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Goldbarren

Sechs Milliarden Euro stecken in knapp drei Dutzend Aktienfonds für Goldminen.

(Foto: dpa)

Anlagestrategie Turbulenzen an den Märkten – Analysten setzen wieder auf Gold

Der Goldpreis ist in diesem Jahr stark gefallen. Doch die Unsicherheiten an den Märkten machen das Edelmetall für Anleger wieder interessant.
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FrankfurtDonald Trump drückt der vorläufigen Fondsbilanz 2018 seinen Stempel auf. Der US-Präsident hat manchen Anteilsbesitzern zu guten Erträgen verholfen. Wer dem Slogan „America first“ folgte, verbuchte in den ersten drei Quartalen 2018 im Schnitt einen zweistelligen prozentualen Gewinn.

Das klappte mit Fonds für US-Aktien, für Technologiewerte und mit den ebenfalls stark in Nordamerika engagierten Depots für Gesundheitstitel. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Scope Analysis für das Handelsblatt erstellte Auswertung für die wichtigsten Fonds-Anlagegruppen.

„Die Wall-Street-Hausse und der starke Dollar machen den Unterschied in der Abrechnung auf Euro-Basis aus“, sagt Scope-Analyst André Härtel. Zu den großen Verlierern zählten dagegen Produkte für Aktien aus Europa, den Schwellenländern sowie praktisch alle Anleihefonds. Hier erreichen die Verluste bis zu sieben Prozent.

Aber wie geht es weiter? Die Finanzmärkte sind in diesem Jahr turbulenter geworden. Die vergangenen Wochen brachten neue Unsicherheiten, nicht zuletzt bei den lange boomenden Tech-Aktien. Daher richten manche Experten ihren Blick auf den mit Abstand größten Verlierer unter den Vermögensformen: auf Gold und Edelmetallaktien.

Die Fonds für Minengesellschaften halten in der Abrechnung mit einem Verlust von knapp 19 Prozent die rote Laterne. Sie haben auch über die vergangenen Jahre enttäuscht.

Georges Lequime vom Vermögensverwalter Earth Resource Investment Group wandelt die negative Rückschau allerdings in einen positiven Ausblick. „Eine Preiserholung beim Gold ist nach den Rückgängen der letzten Jahre wahrscheinlich“, sagt der Mann im schweizerischen Zug. Im Geschehen der vergangenen Handelstage sehen Vertreter dieser Denkrichtung einen möglichen Vorboten. Der Goldpreis sprang deutlich über die Marke von 1.200 Dollar je Unze.

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Ein Auslöser war der extreme Pessimismus von Spekulanten. Die Trader waren an der US-Terminbörse so große Wetten auf einen fallenden Goldpreis eingegangen wie noch nie. Das erwies sich jedoch als Bumerang, da die Erwartung nicht aufging. Die Spekulanten mussten zur Vermeidung größerer Verluste aus ihren Kontrakten aussteigen.

Sie gaben auf diese Weise Gold Rückenwind. „Deshalb wird der Preis eher noch weiter steigen“, glaubt Evy Hambro, Fondsmanager des größten Goldaktienfonds beim Asset-Manager Blackrock.

Sicherer Hafen gesucht

Manche Beobachter wittern nach den jüngsten Börsenirritationen sogar eine grundsätzliche Stimmungswende an den Finanzmärkten. „Die Anleger haben viele Risiken lange beiseitegewischt, nehmen die Welt jetzt aber anders wahr“, glaubt Carsten Fritsch. Das strahlt nach Meinung des Rohstoffanalysten der Commerzbank auf das gelbe Metall aus: „Gold wird wieder als sicherer Hafen entdeckt.“ So betrachtet könnte das Metall wieder seine klassische Rolle als Vermögensschutz in unruhigen Zeiten spielen.

Ganz ähnlich sieht es John Hathaway von Toqueville Asset Management. „Der Goldpreis hat wahrscheinlich im August sein Tief gesehen“, meint der Mann aus New York. Er und andere Edelmetall-Optimisten erwarten wirtschaftliche Turbulenzen in Übersee, auch wegen der steigenden US-Haushaltsschulden und der Handelsspannungen.

