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Emerging Markets „Der Kollaps ist ein Extremrisiko“

Greg Saichin ist Experte für Schwellenländer bei Allianz Global Investors. Im Interview erklärt er, warum Brasilien, Indien und Co. zu nachlässig waren und was jetzt zu tun ist, um das Anlegervertrauen zurückzugewinnen.
2 Kommentare
Anhänger der konservativen Hindu-Partei BJP lauschen Narenda Modi, einem der verheißungsvollsten Aspiranten auf das Amt des Premierministers. Wenn Indien im Frühjahr wählt, könnte mit Modi ein Wirtschaftsreformer an die Macht kommen. Quelle: AFP

Anhänger der konservativen Hindu-Partei BJP lauschen Narenda Modi, einem der verheißungsvollsten Aspiranten auf das Amt des Premierministers. Wenn Indien im Frühjahr wählt, könnte mit Modi ein Wirtschaftsreformer an die Macht kommen.

(Foto: AFP)

Frankfurt Herr Saichin, die Angst geht um, dass der Ausverkauf der Schwellenländer die Staaten in eine tiefe Rezession führen wird; dass gar eine neue Weltwirtschaftskrise droht. Was glauben Sie?
Der Zusammenbruch der gesamten Asset-Klasse Schwellenländer ist ein Extremrisiko (englisch ‚Tail-Risks‘); Es existiert, wird aber nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit eintreffen.

Derzeit aber ziehen Investoren massiv Geld aus den Schwellenländern ab. Wenn es zu keinem Kollaps kommt, wie lange geht der Mittelabfluss denn noch weiter?
Das meiste Geld, das in den letzten Monaten aus den Emerging Markets abgezogen worden ist, stammt von privaten Anlegern. Die handeln in der Regel nervöser, lassen sich von den Schlagzeilen leiten. Sie sind meist die letzten die einsteigen – und die ersten die gehen.

Seit Herbst vergangenen Jahres ist Greg Saichin Leiter des Teams Globale Schwellenländeranleihen bei Allianz Global Investors.

Seit Herbst vergangenen Jahres ist Greg Saichin Leiter des Teams Globale Schwellenländeranleihen bei Allianz Global Investors.

Und institutionelle Anleger … ?
… denken bereits wieder daran, in die Schwellenländer zu gehen. Viele institutionelle Anleger hatten zuletzt die Emerging Markets untergewichtet, Aktien und Anleihen waren zu teuer, Zinsaufschläge (Spreads) zu gering. Heute sind sie bereit, den Schwellenländer-Anteil im Portfolio wieder zu erhöhen. Sie wissen, dass die Beimischung von Schwellenländeranleihen im Portfolio das Rendite-Risiko-Profil, die Sharpe-Ratio, verbessert.

Laut Informationen des Datendienstes EPFR sind 2013 netto rund 25 Milliarden Dollar aus Schwellenländer-Fonds abgeflossen...
Ich kann mir vorstellen, dass das für Privatanleger gilt. Es ist schwierig, die Geldflüsse genau nachzuvollziehen. Laut den Auswertungen von JP Morgan investieren institutionelle Investoren jeden Monat zwei bis drei Milliarden Dollar in die Schwellenländer.

Dennoch: In Saldo sind die Mittelabflüsse groß genug, dass die Kurse an Aktien- und Anleihemärkten weiter einbrechen…
Die ‚finanziellen Repression‘ der letzten Jahre hat Investoren in die Schwellenmärkte getrieben. Das aber trieb die Kurse der Schwellenländer-Titel in die Höhe und ließ Risikoaufschläge schrumpfen. Was wir im Moment beobachten, ist die logische Korrektur an den Märkten. Die Renditen für Schwellenländer-Anlagen steigen – und werden weiter steigen.

Rechte der Investoren stärken

Höhere Renditen werden aber nicht reichen, um das Vertrauen aller Investoren – auch privater – in die Schwellenländer zurückzugewinnen.
Schwellenländer bleiben aus fundamentaler Sicht interessant, weil sie nach wie vor leicht zwei- bis dreimal so schnell wachsen können wie die Industriestaaten. Höhere Renditen sind aber tatsächlich nur eine Sache. Damit weiter Geld in die Emerging Markets fließt, müssen die Länder jetzt Strukturreformen angehen.

Wo genau müssen die Regierungen anpacken?
Das Umfeld für Investitionen muss besser werden. Die Regierungen müssen die Rechte der Investoren stärken, klarere Insolvenzregeln aufstellen, Subventionen abbauen und mehr Sektoren für ausländische Investments öffnen.

Solche Reformen haben die Schwellenländer zum Teil in den letzten Jahren verschleppt...
Dank quantitativer Lockerung in den USA, konnten sich viele Schwellenländer in den vergangenen Jahren günstig aus dem Ausland finanzieren. Das hat sie ein wenig nachlässig werden lassen. Angesichts der Kapitalflucht sind sie jetzt aber alarmiert, die Reformen weiterzuführen.

Bei welchen Ländern sind Sie optimistisch, dass sie das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen?
Mexiko ist ein gutes Beispiel: Seit einem guten Jahr hat das Land einen neuen Präsidenten, und es jetzt geschafft, den Energiemarkt zu öffnen und das Steuer- und Bildungssystem zu reformieren. So etwas gibt Investoren das richtige Signal.

Schweres Jahr für die Türkei

Dirk Müller: „Panik bei Schwellenländern ist groß“

Auch Indonesien hat gerade eine neue Regierung bekommen. In Brasilien wird 2014 gewählt, in der Türkei 2015 …
… Hoffentlich kriegt Brasilien in Sachen Strukturreformen die Kurve, für Indonesien gilt das Gleiche. Die Türkei hat angesichts der politischen Querelen ein schweres Jahr vor sich.

Und Indien? Bei der Wahl im Frühjahr könnte sich die rechtskonservative Hindu-Partei BJP durchsetzen …
Ein Wechsel der politischen Eliten, hin zu einer investitionsfreundlicheren Umgebung, würde das Wachstum definitiv anstoßen. Es gibt außerdem einen neuen Notenbankchef, der die Inflationsbekämpfung als erstes Ziel ausgerufen hat. Das ist ein wichtiges Signal.

Wann werden Publikumsfonds wieder in die Schwellenländer investieren?
Es wird nicht sofort sein. Ich rechne damit, dass Privatanleger erst in zwei, drei Quartalen wieder Geld in die Emerging Markets investieren werden.
Herr Saichin, Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Greg Saichin ist seit November als Leiter der Abteilung Globale Schwellenländeranleihen bei Allianz Global Investors (AGI) und verantwortlich für den Global Emerging Markts Debt Fonds. Damit führt er das ehemalige Pimco-Flaggschiff wieder unter der Marke AGI.

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2 Kommentare zu "Emerging Markets : „Der Kollaps ist ein Extremrisiko“ "

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  • Ist das mit der Krise der Schwellenländer vergleichbar mit der Euroland-Krise aus dem letzten Jahr. Das war die Krise, bei der düsterstes Szenario gezeichnet wurde, woraufhin der Dax fast 2000 Punkte zulegte?

  • Wenn die Privaten Investoren viel besseren Informationsstand hätten, warum sollte sie über die Fonds in die Schwellenländer investieren??? Auch über den Exit entscheiden sie demnach selber ;-)

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