Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fonds Das sind die Gewinner und Verlierer bei Indexfonds

Europas Markt für gelistete Indexfonds wächst rasant. Anleger mögen die billigen Produkte. Doch der Marktanteil des großen Anbieters Lyxor schrumpft deutlich.
Kommentieren
Niedrige Gebühren und immer neue Aktien-ETFs sorgen für steigende Beliebtheit. Quelle: mauritius images / Anja Schaefer / Alamy
Boom-Markt ETF

Niedrige Gebühren und immer neue Aktien-ETFs sorgen für steigende Beliebtheit.

(Foto: mauritius images / Anja Schaefer / Alamy)

Frankfurt Die Großen werden immer größer – mit wenigen Ausnahmen. Am europäischen Markt für börsengehandelte Indexfonds verliert einer der Top-Anbieter rasant an Boden. Im boomenden Geschäft mit den „Exchange Traded Funds“, kurz ETF, will das etwas heißen. Es geht um die Société-Générale-Tochter Lyxor Asset Management. Sie musste in diesem Jahr sogar Netto-Rückflüsse bei den eigenen Produkten von rund sechs Milliarden Euro verkraften.

Die meisten anderen großen Konkurrenten dagegen sammelten viele Milliarden Euro ein. Der Marktanteil der Lyxor-ETFs sackte in den vergangenen zehn Jahren nach Berechnung der Fondsratingagentur Morningstar geradezu weg: Gemessen am Kapital kollabierte er um zehn Prozentpunkte von 17,3 auf 7,3 Prozent (siehe Grafik).

In den vergangenen knapp zehn Jahren hat sich der europäische Markt fast vervierfacht. Mit Abstand größter Anbieter ist Blackrock, gefolgt von Deutscher Bank, Lyxor, UBS, Amundi und Vanguard. Momentan stecken rund 785 Milliarden Euro in ETFs. Die Erfolgsgeschichte hat ihre Gründe: Anleger honorieren vor allem die geringen Gebühren, die jederzeitige Handelbarkeit an der Börse und die Ausweitung des Produktangebots auf immer mehr Indizes.

Unter diesen Voraussetzungen fällt der relative Rückschlag von Lyxor auf. Am Markt halten sich hartnäckig Spekulationen über einen möglichen Verkauf des Vermögensverwalters durch die Mutter Société Générale. Eine Lyxor-Vertreterin will das nicht kommentieren. Sie sagt allerdings: „Wir hatten größere Abflüsse in diesem Jahr, weil wir stark auf europäische Aktien-ETFs konzentriert sind, die weniger gefragt waren.“

Nach Angaben von Experten können Anbieter langfristig nur mit großen Kapitalbeständen überleben. „Der Gebührendruck in Europa nimmt noch zu, das heißt ein Anbieter braucht größere Fondsvolumina, will er profitabel sein“, sagt Sebastian Külps, Deutschlandchef des US-Anbieters Vanguard.

Die Gebühren sind in den vergangenen Jahren bereits stark gesunken. Neue Aktien-ETFs auf beliebte Indizes wie etwa einen S&P 500 werden von vielen Häusern für Jahresgebühren von unter 0,1 Prozent angeboten. Zum Vergleich: Bei den auf Privatanleger zielenden und aktiv verwalteten Aktienfonds, deren Manager den Index schlagen wollen, liegen die Vergleichssätze meist bei über einem Prozent.

„Lyxor hat noch eine Baustelle“

„Größe ist aus Anbietersicht alles“, sagt auch Ali Masarwah, Analyst bei der Fondsratingagentur Morningstar. Der Gebührendruck ist hart. Masarwah beschreibt das so: „Die Anbieter sind ja nicht die Caritas; die großen institutionellen Investoren drücken die Preise, der Kampf um den Kunden läuft über den Preis – das ist die pure Not.“

Der Morningstar-Mann erkennt zwei unterschiedliche Welten. „Öffentlich sprechen die Anbieter über freundliche Mitwettbewerber, aber hinter den Kulissen ist Hauen und Stechen“, sagt er. Angesichts des Konkurrenzkampfes glaubt der Experte: „Es ist wichtig, viel Geld einzusammeln, um die Konsolidierungsschlacht zu gewinnen.“

Ob Lyxor der nächste Verkaufskandidat ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Immerhin hat Lyxor noch eine Baustelle“, erinnert Masarwah. Erst im vergangenen Jahr übernahm der französische Anbieter das ETF-Geschäft der Commerzbank. Offensiver denkt Detlef Glow.