Das müsste ihrer Meinung nach die US-Zinserhöhungen stoppen. Der Dollar würde dann schwächeln. So wäre eine große Belastung für den Goldpreis aus dem Weg geräumt. Gold gilt schließlich als Alternative zur Weltleitwährung. Bei starkem Greenback fällt der Metallpreis – und umgekehrt. Der bekannte Hedgefondsmanager Ray Dalio glaubt sogar an einen massiven Dollar-Verfall.

Commerzbank-Analyst Fritsch erwartet zum Jahresende einen Goldpreis von 1.300 Dollar, im kommenden Jahr sogar 1.500 Dollar. Das würde auch den leidenden Aktien der Fördergesellschaften auf die Beine helfen. Es wäre eine echte Wende, wenn man die vergangenen sieben Jahre Revue passieren lässt: Während sich die breite Börse mehr als verdoppelte, verlor der Goldpreis ein Drittel, Edelmetallaktien stürzten fast auf ein Viertel ihres Wertes.

Diese speziellen Aktien steigen und fallen richtungsgleich mit dem Goldpreis – nur viel stärker. „Wenn der Metallpreis nach oben geht, erwarte ich einen enormen Hebel“, sagt Markus Bachmann, Mitgründer des auf Edelmetallaktien ausgerichteten Vermögensverwalters Craton Capital in Johannesburg. Er taxiert die durchschnittlichen Gesamtförderkosten für die Branche auf 850 Dollar je Unze. Steigt der Unzenpreis um einen bestimmten Prozentsatz, steigt der Minengewinn deutlich stärker.

Gesunde Bilanzen bei Minenfirmen

Bachmann zufolge hat die Branche während der vergangenen Jahre große Fortschritte gemacht. „Im Schnitt verbesserte und jetzt gesunde Bilanzen, geringere Verschuldung, solide Margen, viele Aktien sind bewertungsmäßig extrem billig“, zählt er auf.

Diese Einschätzung teilen die Analysten von Baker Steel Capital Managers in London. Experte Mark Burridge sieht einen „attraktiven Einstiegspunkt“. Er wertet auch das angekündigte Zusammengehen von zweien der größten Branchenvertreter als gutes Zeichen.

Ende September kündigten die kanadische Barrick Gold und die in London gelistete Randgold Resources ihre Fusion an. Die Kurse beider Förderer stiegen deutlich. Burridge rechnet mit weiteren Deals. Im eigenen Fonds „Baker Steel Precious Metals Fund“ hält er beispielsweise größere Positionen an Kirkland Lake Gold, Resolute Mining und Harmony Gold Mining.

Interessierte Anleger stehen hier jedoch vor einer Hürde. Der Markt für Goldminenaktien ist klein. Auch darauf spezialisierte Fonds gibt es nur wenige. Das spiegelt das momentan geringe Interesse der Anleger und damit am Ende die enttäuschenden Kursentwicklungen der vergangenen Jahre wider. Die Scope-Analysten zählen knapp drei Dutzend Goldminenfonds mit einem investierten Kapital von lediglich rund sechs Milliarden Euro.

Von der Summe entfällt die Hälfte auf den „World Gold Fund“ des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock. „Anleger haben ein Auswahlproblem, weil viele Fonds klein und mit Jahresgebühren oft um zwei Prozent außerdem teuer sind“, sagt Analyst Härtel.

Scope vergibt in diesem Nischensegment Ratings. Mit der Bestnote glänzen nur drei Produkte. Dabei sind zwei kleine Fonds des Spezialanbieters Stabilitas, darunter der „Pacific Gold + Metals“. Dazu kommt das etwas größere Depot von Baker Steel. Härtel rät: „Wer die hohen Preisschwankungen solcher Fonds nicht aushält, der kann auf Gold-Wertpapiere wie Xetra-Gold ausweichen oder das Metall als Barren oder Münzen kaufen.“

Nervenstarke Optimisten werden bei den Minenaktien oder den entsprechenden Fonds bleiben. Sie bekommen Rückendeckung von Stabilitas-Fondsmanager Martin Siegel. Der glaubt nämlich: „Erst 1.800 Dollar je Unze wäre ein fairer Goldpreis.“

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