China, Indien, Türkei Von diesen Anlagen lassen Fondsmanager die Finger

Chinas Börsen brechen weiter ein und reißen die Aktienmärkte vieler Schwellenländer mit in den Keller. Laut einer Umfrage sind Fondsmanager für diese Anlageklasse so pessimistisch wie nie. Die Rede ist von Kapitulation.
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Fondsmanager meiden Schwellenländer, Energiewerte und Rohstoffe. Quelle: Imago
Daumen runter

Fondsmanager meiden Schwellenländer, Energiewerte und Rohstoffe.

(Foto: Imago)

FrankfurtBei den Rohstoffpreisen dreht sich eine Abwärtsspirale. Börsianer sorgen sich um die Weltkonjunktur, sehen sich darin durch fallende Inflationserwartungen und sinkende Rohstoffpreise bestätigt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Konjunkturlokomotive China, doch dieser Motor stottert. Am Dienstag schickten neue Ängste die Börse in Schanghai wieder auf Talfahrt. Die Kurse stürzten um mehr als sechs Prozent.

Und nicht nur dort: Weil Anleger im großen Stil Geld aus den Schwellenländern abziehen, sind die Aktienindizes vieler Länder eingebrochen, etwa in Südkorea und in Taiwan. Der MSCI Emerging Markets Index verlor ebenfalls den vierten Tag in Folge. Laut Informationen des Datendienstes Bloomberg verkaufen globale Investoren schon den dritten Monat in Folge Aktien.

Die gesamten Nettoverkäufe von Aktien in Indien, Indonesien, den Philippinen, Südkorea, Thailand und Taiwan belaufen sich demnach auf 2,7 Milliarden Dollar, nach 5,4 Milliarden Dollar im Juli und 3,2 Milliarden Dollar im Juni. Parallel dazu sind etwa der malaysische Ringgit, die indonesische Rupiah so stark gefallen wie 1998 nicht mehr. Auch der kolumbianische Peso, der südafrikanische Rand als auch die türkische Lira haben neue Rekordtiefs erreicht.

Auf diese Schwellenländer schwört Hasenstab
Michael Hasenstab
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Hasenstab, Fondsmanager von Franklin Templeton, steht im Rufe kühne Investments zu tätigen. In ukrainischen Staatsanleihen ist der 41-Jährige mit mehreren Milliarden investiert. Dort ging es seit dem gestrigen Mittwochabend um alles: Der Staat will mit seinen Gläubigern eine Einigung über einen Schuldenschnitt durchsetzen. Dafür plädiert unter anderem der Internationale Währungsfonds (IWF).

Aufschub statt Schuldenerlass
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Um die Ukraine (hier Truppen nahe Donezk) zu sanieren, braucht es einen Schuldennachlass von 15 Milliarden Dollar. Die privaten Gläubiger sind zu Zugeständnissen bereit, aber nicht zum Verzicht. Man wolle das vorrangige Finanzproblem der Ukraine adressieren – die kurzfristige Liquidität. „Wir glauben, dass die Finanzschwierigkeiten der Ukraine zu lösen sind, ohne sofort den Wert der Anleihen abzuschreiben“, meint Hasenstab.

Verzockt?
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In der Ukraine könnte Hasenstab sich durchaus verspekuliert haben. Er gilt mit seinem Fonds als größter privater Gläubiger der Ukraine. Seit 2011 hat Hasenstab schrittweise für 7,6 Milliarden Dollar Ukraine-Bonds gekauft. Diese Wette könnte ihm nun auf die Füße fallen, wenn sich private Gläubiger am frisch aufgestockten Hilfsprogramm für das Land beteiligen müssen.

Schwacher Ölpreis
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Neben der Ukraine sieht Hasenstab auch bei Schwellenländern Chancen. „Unter den Schwellenländern gibt es derzeit etliche wie Korea, Indien oder China, die unseres Erachtens vom niedrigeren Ölpreis enorm profitieren. Das kann kräftige Wachstumsimpulse auslösen“, schreibt der Fondsmanager nun in einem Kommentar.

Quelle: procontra-online.de & Handelsblatt

Wachstumsschübe durch die USA
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Volkswirtschaften wie Mexiko, Korea oder Malaysia (hier die Hauptstadt Kuala Lumpur) profitieren über den Exportkanal auch von der anziehenden US-Konjunktur, so Hasenstab. Höheres Wachstum in den USA sei häufig ein dynamischer Wachstumsmotor für Schwellenmärkte.

VW in Mexiko
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Mexikos Exportwirtschaft sei viel stärker von der Nachfrage der US-Verbraucher nach den in Mexiko produzierten Autos abhängig. Große Automobilfirmen – darunter auch VW – haben ihren Sitz in dem Land. Realwirtschaftliche Verbindungen zu den USA, wie etwa Überweisungen mexikanischer Arbeiter in den USA, würden die wirtschaftlichen Aussichten des Landes viel stärker als Preisschwankungen des Öls prägen.

Falsche Einschätzung
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Häufig kursieren viele Fehleinschätzungen über Schwellenländer, sagt Hasenstab. So wurden Mexiko (hier der Strand der mexikanischen Stadt Cancún) und Malaysia in die Kategorie der Ölproduzenten einsortiert und ihre Währungen massiv abgestraft. In Wirklichkeit exportiere Mexiko zwar Öl, doch darauf entfielen nur rund zehn Prozent des Gesamtexports.

Vor dem Hintergrund warnt aktuell auch die Ratingagentur Moody's vor dem Absturz der Aktien- und Immobilienmärkte. Eine „scharfe und lang anhaltende Korrektur der Vermögenspreise“ im bevölkerungsreichsten Land sei eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft, heißt es im vierteljährlichen Wachstumsausblick, den die Bonitätswächter am Dienstag in London veröffentlichten.

Auch sonst zeigt sich Moody's wenig zuversichtlich. In den nächsten fünf Jahren dürfte die G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer das Wachstumstempo aus der Zeit vor der Finanzkrise nicht wieder erreichen, hieß es weiter.

Es geht also um mehr als eine Tagestendenz. Dies belegen nun auch die Ergebnisse der jüngsten Umfrage von Bank of America Merrill Lynch zu den Dispositionen der Fondsmanager weltweit. Die Resultate offenbaren: Im August sind die Geldverwalter so pessimistisch für Aktien aus den Schwellenländern, für jene aus der Energiebranche und für Rohstoffe wie noch nie. Hier sind sie in einem Rekordausmaß untergewichtet.

Schwellenländer leiden unter niedrigen Rohstoffpreisen
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1 Kommentar zu "China, Indien, Türkei: Von diesen Anlagen lassen Fondsmanager die Finger"

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  • Ich glaube, da geht etwas durcheinander in der Analyse. Die Aktienkurse in Taiwan und Südkorea sind doch nicht schwächer, weil es "auch solche Schwellenländer" sind, sondern weil diese Hightec Industrieländer - geographisch bedingt - vor allem vom Export nach China leben. Ansonsten haben diese beiden mit den kranken BRICS Patienten ja nichts gemeinsam.

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