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Fonds Manager von Mischfonds haben die Börsen falsch eingeschätzt

Die Bilanz der Börsenprofis fällt in diesem Jahr schwach aus. Nicht einmal drei Prozent der Fondsmanager liefern mehr Ertrag als der Vergleichsindex.
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Die Ergebnisse vieler Mischfonds fielen enttäuschend aus. Quelle: Bloomberg
Händler an der Börse New York

Die Ergebnisse vieler Mischfonds fielen enttäuschend aus.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtZahlen können erschrecken. So werden die Besitzer von Mischfonds zurückzucken, wenn sie einen Blick auf die aktuellen Erträge werfen. Im bisherigen Jahresverlauf lieferten die Produkte mit beweglicher Anlagepolitik laut Daten von Scope Analysis im Schnitt einen Verlust von 4,5 Prozent ab.

Ein Vergleichsindex für internationale Aktien und Anleihen, der hälftig aus dem MSCI World und dem FTSE World Government Bond besteht, kommt dagegen auf 3,7 Prozent Gewinn. „Ein eher enttäuschendes Ergebnis“, nennt das Said Yakhloufi, Leiter der Scope-Fondsanalyse.

Die schwache Bilanz anders beschrieben: Nur 22 der insgesamt 758 Produkte, die ihre Anteile an Anleihen und Aktien je nach Markteinschätzung deutlich anheben oder senken können, haben den Index seit Jahresbeginn überrundet. Das heißt: Nicht einmal drei von hundert Profis übertrafen die Messlatte.

Laut Scope haben Anleger hier 185 Milliarden Euro investiert. In einer sehr groben Schätzung lässt sich der Minderertrag der Anleger gegenüber dem Index ausloten. „Pi mal Daumen sind das rund 15 Milliarden Euro“, meint Yakhloufi.

Viele Fonds stehen sogar mit prozentual zweistelligen Verlusten da. Unter den bekannten Flaggschiffen sticht der „Patrimoine“ des französischen Verwalters Carmignac, dank 16 Milliarden Euro Kundenkapital der größte Fonds in dem Segment, mit einem Minus von rund neun Prozent heraus.

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Aber auch viele andere Manager kamen mit den turbulenten Finanzmärkten im Jahresverlauf und gerade im abschüssigen Börsenmonat Oktober nicht zurecht. Es fehlten ihnen die passenden Antworten auf die US-Zinsdiskussion, auf die Folgen des von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskriegs sowie die innereuropäischen Krisen, ausgelöst durch den Brexit und die Italienprobleme.

„So von oben betrachtet ist das Ergebnis ein Horror für die aktiven Manager“, meint Michael Bohn, Fondsanalyst beim Vermögensverwalter Greiff Capital. Er und andere Experten finden auch viele systematische Gründe für das schlechte Abschneiden gegenüber Indizes.

Indizes enthalten viele US-Werte – zu viele für Manager

Diese Indizes, zum Beispiel der „MSCI Welt“ für die Aktienmärkte, haben einen hohen Anteil an US-Aktien. Auch die als Vergleichsmesslatte dienenden Anleiheindizes sind US-fokussiert mit markanten Quoten an Dollar-Papieren. Viele Fondsmanager und insbesondere die europäischen wollen aber kein so extremes Amerikagewicht für ihre Kunden.

„Das war in diesem Jahr ein doppelter Nachteil, weil die Wall Street besser lief als die europäischen Märkte, der Dollar außerdem gegenüber dem Euro gewann“, sagt Michael Winker, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Feri. An den Bewertungen orientierte Manager sind ganz ähnlich in die Falle getappt: US-Aktien inklusive der Technologiewerte seien tiefer gewichtet gewesen, weil relativ teuer, die europäischen Werte höher, weil billiger. Aber gerade die Tech-Titel seien über lange Strecken gut gelaufen.

Winker findet weitere Gründe für das schlechte Abschneiden vieler Mischfondsmanager. Die Strategen hätten teilweise in Schwellenländer investiert, was wegen der Kurstalfahrten und mancher Währungsverluste ein Nachteil gewesen sei. Auch die lange exzellent gelaufenen Aktien kleiner Firmen seien mit den Stürzen ab Oktober zu einem Minusfaktor in den Depots mutiert. Sowohl Schwellenländer als auch Nebenwerte kommen in den breiten und als Messlatten dienenden Indizes nicht oder kaum vor.

Die Gesamtbilanz der Mischfonds fällt sogar noch schlechter aus als bisher dargestellt. Oft bieten Fondshäuser und Banken ihren Kunden vier Gruppen dieser Produkte zur Auswahl an. Neben der genannten sind das Mischfonds für eher konservative Anleger, andere mit einer grundsätzlich risikoreicheren Politik, damit insbesondere durchweg höheren Aktienbeständen, zuletzt die ausgewogene Variante, in der das Geld zu ungefähr gleichen Teilen auf die beiden wichtigen Wertpapiergruppen Anleihen und Aktien verteilt ist.

Anleger sollten auf die positiven Ausreißer achten

Welche Gruppe man auch nimmt: Die jeweiligen Durchschnittsergebnisse liegen in diesem Jahr zwischen sechs und acht Prozentpunkten unter dem jeweiligen Vergleichsindex. Das längerfristige Bild ist ebenfalls wenig ermutigend.

Anleger müssen bei diesen Ergebnissen nicht gleich laufen gehen. Ratingagenturen wie Scope durchforsten die Produktlisten nach Angeboten von überdurchschnittlichen Managern, die ihre Leistung über lange Zeit bewiesen haben. So gibt es in diesem Jahr in der beweglich anlegenden Mischfondsgruppe genau fünf positive Ausreißer mit größerem Fondskapital und Toprating. Einen Gewinn verbuchen unter den milliardenschweren Produkten mit Bestnote von Scope vor allem einige Angebote aus angelsächsischen Häusern.

Dazu gehören der „Prudent Wealth“ von MFS, der „Global Multi-Asset Income“ von Blackrock und der „GII MA Income“ von Fidelity International. Sie stehen mit rund drei bis sechs Prozent plus da. Von deutscher Seite schaffen es nur der „Gané Value Event“ von Acatis und der „Multiple Opportunities“ des bekannten Vermögensverwalters Bert Flossbach auf diese Positivliste.

Es gibt zwar keine Garantie für die Wiederholung guter Ergebnisse. Doch Yakhloufi glaubt: „Topratings geben zumindest eine Orientierung und sind ein guter Startpunkt bei der Suche nach einem passenden Produkt.“

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