Für den Leiter des Europa-Researches beim Finanzdatenanbieter Refinitiv ist klar: „Wir sind in der Spätphase eines Börsenaufschwungs, da kann man noch gute Verkaufspreise erzielen.“ Es gebe sicherlich Interessenten, die noch auf dem europäischen ETF-Markt Fuß fassen wollten.

Ein Zukauf sei die einfachste Lösung. Grundsätzlich denkt auch Matthias Hübner so, Experte beim Beratungsunternehmen Oliver Wyman: „Manche Vermögensverwalter möchten sich bei Indexprodukten verstärken, aber mit rein organischem Wachstum ist das kaum zu schaffen.“

Grafik

Das Indexfondsgeschäft ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten in einem von Krisen geschüttelten Finanzsektor. Deswegen versuchen sich viele Asset-Manager hier zu etablieren – trotz geringer Margen. Vor zwei Jahren beispielsweise betraten Fidelity International und Franklin Templeton Investments den europäischen Markt.

Im vergangenen Jahr kam JP Morgan Asset Management dazu. Der Anbieter Invesco kaufte in der jüngeren Vergangenheit bereits mehrere Male auf dem Heimatmarkt USA ETF-Anbieter zu, schluckte außerdem vor zwei Jahren die britische Adresse Source.

Erst in der vorletzten Woche startete Goldman Sachs Asset Management mit dem ersten ETF in Europa. Es ist eigentlich der zweite Versuch, auf diesem Feld Fuß zu fassen. Die Bank Goldman Sachs war bereits eines von fünf Gründungsmitgliedern bei Source gewesen. Der Source-Topmanager Peter Thompson führt nun auch die europäischen ETF-Aktivitäten der Anlagesparte der großen US-Bank.

Goldman-Vertreter wollen sich nicht äußern, ob der Kauf von Lyxor eine Option zur Beschleunigung des eigenen Geschäfts wäre. Auch aus anderen Häusern gibt es keine Kommentare zu einem möglichen Deal. Weder Vertreter von Lyxor noch von anderen Mitspielern wie der Deutschen Bank oder Invesco wollen darüber reden.

Das französische Haus Amundi hat ebenfalls Ambitionen in dem Produktsegment und seinen Marktanteil bereits erhöht. Von dort heißt es: Man wolle wachsen, bevorzuge aber die organische Variante. Der weltgrößte Vermögensverwalter und ETF-Anbieter Blackrock kann nach Einschätzung von Experten auf Zukäufe verzichten. Das gilt ebenfalls für den global stärksten Blackrock-Rivalen Vanguard, der im Europageschäft aber erst spät startete.

Aussichten sind eher trüb

Experten erwarten eine Marktbereinigung. „Ich halte weitere Fusionen oder Aufkäufe für wahrscheinlich“, sagt Oliver-Wyman-Mann Hübner. Angetrieben würden die Transaktionen vom Gesamtmarktausblick. „Eine Verdopplung des europäischen ETF-Marktes in fünf Jahren auf 1,6 Billionen Euro ist möglich“, bemerkt Jan Altmann, Analyst bei der Onlineplattform Justetf.

Andere Optimisten sind etwas zurückhaltender: „Bisher haben die Börsen mit ihren Aufschwüngen kräftig mitgespielt, das wird eher schwächer“, vermutet Vanguard-Fachmann Külps.

Auch Glow erwartet eine Tempo-Beruhigung auf Fünfjahressicht. Seine Schätzung lautet auf 1,2 Billionen Euro. Aber auch das wäre noch beachtlich. „Der Markt wächst weiter wegen der steigenden Nachfrage von Privatanlegern“, glaubt Külps.

Experten wie Glow haben ebenfalls die wachsende Zahl von Produkten auf Indizes für spezielle Anlagestrategien und auf Anleihe-Messlatten auf der Rechnung. Dazu kommt der allgemeine Trend zum nachhaltigen Investieren. Glow sagt: „Das ist auch bei den ETFs ein ganz massiver Trend.“

Mehr: Morningstar-Analyst Colin Plunkett spricht im Handelsblatt-Interview über den börsennotierten Indexanbieter MSCI, seine Konkurrenten und Chancen für Neueinsteiger.

Startseite

Mehr zu: Fonds - Das sind die Gewinner und Verlierer bei Indexfonds

0 Kommentare zu "Fonds: Das sind die Gewinner und Verlierer bei Indexfonds"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote