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Sonnenaufgang in Rio de Janeiro (Symbolbild)

In Brasilien sieht der Manager Hasenstab neben Mexiko und Argentinien das größte Potenzial in Schwellenländern.

(Foto: dpa)

Anleihechef von Franklin Templeton Für Fondsmanager Hasenstab sind Schwellenländer attraktiver als Europa

Michael Hasenstab verantwortet über 100 Milliarden Dollar. Die investiert er hauptsächlich in Schwellenländer. Europa meidet er seit einiger Zeit komplett.
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Frankfurt Nun also Argentinien: Michael Hasenstab setzt auf das lateinamerikanische Land mit dem umstrittenen Staatspräsidenten Mauricio Macri. Der Fondsmanager lobt Fortschritte beim Umbau des Landes. Und das, obwohl seine Investments deutlich an Wert einbüßten im vergangenen Jahr. Aber das schreckt Hasenstab nicht. Für ihn stimmt die Perspektive.

Der US-Amerikaner mit australisch-niederländischen Wurzeln ist überzeugt vom Sparkurs Macris, auch wenn andere Investoren fürchten, dass der Präsident die Wirtschaftskrise nicht bewältigt und bei der Wahl im kommenden Herbst seiner populistischen Vorgängerin Cristina de Kirchner unterliegt. Das könnte das Land in eine neue Staatspleite treiben.

Aber Krisen reizen den leisen, fast schüchtern wirkenden Fondslenker. Er verantwortet beim US-Haus Franklin Templeton als globaler Anleihechef 114 Milliarden US-Dollar. Immer wieder kauft sich der 45-Jährige mit hoher Gewichtung in Länder ein, die andere meiden. Denn er steigt ein, wenn er findet, dass Anleihen übertrieben im Kurs heruntergeprügelt wurden.

Das passt zur Ausrichtung der Fondsfirma Templeton, die generell auf solche niedrig bewerteten „Value“-Titel setzt. „Sehr pointierte Währungswetten sind neben gewichtigen Positionen in Bonds umstrittener Länder typisch für Hasenstab“, sagt Analyst Jan Richter vom Beratungshaus Fonds Consult. Sehr vorsichtig ist Hasenstab dagegen gegenüber den etablierten Märkten in Europa und den USA.

Allein gut drei Milliarden US-Dollar des Kapitals europäischer Anleger in drei Fonds stecken nach Angaben von Templeton in argentinischen Staatsanleihen und in der Landeswährung Peso. Als der Peso in der Krise des Landes 2018 massiv absackte und Hasenstabs Bonds einen milliardenschweren Wertverlust erlitten, blieb er unbeirrt: Spekulative Attacken und markante Fehlinformationen über die wirklichen Finanzierungsverhältnisse im Land seien die Gründe dafür, kommentierte er.

Michael Hasenstab ist Fondsmanager und globaler Anleihe-Chef von Franklin Templeton Investments. Quelle: dapd
Michael Hasenstab

Michael Hasenstab ist Fondsmanager und globaler Anleihe-Chef von Franklin Templeton Investments.

(Foto: dapd)

Der Volkswirt und Politologe, der bereits vor mehr als 22 Jahren bei Templeton anfing und sich nur für seine Promotion eine Auszeit nahm, will dort offenbar auch die nächste Krise aussitzen. Aktuell setzt der Fondsmanager in seinem rund 50 Milliarden US-Dollar schweren Vorzeigefonds „Global Bond“ außerdem mit knapp einem Fünftel des Vermögens auf mexikanische Staatsanleihen in der Landeswährung Peso. „Das Land ist in Richtung Populismus geschwenkt, hat aber starke Institutionen, ein ausgeglichenes Fiskalsystem und ein Handelsabkommen mit den USA ausgehandelt“, sagt Hasenstab.

Einen zweistelligen Prozentanteil machen auch Anleihen in brasilianischen Real aus. In Brasilien sieht der Manager neben Mexiko und Argentinien das größte Potenzial in Schwellenländern. In Asien mag er besonders Indien nach einigen strukturellen Reformen. Südkoreanische Bonds dienen als Stabilisator fürs Portfolio.

Wenn er einmal eingestiegen ist, zeigt Hasenstab Beharrlichkeit, auch wenn sich die Strategie zunächst nicht auszahlt. So war es in der Ukraine 2014, als er mitten im Bürgerkrieg in das erschütterte Schwarzmeerland reiste und ein Drittel der Auslandsschulden aufkaufte.

Ähnlich in Irland, wo er zum Höhepunkt der Euro-Krise rund ein Zehntel der Schulden erwarb. Mit beiden Investments macht er am Ende ein Plus, wie er nicht ohne Stolz erzählt. Kein Wunder, dass Hasenstab diese beiden Engagements zu denen zählt, die ihn „am meisten faszinierten“.

