Blackrock Finger weg von Dividendenaktien

In Zeiten niedrigster Zinsen gibt es keine Rendite ohne höheres Risiko – das Problem beschäftigt Privatanleger in gleichem Maße wie Wall-Street-Giganten. Was die Blackrock-Experten tun, um den Spagat zu schaffen.
Auf der Suche nach einem lohnenden Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag sind sind Verrenkungen notwendig. Quelle: dpa
Artistische Einlage

Auf der Suche nach einem lohnenden Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag sind sind Verrenkungen notwendig.

(Foto: dpa)

New YorkBlackrock, der weltweit größte Vermögensverwalter, hat in dieser beinahe zinslosen Welt kein Patenzrezept für Anleger bereit. Rick Rieder, Chef-Stratege für den festverzinslichen Bereich bei der Fondsgesellschaft, versucht es trotzdem mit Optimismus. Er gehört zwar zu dem wachsenden Lager von Ökonomen und Investoren, die auf Dauer von niedrigem Wachstum, niedrigen Zinsen und niedriger Inflation ausgehen. Nicht die Notenbanken sind seiner Meinung nach dafür verantwortlich, sondern die Demographie.

Aber vor allem die US-Ökonomie ist seiner Meinung nach gesünder, als sie aussieht. Der technische Fortschritt sorgt dafür, dass technische Geräte immer billiger werden. Daher bekommen die Verbraucher immer bessere Ware, ohne mehr bezahlen zu müssen, und haben sogar noch Geld zum Sparen übrig. Rieder nennt das eine „effiziente Ökonomie“, die ohne Inflation auskommt und mehr und mehr von Dienstleistungen getragen wird. Kein Grund, schwarz zu malen.

Trotzdem bleibt die Frage: Wie lässt sich wenigstens noch ein bisschen Rendite erzielen, ohne zu großes Risiko einzugehen? Blackrock-Stratege Michael Frederick rät zur Vorsicht. Er hat den Aktienanteil weiter herunter gefahren als je zuvor in den vergangenen fünf Jahren. Außerdem hat er US-Aktien kurzfristig, bis Dezember, am Terminmarkt abgesichert. Das ist zurzeit relativ billig, weil die Aktien wenig schwanken – „so wenig wie zuletzt 1995“, sagt Frederick.

Seiner Meinung nach kaufen viele Anleger Aktien mit hoher Dividendenrendite und treiben die Titel dieser Papiere zu weit hoch. Wenn schon Aktien, dann sollten Investoren eher auf das Wachstum der Dividende achten. Seiner Einschätzung nach finden sich hierfür Beispiele bei ganz klassischen Unternehmen. Der hauseigene börsengehandelte Fonds I-Shares Dividend Growth enthält bekannte Namen wie Microsoft, Procter & Gamble, Johnson & Johnson, General Electric, Exxon, Wells Fargo, JP Morgan, Cisco und Coca Cola als größte Positionen. Der Dividend Growth Fund des Blackrock-Konkurrenten T.Rowe Price enthält Aktien wie Beckton, Dickinson sowie Comcast, General Electric, JP Morgan, Microsoft, Pepsico, Pfizer, Thermo Fisher, United Health und Visa.

Apple und andere Riesen in Warren Buffetts Portfolio

AMERICAN EXPRESS CO. REGISTERED SHARES DL -,20

WKN
ISIN
US0258161092
Börse
Xetra

+0,72 +0,87%
+82,65€
Chart von AMERICAN EXPRESS CO. REGISTERED SHARES DL -,20
American Express
1 von 44

Die vier wichtigsten Titel (1/4)

Fast 60 Prozent des Aktienwerts in Warren Buffetts Portfolio geht auf vier Einzeltitel zurück. Dazu zählt der Kreditkartenanbieter American Express. An der Beteiligung hat sich auch im zweiten Quartal nichts geändert.

Buffetts Anteile: mehr als 151 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2016: unverändert

Quelle aller Angaben: 13-F-Pflichtveröffentlichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC für das zweite Quartal 2016 (nur US-Aktien). Stand: 16. August 2016.

COCA-COLA CO., THE REGISTERED SHARES DL -,25

WKN
ISIN
US1912161007
Börse
Xetra

-0,10 -0,28%
+36,87€
Chart von COCA-COLA CO., THE REGISTERED SHARES DL -,25
Coca Cola
2 von 44

Die vier wichtigsten Titel (2/4)

Der bekennende Limonaden-Trinker Buffett hält auch im zweiten Quartal 2016 an seinen Coca-Cola-Aktien fest. Der Investor hat insgesamt 400 Millionen Papiere in seinem Portfolio, damit gehören ihm fast zehn Prozent der gesamten Anteile an dem Konzern.

Buffetts Anteile: 400 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2016: unverändert

INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20

WKN
ISIN
US4592001014
Börse
Xetra

-0,97 -0,80%
+120,56€
Chart von INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20
IBM
3 von 44

Die vier wichtigsten Titel (3/4)

Software-Hersteller IBM gilt als dritter Liebling im Buffett-Portfolio. Im zweiten Quartal 2016 hielt er die Beteiligung unverändert. Buffett hält insgesamt acht Prozent der Unternehmensanteile.

