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Asset-Manager Amundi will sein Fondsangebot wegen schlechten Ratings umstellen

Der große europäische Asset-Manager hat wenig gute Produkte. Das will er mit einer radikalen Bereinigung seiner Fondspalette ändern.
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Nur jeder fünfte Fonds des französischen Vermögensverwalters hat ein gutes Rating erhalten. Quelle: Reuters
Amundi

Nur jeder fünfte Fonds des französischen Vermögensverwalters hat ein gutes Rating erhalten.

(Foto: Reuters)

FrankfurtGute Werbung für einen Asset-Manager mit 1,4 Billionen Euro Kapital sieht anders aus: Nur jeder fünfte Fonds des französischen Vermögensverwalters Amundi hat ein gutes Rating von der Researchfirma Scope Analysis. Bei den besten Adressen wie den US-Häusern Vanguard, MFS oder der österreichischen Adresse Kepler ist es mehr als die Hälfte der Produkte. Amundi liegt unter 66 großen Anbietern auf einem der hinteren Plätze.

Scope-Analyst André Härtel hat die aktuellen Daten für das Handelsblatt errechnet. Er kennt die Defizite: „Vor allem bei den europäischen Aktien und Anleihen läuft es schlecht, die Mischfonds sind denen der Konkurrenten unterlegen – aber eigentlich zieht sich das durch alle Anlagegruppen.“

Die Bewertungen der Produkte basieren vor allem auf den Wertentwicklungen und Anteilpreisschwankungen der vergangenen fünf Jahre im Vergleich zu Konkurrenzprodukten und Indizes. Im zweiten Schritt werden die einzelnen Fonds-Ratings in einer Gesamteinstufung für die Gesellschaft gebündelt.

Christian Pellis sieht die Lage des eigenen Hauses ebenfalls kritisch. „Wir sind uns bewusst, dass einige Fonds nicht so gut abschneiden“, räumt der Vertriebschef von Amundi ein. Er erklärt die Situation auch mit der Übernahme des Wettbewerbers Pioneer Investments im vergangenen Jahr.

Der Kauf von der italienischen Mutter Unicredit sei zwar ein guter Deal gewesen, aber die gesamte Produktpalette sei bearbeitungsbedürftig. Einige Fonds seien zu klein. Manche hätten die Erwartungen beim Absatz nicht erfüllt. „Hier sind dann in der Regel die Kosten zu hoch, solche Fonds verkaufen sich schlecht, und dem Anleger nützt das natürlich auch nichts“, sagt Pellis.

Bei kleinen Fonds schlagen viele Fixkosten stark zu Buche. Diese Aufwendungen werden häufig dem Fondsvermögen abgezogen und schmälern so die Endrendite des Anlegers.

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Laut dem Amundi-Mann zwingen außerdem manche Dopplungen bei den Produkten zum Handeln. „Man braucht beispielsweise keine zehn Europafonds, ein gutes Produkt tut es auch“, meint Pellis. Direkt nach dem Kauf von Pioneer habe man daher „ein Riesenprojekt“ gestartet. Das könne im zweiten Quartal nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Es geht um die in Luxemburg für den Absatz in Europa aufgelegten Produkte. „Wir werden Fonds schließen und fusionieren, die Zahl dadurch drastisch von 155 auf unter 100 schrumpfen“, kündigt der Amundi-Mann an. Der Kehraus soll auch die mäßige Leistungsbilanz verbessern, weil schlechte Fonds dann entweder verschwinden oder in anderen aufgehen würden.

Die bisherige Leistungsbilanz steht im Kontrast zu den Absatzerfolgen Amundis. Laut Daten der Analysefirma Morningstar sammelte in den vergangenen zwölf Monaten in Europa nur ein Fondsverwalter mehr Geld ein als Amundi: Blackrock, der weltgrößte Asset-Manager.

Anleger steckten in die für Privatinvestoren offenen Amundi-Fonds netto mehr als 20 Milliarden Euro. „Fondsperformance und Vertriebsleistung müssen nicht zwangsläufig zueinander passen“, erklärt Morningstar-Experte Ali Masarwah. Er erkennt außerdem: „Der starke Vertrieb in Frankreich und Italien hat geholfen, ebenso der gute Absatz von börsengehandelten Indexfonds.“ Bei den Exchange Traded Funds, kurz ETF, ist Amundi mittlerweile der fünftgrößte Anbieter in Europa unter rund vier Dutzend Mitspielern

Ehrgeizige Kursprognose

Der rein unternehmerische Erfolg spiegelt sich im Aktienkurs wider. Der Kurs von Amundi, die in Paris notiert sind, hatte sich bis zum Frühjahr in rund zwei Jahren verdoppelt. Er pendelt derzeit um die Marke von 53 Euro. Chris Turner von der Berenberg Bank hat ein auf den ersten Blick ehrgeiziges Kursziel von 76 Euro. Er urteilt aus der Brille des Aktionärs: „Amundis Stärken liegen in der Größe, den geringen Kosten, dem starken Vertrieb und in der umfangreichen Produktpalette.“

In den Oktober-Börsenturbulenzen verlor die Aktie mehr als ein Fünftel an Wert und damit viel stärker als der Gesamtmarkt. „Einnahmen und Gewinne sind zwar abhängig vom verwalteten Kapital, das mit den Börsen schwankt – aber gemessen daran war der Kursabschlag übertrieben“, kommentiert Experte Turner. Zur Erklärung: Ein großer Teil der Einnahmen von Vermögensverwaltern stammt aus Gebühren, die als fixer Prozentsatz auf das angelegte Kapital berechnet werden.

Der Analyst glaubt nicht, dass die für Anleger entscheidenden Fondserträge einen großen Anteil an der guten Marktstellung des Vermögensverwalters unter seinem Chef Yves Perrier haben. Sollte der Berenberg-Mann mit seinem Optimismus richtig liegen, könnte mancher Anleger vielleicht auf eine verwegene Idee kommen: seinen Amundi-Fonds gegen die Aktie des Verwalters zu tauschen.

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