Besorgt äußert sich der Amerikaner dagegen über Europa. „Die Investoren unterschätzen, wie verletzlich der Euro ist“, sagt Hasenstab im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ihn beschäftigt der Druck durch Populisten in Europa. „Der Zusammenhalt der EU-Gemeinschaft ist gefährdet, der politische Wille für mehr Integration abhandengekommen“, fürchtet er. Das zeigten Umfragen. Viele Politiker stünden für weniger Integration und eine laxe Fiskalpolitik - wie in Italien.

Er sieht eine Bewegung hin zu mehr Nationalismus, etwa in Österreich. In Belgien sorgen die Immigration und die Diskussion über den Arbeitsmarkt für Spannungen. Ärger auch in Frankreich: Viele Franzosen akzeptieren ihren Staatspräsidenten Emmanuel Macron nicht. Hasenstab sieht ihn als großen Vertreter des Euros und orthodoxer ökonomischer Reformen.

„Heute wird die Euro-Zone stärker getestet als 2011“, sagt er und fürchtet eine deutlich schwankungsreichere Phase an den Märkten als vor acht Jahren. „Damals gab es einen klaren politischen Willen zu mehr Zusammenarbeit - sogar für einen Rettungsschirm für Griechenland, auch wenn die ökonomischen Probleme dort größer waren.“ Dieser Wille zu einem Rettungsschirm für das hochverschuldete Italien sei heute nicht zu erkennen. Und das nicht in der breiten Bevölkerung und auch nicht bei den von ihr gewählten Politikern, warnt der Bondmanager.

Die weltweite Stärkung populistischer und nationalistischer Gedanken und eine immer stärker gespaltene Bevölkerung sind seiner Ansicht nach auch in den USA zu erkennen. Das erschwere es, Kompromisse zu finden - mit Konsequenzen auf vielen Ebenen.

Die Brexit-Debatte über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zeige das am deutlichsten: „Rein ökonomisch betrachtet“ führe Nationalismus zu hohen Staatsausgaben, damit zu Defiziten, treibe die Inflation, beschränke den Handel und die freie Bewegung von Arbeitnehmern.

„Deshalb muss man sehr vorsichtig investieren - die Anlagemöglichkeiten werden weniger und weniger“, sagt Hasenstab. Und deswegen wettet er massiv gegen den Euro - die Währung ist die am stärksten untergewichtete in seinen globalen Fonds.

Neben Europa meidet Hasenstab auch US-Anleihen weitgehend, weil er damit rechnet, dass die US-Zinsen weiter anziehen. Dafür sorgen seiner Ansicht nach die Ausgabenpolitik von US-Präsident Donald Trump, steigender Inflationsdruck durch eine weiterwachsende US-Wirtschaft und die abnehmende Nachfrage nach Staatsbonds durch die US-Notenbank (Fed) und ausländische Großinvestoren wie China und die Ölstaaten. Hasenstab wettet mit Derivaten wie Zinsswaps auf steigende US-Renditen.

Hasenstab stellt seine Fonds völlig frei zusammen, orientiert sich nicht an Börsenindizes. Drei Monate im Jahr reist der Vater dreier Söhne von San Mateo bei San Francisco aus durch die Welt auf der Suche nach neuen Anlageideen. Hilfe bekommt er dabei von seinem neuen Co-Manager Calvin Ho und mehr als 20 Analysten und Händlern.

Seine teilweise krassen Strategien haben allerdings auch schon Investoren verprellt: „Viele Anleger haben wohl das Konzept des Fonds nicht richtig verstanden“, meint Ali Masarwah, Fondsanalyst beim US-Ratinghaus Morningstar. In den vergangenen fünf Jahren haben Anleger am europäischen Markt nach Morningstar-Zahlen aus den großen internationalen Bondfonds mehr als 30 Milliarden Dollar Kapital abgezogen. Und dies, obwohl die globalen Produkte Morningstar zufolge mit knapp fünf Prozent im Jahr in der Zeit im Durchschnitt besser als die Konkurrenz und vergleichbare Indizes abgeschnitten haben.

Allerdings sind aktive, also von Fondsmanagern gesteuerte Anleihefonds, zuletzt generell wenig beliebt bei Anlegern. Das liegt nach Einschätzung von Masarwah daran, dass die Investoren bei steigenden Kapitalmarktzinsen und sinkenden Kursen den Fondsmanagern nicht zutrauen, nach Abzug von Gebühren Rendite zu erzielen. Trotzdem gehören die beiden Vorzeigefonds Hasenstabs mit internationalen Anleihen weiterhin zu den Schwergewichten mit weltweit gut 70 Milliarden US-Dollar.

„Wer auf Hasenstab setzt, muss langfristig ausgerichtet sein und zwischenzeitlich Schwankungen und Schwächephasen aushalten“, resümiert Masarwah. Das sieht auch Hasenstab selbst so: Kurzfristig ausgerichtete Investoren, auch Privatanleger, seien ausgestiegen, andere, die seine Strategie verstünden, geblieben, erklärte er mehrfach. Seine eigene Stärke erwartet der Fondsmanager auch von Anlegern: Geduld.

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