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Klaus Hommels

Er gehört zum Gründernetzwerk des „Center for Digital Competitiveness“.

(Foto: imago/Fabian Matzerath)

Finanzierung für Innovationen Investor Klaus Hommels legt 700-Millionen-Dollar-Fonds für Start-ups auf

Enormer Wachstumsimpuls für Europas Gründer: Mit seiner Firma Lakestar baut Investor Klaus Hommels einen der größten europäischen Tech-Fonds auf. Davon profitieren auch deutsche Start-ups.
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Düsseldorf Er gehört zu den prominentesten Kritikern der europäischen Technologie-Ambitionen: Wo immer er kann, warnt Investor Klaus Hommels, dass es in Deutschland zu wenig bedeutende Technologieunternehmen gebe. „China und die USA hängen uns ab“, lautet diese Warnung.

Die Innovationen, die künftig den Alltag von Millionen Menschen bestimmen, entstehen laut Hommels anderswo – aber viel zu selten zwischen Flensburg und Konstanz. Das habe vor allem einen Grund: Es gebe viel zu wenig Geld. Europa müsse pro Jahr zehn Milliarden Euro in junge Tech-Firmen investieren.

Doch Hommels warnt nicht nur – er besorgt das aus seiner Sicht fehlende Kapital selbst. Seine Risikokapital-Gesellschaft Lakestar hat einen der größten europäischen Wachstumskapitalfonds aufgelegt: Rund 700 Millionen Dollar hat der Investor nach übereinstimmenden Berichten aus dem Markt bereits zusammen, weiteres Geld soll bis Ende des Jahres folgen.

Die Investmentfirma wollte die Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren: „Aufgrund globaler Struktur und Reichweite muss Lakestar eine Vielfalt an Regularien beachten und darf sich zu keinem potenziellen oder tatsächlichen Fundraising äußern.“

Mit dem neuen Fonds liegt Lakestar auf Augenhöhe mit Atomico, der Londoner Investmentgesellschaft des Skype-Gründers Niklas Zennström, der zuletzt 670 Millionen Euro eingesammelt hatte. Beide Fonds konzentrieren sich vor allem auf europäische Technologieunternehmen. Auf einen größeren Fonds kommt in Europa nur Oliver Samwer, der laut Berichten des Wirtschaftsmagazins „Capital“ einen neuen Fonds mit einer Größe von über einer Milliarde Dollar auflegen will.

Die Beispiele zeigen: Für europäische Gründer wird es immer leichter, ihre Ideen zu finanzieren. Das gelte vor allem für Start-ups in frühen Phasen, sagt Thomas Prüver, Partner in der Transaktionsberatung von EY. „Es gibt eine Vielzahl an deutschen Venture-Capital-Akteuren, die in diesem Markt um die besten Unternehmen konkurrieren“, sagt Prüver. Schwieriger sei die Lage in späteren Wachstumsphasen, wenn Unternehmen 50 bis 200 Millionen Euro brauchen, um ihr Geschäft weiterzuentwickeln. In dieser Phase finden die Unternehmen allzu oft keine Investoren. 

Dennoch: „Der deutschsprachige Markt ist in guter Verfassung, sagt Julian Riedlbauer, Partner bei GP Bullhound. „Es gibt mittlerweile auch viel Geld von amerikanischen und asiatischen Investoren.“

Tatsächlich hat Deutschland bei der Versorgung mit Risikokapital in den vergangenen Jahren aufgeholt. In den ersten sechs Monaten steckten Investoren in Deutschland laut einer Studie von EY rund 2,8 Milliarden Euro (plus 13 Prozent) in junge Unternehmen – das ist ein neuer Höchststand.

Einen Rekord erreichte auch die Zahl der Finanzierungsrunden: Im ersten Halbjahr dieses Jahres zählte EY 332 Transaktionen – das waren 19 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Zu den größten zählten in den ersten sechs Monaten Getyourguide (428 Millionen), N26 (266 Millionen) und Adjust (201 Millionen).

Henkel und Privatbanken sind dabei

Dabei wächst laut KPMG nicht nur die Zahl der Finanzierungsrunden, sondern auch das Kapital, das junge Firmen einsammeln. Die durchschnittlich pro Deal investierte Summe stieg laut KPMG Anfang 2019 weltweit um rund 50 Prozent auf 20 Millionen Dollar. In Europa hat sich der Durchschnittsbetrag im ersten Quartal von 5,6 Millionen auf 13,4 Millionen sogar mehr als verdoppelt.

Lakestar wird mit dem neuen Fonds das ganze Spektrum des Marktes für Wagniskapital abdecken: Rund 250 Millionen Dollar will der Investor nach Informationen des Handelsblatts in junge Start-ups investieren. Rund 450 Millionen sollen in größere, bereits etablierte Tech-Unternehmen fließen.

Zu den Investoren des neuen Lakestar-Fonds gehören nach Handelsblatt-Informationen deutsche Konzerne wie Henkel sowie verschiedene Family Offices, Privatbanken und der Europäische Investitionsfonds. Rund 60 Prozent des Geldes kommt laut Finanzkreisen aus Europa, der Rest vor allem aus Asien und den USA.

Zu den internationalen Geldgebern zählen die Staatsfonds aus Singapur und Abu Dhabi, Temasek und Mubadala. Beide interessieren sich zunehmend für europäische Start-ups. Um den Kontakt in die hiesige Gründerszene zu verbessern, hat Mubadala erst vor wenigen Monaten ein Büro in London eröffnet.

„Wir sehen schon seit einigen Monaten deutlich wachsendes Interesse asiatischer Investoren an europäischen Start-ups“, sagte Hommels kürzlich dem Handelsblatt. Durch den zunehmenden Technologiekonflikt zwischen China und den USA, so glaubt er, würden Asiaten zunehmend auch in deutsche Technologieunternehmen investieren. „Ein weiterer Faktor ist die Stärke europäischer Technologiefirmen bei Anwendungen für die Digitalisierung der Industrie.“

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