „Spiegel der globalen Wirtschaft“ sein.

Eine Kernfrage ist, ob der Anleger einen aktiven – also von einem Fondsmanager gelenkten – Fonds kauft oder einen passiven ETF, der einen Index abbildet und selbst an der Börse gehandelt wird. Masarwah sagt: „Die Kosten sind der wichtigste Erfolgsfaktor des Fondssparens, vor allem darauf sollten Anleger achten.“ Allein die laufenden Kosten eines ETFs betragen oft nur ein Viertel der jährlichen Gebühren aktiver Fonds. Je etablierter und damit liquider ein Markt ist, desto billiger werden die Indexfonds. Hinzu kommen bei aktiven Fonds oft relativ hohe Aufschläge beim Kauf. Mai pflichtet bei: „Passive Indexfonds sind ideal, weil man den größten Fehler vermeidet, der darin besteht, auf den falschen Fonds zu setzen.“ Er erinnert an den verstorbenen John Bogle, den Vater des Indexfonds. Der Gründer des US-Fondsriesen Vanguard sagte einst, dass man nicht nach der Nadel im Heuhaufen suchen, sondern gleich den Heuhaufen kaufen solle.

Auch die Statistik spricht für Indexfonds: Die allermeisten Fondsmanager schaffen es nicht, auch längerfristig besser als ihre Börsenvergleichsindizes abzuschneiden, wie Morningstar feststellt. Ein Grund: Von der Rendite ziehen die Fondsmanager jährliche Gebühren ab, von denen auch ihr Vertrieb etwas abbekommt.

Wer einen klassischen Index-ETF kauft, muss allerdings die vollen Börsenschwankungen aushalten können. Wer das nicht mag, kann solche Fonds oder auch ETFs kaufen, die mit bestimmten Strategien versuchen, diese Schwankungen abzufedern. Oder er erwirbt einen Fonds, der nicht nur in Aktien, sondern auch in Anleihen investiert. Solche Mischfonds, die es je nach Geschmack mit verschiedensten definierten Aktien- und Anleihequoten gibt, sind sehr beliebt bei Anlegern, seit das Sparbuch nahezu keine Zinsen mehr abwirft. Diese Fonds werden als eine Art einfache Vermögensverwaltung angeboten.

Klassisch sind Fonds, bei denen der Fondsmanager die Quoten von Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Immobilienfonds und Gold je nach Marktlage flexibel anpasst. Einer der bekanntesten Anbieter ist der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch, der über zehn Jahre nach Kosten besser als der Vergleichsindex abschneidet.

Es gibt keinen Automatismus, dass gute Fonds gut bleiben

Bei globalen Aktienfonds steht der Luxemburger C&P – Creutz & Partners oben in der Liste von Morningstar, mit einer „breiten, quantitativen Strategie“ mit großen und kleinen Aktien. Der US-Fondsanbieter Fidelity schlägt langfristig in beiden Kategorien die Indizes.

Doch die raren guten Fonds zu finden bereitet Mühe. Zudem gebe es keinen Automatismus, dass gute Fonds gut blieben, meint Masarwah. Orientierung können Fondsratings bieten: Die Morningstar-Analysten haben getestet, dass ihre gut gerateten Fonds anhaltend Mehrwert bieten gegenüber schlecht bewerteten – und oft auch gegenüber Indizes. Allerdings werden viele Top-Fonds vor allem kleinerer Anbieter nicht als Sparplan angeboten.

Viele Fonds werden aber gerade mit dem Argument verkauft, dass ein Sparplan sich auszahle, weil Anleger in allen Börsenphasen Fondsanteile kaufen. Doch dieser Effekt wirkt nur positiv in anhaltenden Phasen fallender Kurse. Dann bekommt der Anleger immer mehr Anteile für einen festen Betrag. Nach rund zehn Jahren sei der Effekt gegenüber Einmalanlagen durch die Marktschwankungen ohnehin verpufft, meint Masarwah.

Sparpläne haben dennoch einen großen Wert, wie er meint: Sie disziplinieren. Anleger sammeln – ohne groß darauf zu achten – Kapital an. Frei nach dem Börsenaltmeister André Kostolany: „Geld anlegen und schlafen legen“.

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