Buffetts Anteile: 81,23 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2016: unverändert

WELLS FARGO & CO. REGISTERED SHARES DL 1,666

WKN
ISIN
US9497461015
Börse
Xetra

-0,68 -1,43%
+46,00€
Chart von WELLS FARGO & CO. REGISTERED SHARES DL 1,666
Wells Fargo
4 von 44

Die vier wichtigsten Titel (4/4)

Der US-Finanzdienstleister bleibt ein Favorit des „Orakels von Omaha“. Er hält rund 25 Prozent des Konzerns.

Buffetts Anteile: 479 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2016: unverändert

APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US0378331005
Börse
Xetra

-1,95 -1,22%
+157,24€
Chart von APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.
Apple
5 von 44

Der US-Großinvestor Carl Icahn war zuletzt beim iPhone-Hersteller ausgestiegen – so auch Warren Buffett. Sein Konglomerat Berkshire Hathaway sicherte sich im ersten Quartal 2016 fast zehn Millionen Apple-Aktien. Gesamtwert: etwa eine Milliarde Dollar. Im zweiten Quartal stockte Buffett noch einmal auf.

Buffetts Anteile: 15,23 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2016: plus 55,2 Prozent

AXALTA COATING SYSTEMS LTD. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
BMG0750C1082
Börse
FSE

+0,23 +0,89%
+25,52€
Chart von AXALTA COATING SYSTEMS LTD. REGISTERED SHARES DL 1
Axalta Coating Systems
6 von 44

Im zweiten Quartal 2015 hatte Warren Buffett zum ersten Mal Anteile von Axalta Coating, einem Beschichtungsspezialisten, in sein Depot genommen. Insgesamt 23,2 Millionen Aktien der Firma mit Sitz in Philadelphia hatte er zwischen April und September 2015 erworben. Mittlerweile sind es etwas mehr.

Buffetts Anteile: 23,3 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2016: unverändert

BK OF NEW YORK MELLONCORP.,THE REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US0640581007
Börse
FSE

-1,10 -2,23%
+47,78€
Chart von BK OF NEW YORK MELLONCORP.,THE REGISTERED SHARES DL -,01
Bank of New York Mellon
7 von 44

Im ersten Quartal 2015 hatte Buffett die Anteile an dem Geldinstitut Bank of New York Mellon um sechs Prozent reduziert, im zweiten Quartal konstant gehalten und im dritten Quartal um weitere drei Prozent abgebaut. Im vierten Quartal hielt er die Beteiligung konstant. Auch im zweiten Quartal 2016 veränderte er seine Beteiligung nicht.

Buffetts Anteile: 20,8 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2016: unverändert

Insgesamt fühlt sich Frederick bei Hochzins-Anleihen wohler als bei Aktien. Er rät von europäischen Papieren mit BB-Rating ab, weil die seiner Meinung nach zu wenig Rendite fürs Risiko bringen. US-Unternehmen mit BB-Rating mit Renditen um die vier Prozent findet er lohnender. „Die werden auch gerne von europäischen Anlegern gekauft“, sagt er. Vereinzelt hat er auch US-Anleihen mit nur einem B im Portfolio. Aber bis herunter in die C-Ratings geht er nicht, weil die erfahrungsgemäß, wenn es kriselt, genauso abschmieren wie Aktien.

Nach Aussage der Rating-Agentur Standard & Poor‘s steigen die Ausfallraten bei spekulativen Unternehmensanleihen, also BB und abwärts, immer noch an. Auf der anderen Seite sinken aber die Risikoaufschläge dieser Anleihen im Vergleich zu als sicher geltenden Papieren. Die Ausfallraten sind in den USA höher als in Europa, wofür vor allem der angeschlagene Energiebereich verantwortlich ist, der die gesamte Statistik nach unten zieht.

Blackrock setzt immer noch auch auf Anleihen aus Schwellenländern, obwohl dorthin in den vergangenen Monaten schon viel Geld geflossen ist. Amer Bisat, der Experte für diesen Bereich, nennt Indonesien und Kolumbien als besonders interessante Länder, daneben aber auch Argentinien und Brasilien. Er rät dazu, Papiere in den lokalen Währungen zu kaufen. Zwar erwartet er keine Wechselkursgewinne mehr, aber diese Anleihen bringen hohe Zinsen. „Es geht nicht mehr um den Devisenmarkt, das ist gelaufen“, sagt er, „sondern um die hohen Coupons“.

Über allem schwebt das Risiko, dass die Zinsen doch stärker steigen könnten als erwartet. Frederick sieht daher mit Sorge, dass die Anleger, um die erhofften Renditen zu erhalten, immer höhere Laufzeiten riskieren – und damit Kursverluste bei steigenden Zinsen. Er rät auch in dem Punkt zur Vorsicht. „In den kommenden Jahren ist einfach nicht mehr so viel zu holen wie in der Vergangenheit“, sagt er. Die alte Regel, dass es keine Rendite ohne Risiko gibt, wird für Anleger immer mehr zum Spielverderber.

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