DWS Asset Management

Für die DWS kommen Sonderbelastungen, wie sie nun von US-Steuerreform ausgelöst wurden, zur Unzeit.

(Foto: Reuters)

Deutsche-Bank-Fondstochter Cisco zieht Milliarden ab – Trumps Steuerreform wird für die DWS zum Desaster

Der US-Netzwerkausrüster Cisco zieht nach der Steuerreform viele Milliarden Euro bei der DWS ab. Das war ein Einmaleffekt. Doch andere Probleme bleiben.
Update: 16.08.2018 - 18:36 Uhr Kommentieren

FrankfurtDie US-Steuerreform wirft lange Schatten – bis auf deutsche Fondshäuser. Wie jetzt bekannt wurde, zog der US-Konzern Cisco Systems in diesem Jahr rund fünf Milliarden Euro an Geldern von der DWS ab. Die DWS hatte unter ihrem Chef Nicolas Moreau zwar vom Rückzug eines großen Investors gesprochen, der Name des Netzwerkausrüsters Cisco war aber bisher nicht bekannt.

Wie andere Unternehmen brachte auch Cisco im Zuge der US-Steuerreform Kapital zurück nach Amerika. Die Rückführung von Vermögen aus dem Ausland wird steuerlich begünstigt. Die Gesamtsumme belief sich allein bei Cisco im ersten Quartal auf 67 Milliarden Dollar.

Aus DWS-Sicht war der Abzug des Cisco-Kapitals mitverantwortlich für die schlechte Bilanz des ersten Halbjahres, die Netto-Geldabzüge von 12,6 Milliarden Euro auswies. Damit musste sich die 686 Milliarden Euro verwaltende Gesellschaft von ihren ehrgeizigen Plänen verabschieden: Mittelfristig sollten jährlich drei bis fünf Prozent an Neugeldern eingeworben werden. Den großen deutschen Konkurrenten wie Allianz Global Investors, Deka und Union Investment flossen dagegen im ersten Halbjahr viele Milliarden Euro zu.

Informierte Kreise sehen die Steuerreformeffekte bei der DWS mit einem lachenden und weinenden Auge. „Das ist keine gute Nachricht, aber ein Fakt, und es gab auch noch andere Abzüge aus dem gleichen Grund, aber in geringerem Maße“, heißt es. Auf der anderen Seite „sollte der Steuerreformeffekt in den kommenden Monaten keine große Rolle mehr spielen“. Im vergangenen Jahr seien „diese Effekte nicht vorhersehbar gewesen“.

Die Anlagen von Unternehmen wie Cisco bei Fondshäusern sind nicht ungewöhnlich. In erster Linie nutzen sie die Dienste für die Anlage von Liquidität, die im Geschäftsablauf anfällt und auch kurzfristig wieder abrufbar sein muss. Hier sind vor allem Geldmarktfonds als Parkstation gefragt. Erst in zweiter Linie nutzen Unternehmen auch die Expertise von Vermögensverwaltern für individuelle Anlagen in Wertpapiere oder andere Vermögenswerte.

Indexfonds bringen geringe Rendite

Am Finanzmarkt haben die Mittelabzüge deutliche Spuren hinterlassen. Die Deutsche Bank hatte in diesem Jahr am 23. März einen 20-Prozent-Anteil ihrer Fondstochter an die Börse gebracht. Inzwischen liegt der Kurs mit rund 26 Euro etwa ein Fünftel unter seinem Höchstwert. Unter den bei der Agentur Bloomberg aufgeführten Analysten empfehlen nur fünf von 16 Experten die Aktie zum Kauf.

Nach dem Optimismus beim Börsengang wird die weitere Entwicklung eher nüchtern betrachtet. Ein Pluspunkt ist zwar der erfolgreiche Absatz von Indexfonds. Doch diese Produkte haben niedrige Gewinnmargen. Außerdem sprechen manche Mitarbeiter von speziellen Herausforderungen. Die Bündelung von passiven und aktiven Produkten im Vertrieb sei schwierig. Und das Thema Absatzschwäche sei grundsätzlich noch nicht beendet.

Der Fondsmanager eines großen Anbieters sieht die aktuelle Nachricht zu Cisco verhalten. „An meiner zurückhaltenden Einschätzung der Aktie ändert das nichts“, sagt er. Von den großen Versprechungen zu Beginn des Börsengangs habe man sich verabschieden müssen. Insoweit passt diese Einzelmeinung zum Konsens der Analysten.

Für die DWS kommen solche Sonderbelastungen, wie sie von US-Steuerreform ausgelöst wurden, zur Unzeit. Der Anbieter muss sich nach Jahren der Personal- und Strategiewechsel neu ausrichten. Und das in einem Branchenumfeld mit großen Herausforderungen: starke Konkurrenz, Gebührendruck, Boom margenschwacher Anlageprodukte und wachsende regulatorische Anforderungen.

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