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DJE Kapital Fondsmanager Jens Ehrhardt denkt nicht ans Aufhören

Der 77-jährige Unternehmer hat noch viel vor: Er will den Vertrieb stärken und Anlagegelder sammeln. Sein Sohn gestaltet die Firma maßgeblich mit.
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Familienunternehmen: Aktuelle News zu familiengeführten Betrieben
Jan und Jens Ehrhardt

Jens Ehrhardts Sohn Jan (links) verantwortet bei DJE Kapital die digitale Vermögensverwaltung, das Research und das Anlagemanagement.

Frankfurt Er ist der Grandseigneur der deutschen Vermögensverwaltung. Als Gründer und Vorstandsvorsitzender einer der größten unabhängigen Vermögensverwaltungen in Deutschland hören Anleger genau hin, wenn Jens Ehrhardt Ratschläge erteilt. Insofern hat der jüngste Tipp des 77-Jährigen durchaus Gewicht für den Finanzmarkt.

Ich bin positiv für Aktien“, sagt der Vorstandschef seiner eigenen Vermögensverwaltung DJE Kapital mit Sitz in München. Der passionierte Segler erkennt nur eine Gefahr: „Falls die Anleger eine Spekulationsblase aufpusten sollten und dann eine Rezession käme, wäre das ein Schock.“ Die seiner Meinung nach einfachste Prognose ist die für Gold. Fallende reale Zinsen durch lockere Geldpolitiken seien ideal für das Edelmetall.

Die jüngsten Preisgewinne sind für ihn längst nicht das Ende: „Wir könnten neue Höchststände sehen, 2 000 Dollar für die Feinunze wären realistisch und angemessen.“ Das wäre ein sattes Plus. Momentan hat der Preis gerade die Marke von 1 400 Dollar übersprungen.

Der gebürtige Hamburger zählt zu den bekanntesten Vermögensverwaltern Deutschlands. Ein halbes Jahrhundert arbeitet er jetzt im Geldgeschäft, feierte das Jubiläum am Dienstag in Frankfurt. Ehrhardt startete als Aktienanalyst. Das ist seine Leidenschaft geblieben. Heute dirigiert er mit DJE Kapital 12,4 Milliarden Euro. „Ans Aufhören denke ich nicht“, sagt der Fachmann.

Unter Experten genießt der Börsenkenner hohes Ansehen in Deutschland. Es ist höchstens vergleichbar mit dem Renommee eines Klaus Kaldemorgen von der DWS oder eines Bert Flossbach von Flossbach von Storch. Doch eines hat Ehrhardt den beiden Konkurrenten voraus: „Er war mit dem FMM-Fonds einer der Pioniere des Fondssparens, er hat auch dazu beigetragen, dass sich die Fondsidee aus dem Klammergriff des Bankengeschäfts lösen konnte“, sagt Ali Masarwah, Analyst bei der Ratingagentur Morningstar. Ehrhardt lancierte den Fonds vor 32 Jahren. „Es war das erste unabhängige Fondsprodukt“, erinnert er.

Heute steht die Firma in einem schwierigeren Umfeld. „Immer mehr Finanzmarktregulierung und die Indexfonds sind Herausforderungen“, meint Masarwah. Ein wichtiges Thema ist auch der Vertrieb. „Da kann man viel in Bewegung setzen, das ist Aufgabe von Torsten Schrieber, der vor zwei Jahren zurück zur Firma kam“, sagt Rüdiger Sälzle, Vorstand der Beratungsfirma Fondsconsult.

„Genau den Bereich wollen wir stärken“, sagt Ehrhardt. Über viele Jahre pendelte das Kundenkapital um die Marke von zehn Milliarden Euro (siehe Grafik). Das war nicht zuletzt dem schwachen Vertrieb zuzuschreiben. Künftig wollen die Topmanager außerdem das unternehmerische Denken weiter stärken.

„Wir werden die Mitarbeiter in den kommenden Jahren stärker an der Firma beteiligen, aber ein Familienunternehmen bleiben“, sagt Ehrhardts Sohn Jan. Die Grundkonstellation von DJE Kapital aber werde erhalten. Das heißt konkret: Vorstandsvorsitzender ist der Vater, der Sohn sein Stellvertreter.

Sohn steuert eigene Fonds

Jan Ehrhardt hat den Youngster-Status längst abgelegt. Er ist mit seinen 44 Jahren bereits seit zwei Jahren zweiter Mann in der Firma. Er verantwortet die noch junge digitale Vermögensverwaltung, das Research und das Anlagemanagement. Der Junior steuert außerdem mehrere eigene Fonds und einige Mandate institutioneller Kunden.

