ETFs Die Gefahr des passiven Investierens

Das neue Erfolgskonzept an den Kapitalmärkten mit börsengehandelten Fonds (ETFs) kommt unter Druck. Selbst Protagonisten dieser passiven Strategie warnen vor Chaos. Anleger sollten sich davon nicht irritieren lassen.
1 Kommentar
Für den Starinvestor Warren Buffett, CEO von Berkshire Hathaway, ist passives Investieren ein Erfolgsmodell. Quelle: AP
Warren Buffett

Für den Starinvestor Warren Buffett, CEO von Berkshire Hathaway, ist passives Investieren ein Erfolgsmodell.

(Foto: AP)

New YorkEs war ein denkwürdiger Moment. Auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway, seiner Firma, gratulierte Star-Investor Warren Buffett seinem Freund John Bogle Anfang Mai zum 88. Geburtstag. Und lobte erneut das Konzept, dem Bogle mit seiner Fondsgesellschaft Vanguard zum Durchbruch verholfen hat: passives Investment.

Statt mit Hilfe teurer Analysten besser sein zu wollen als der breite Markt, bilden passive Fonds kostengünstig einfach Aktienindizes ab. Warren Buffett ist der Meinung, dass dieser Weg für private Anleger der richtige ist. Viele Anleger sehen es genauso. Das hat zum Siegeszug des passiven Investierens geführt. Und zu der Sorge, dass die Märkte irgendwann nicht mehr funktionieren: Wenn niemand mehr aktiv handelt, schläft die Börse ein und kann auch keine Unternehmenswerte mehr abbilden.

Die größten Anlegerfehler
Privatanleger machen vermeidbare Fehler
1 von 13

Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
2 von 13

Befund Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
3 von 13

Folgen Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
4 von 13

Gegenmittel Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Fehler 2: Aktien-Picken
5 von 13

Befund Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Fehler 2: Aktien-Picken
6 von 13

Folgen Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Fehler 2: Aktien-Picken
7 von 13

Gegenmittel Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Kein anderer als Bogle selbst hat davor gewarnt ¬– und das ausgerechnet auf der HV von Berkshire, für die er nach Omaha angereist war. „Wenn jeder nur noch in Indizes investiert, dann kann man das nur als Chaos, Katastrophe beschreiben“, sagte er, nachdem er sonst Jahre lang sein Konzept gegen Kritiker verteidigt hat.

Er steht mit seinen Sorgen nicht allein. Wenn sich der Trend fortsetzt, dann gibt es 2030 gar keine aktiven Aktienmanager mehr, warnt Renaud de Planta von Pictet Asset Management. Und der bekannte Hedgefonds-Manager Jeff Gundlach spottet, dass es eigentlich gar kein passives Investieren gibt. Seine Argumentation: Bei Indexfonds sind diejenigen, die über die Zusammensetzung der Indizes bestimmen, die Manager. „Da gibt es ein Komitee, also gibt es auch ein aktives Management“, sagt er.

Andere Stimmen sind ausgewogener. George Walker etwa, Chef der aktiven Vermögensverwaltung Neuberger Berman, räumt ein, dass es schwierig ist, bei großen Aktien mit aktivem Management etwas zu erreichen, weil praktisch alle verfügbaren Informationen weithin bekannt und ausgewertet sind. Er und seine Analysten konzentrieren sich deswegen auf kleinere Werte und versuchen dort, bisher unentdeckte Chancen zu nutzen.

Als weiteres Feld, wo Analyse einen Mehrwert schaffen kann, gelten Unternehmensanleihen. In dem Bereich setzt sogar Vanguard auf aktives Management. Es gibt also Märkte, wo die Analysten noch etwas leisten können. Die Frage bleibt immer, ob sie damit ihre eigenen Kosten verdienen.

Ben Johnson, bei der Researchfirma Morningstar auf börsengehandelte Fonds (ETFs) und damit auch auf passives Investment spezialisiert, hat einstweilen keine Sorge, dass die Märkte ins Chaos stürzen. „Es reicht ja, wenn es einige wenige sehr aktive Manager gibt, zum Beispiel Hedgefonds, die den Markt am Laufen halten“, sagt er.

Möglicherweise teilt sich der Markt künftig daher in eine große Masse passiver Fonds und eine kleine Anzahl hoch spezialisierter, zum Teil auch mit mathematischen Methoden arbeitender Vermögensverwalter. Traditionelle Fonds, die aktiv managen und erfolglos die jeweiligen Indizes zu schlagen versuchen, dürften dagegen weiter verlieren.

Für Anleger ist klar: So lange passive Fonds besser abschneiden als aktive, gibt es keinen Grund, sich von Chaos-Sorgen schrecken zu lassen. In der Diskussion kommen viele Stimmen zu Wort, die im eigenen Interesse argumentieren. Aktives Management ist nach wie vor eine große Branche, die einer Menge hoch bezahlter Leute Jobs bietet. Kein Wunder, dass die sich der Erosion ihrer wirtschaftlichen Basis entgegen stemmen.

Letztlich darauf an, dass die Kosten niedrig und die Risiken gut verteilt sind. Wenn ein aktiver Fonds das ebenfalls leisten kann, ist das in Ordnung. Passives Investment muss sich auch nicht immer nach den gängigen Indizes richten, die ja auch nur eine einzige Auswahl unter vielen anderen möglichen darstellt ¬- in dem Punkt hat Gundlach Recht. Aber die Gebühren für die Nutzung von Indizes sind eben niedriger als die Gehälter für einen Stab von eigenen Fonds-Analysten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: ETFs - Die Gefahr des passiven Investierens

1 Kommentar zu "ETFs: Die Gefahr des passiven Investierens"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Artikel vermag nicht zu halten was die Überschrift verspricht. Sprich im Text werden die Gefahren eines passiven Investierens nicht herausgearbeitet.

    Das bei überwiegend passivem Investieren Fondsmanager und Analysten nicht mehr benötigt werden ist für diese sicherlich ein persönlicher Schicksalsschlag. Allerdings haben diese mit ihren Aktivitäten offensichtlich keinen Mehrwert geschaffen. Soweit ich diese erlebt habe fehlt diesen meist das eigene Nachdenken. Glaube an "Erneuerbare Energien", "Klimawandel", Fr. Merkel, sind keine guten Vorraussetzungen den Index zu schlagen.

    Eine reale Konsequenz ist dann das grosse Aktien ganze Indizes mitziehen. Die Unternehmensleistung kleinerer Indexmitglieder überträgt sich erst gedämpft und verzögert auf den Aktienkurs.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%