„Es ist knapp die Hälfte des Kapitals, mein Vater lässt mich machen“, sagt er. Und das schon seit fast zwei Jahrzehnten. So lange ist Jan in der Firma. Mit dem Vater eint ihn auch der Doktortitel: Beide haben zu Kapitalmarktthemen promoviert.
Jan Ehrhardt startete Anfang des Jahrtausends.

Damals wurde der Fonds „Dividende & Substanz“ aufgelegt, mit sehr wenig Kapital. „Ich hatte die Chance, ihn zu übernehmen, obwohl mir die große Erfahrung fehlte“, sagt Jan. „Da war ich stolz drauf, mein Vater hat mir nicht reingeredet.“ Der erinnert sich: „Ich habe ihm damals die Entscheidung für das Research übergeben, es hat gut geklappt.“

Heute haben die Manager ihre Konkurrenten klar im Blick. Der Sohn schaut auf den größten Aktienfonds für Dividendenwerte aus dem Hause DWS. Ansonsten gilt der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch als eine Art Benchmark. Der größte bankenunabhängige Asset-Manager Deutschlands ist dank seines erfolgreichen Mischfonds sehr stark gewachsen.

Jens Ehrhardt sieht das eher als Vorteil: „Eigentlich ganz gut, dass wir nicht auf dem ersten Platz stehen, so haben wir noch etwas, das uns anspornt.“ DJE Kapital als Aktiengesellschaft gibt es seit Anfang der 90er-Jahre. Davor war die Gesellschaft eine GmbH. Jens Ehrhardt empfindet die Konstruktion als passend.

Grafik

„Damals dachte ich auch mal über einen Börsengang nach, aber später nie mehr“, sagt er. Die Nachteile seien zu groß: „Das ist viel Arbeit mit den Hauptversammlungen und der Presse.“ Die Firma war aber auch selbst Objekt von Begierden. „Ich hatte öfter Kaufangebote“, schildert der Senior.

Darauf sei er allerdings nie eingegangen: „Dann sitze ich auf einem Sack Geld, bin aber nicht mehr selbstständig.“ Er will einfach unabhängig arbeiten. Und der tägliche Umgang mit den Finanzmärkten ist ihm Lebenselixier. In solchen Unterhaltungen über die Börse ist er kaum zu bremsen – und überrascht seine Gesprächspartner oft mit interessanten Urteilen.

„In der Familie meiner Mutter waren alle Reeder und Kapitäne“, erklärt der Senior seine Erbanlagen. Die Neigungen seines Vaters hingegen hätten ganz woanders gelegen: „Der war ein bekannter Filmproduzent und wollte mich als seinen Nachfolger.“ Daraus wurde nichts.

Doch Jens Ehrhardt spürt als Nachkomme die Veranlagungen der Eltern in sich: „Ich habe beides geerbt, das Kaufmännische von meiner Mutter, das Künstlerische von meinem Vater.“ Er legt bei Aktien Wert auf eine fundamentale Analyse. Dem Trend zu Indexfonds kann er daher wenig abgewinnen.

Mit dem Generationenunterschied zwischen Vater Jens und Sohn Jan scheint sich keine Kluft aufzutun. „Ich bin skeptisch, alles zu automatisieren. Nie wird bei uns ein Computer eine Entscheidung treffen“, sagt der Vater. Das gelte natürlich auch für das Modethema Künstliche Intelligenz bei der Anlagesteuerung. Ähnlich klingt es beim Sohn: „Es ist wichtig, dass der Mensch drüberschaut.“

Wie sehr persönliche Erfahrung zählen kann, erfuhr der Senior bei einem Weihnachtsurlaub 2004 in Asien. Er war der Tag des großen Tsunamis am Strand. Als Hamburger und Segler deutete er das zurückweichende Wasser als Vorbote einer großen Flut. Seine Warnung rettete vielen Menschen das Leben.

Künftig will Jens Ehrhardt vor allem weiterhin das tun, womit er sein Finanzleben begann. Er analysierte Aktien und Märkte, begann kurz darauf, einen Börsenbrief herauszugeben. Die „Finanzwoche“ schrieb er erst vierzehntäglich, seit einigen Jahren wöchentlich. Seit 45 Jahren hat er jedes Mal pünktlich geliefert. Dabei soll es bleiben. „Ich bin noch gut im Futter“, unterstreicht er. Das Personalausweisalter spielt für ihn keine Rolle: „Warren Buffett ist sogar 88 Jahre alt.“

Mehr: Viele der großen Vermögensverwalter ziehen sich langsam zurück. Ein Generationswechsel steht bevor.

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