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Fonds unter der Lupe Anleger ziehen Milliarden aus populärem „Carmignac Patrimoine“-Fonds ab

Die französischen Fondsmanager schätzten die Märkte falsch ein. Anleger wenden sich ab. Um aufzuholen, wetten die Profis auf fallende Anleihekurse.
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„Die starke Konjunktur in den USA war für uns überraschend.“ Quelle: Carmignac
Didier Saint-Georges

„Die starke Konjunktur in den USA war für uns überraschend.“

(Foto: Carmignac)

FrankfurtDidier Saint-Georges redet nicht um den heißen Brei herum. „Wir sind von unserer Performance enttäuscht, haben mehrere Fehler gemacht“, sagt der französische Manager. Er ist leitender Investmentstratege beim französischen Vermögensverwalter Carmignac. Das Haus ist auch in Deutschland wegen seines großen Mischfonds „Patrimoine“ sehr bekannt. Doch genau dieses Produkt schwächelt seit geraumer Zeit.

Die Ratingagentur Scope Analysis sieht den Fonds mit einem Jahresverlust von fast fünf Prozent bis Ende September im Konkurrenzvergleich weit abgeschlagen. Die Wettbewerber schafften im Durchschnitt wenigstens noch ein leichtes Plus von rund einem Prozent, einige Große erreichten drei bis fünf Prozent.

Im schlechten Börsenmonat Oktober brach der Anteilspreis des Carmignac-Fonds weitere fünf Prozent weg. Gegenüber den Vorjahren hat der Rückstand auf die Wettbewerber zugenommen. Mittlerweile muss sich der Fonds mit dem gewichtigen Namen, der übersetzt „Erbe“ bedeutet, mit einem Platz weit abgeschlagen hinter den meisten Konkurrenten begnügen.

Große Erfolge passé

Man mag fast von einem Leidensweg sprechen. Vor sechs Jahren hatte der „Patrimoine“ in der Spitze ein Vermögen von 28 Milliarden Euro. Heute ist er in der Gruppe der aktiv und flexibel gesteuerten Mischfonds immer noch das größte Produkt. Sein Volumen ist allerdings nach Verkäufen enttäuschter Anleger auf 17 Milliarden Euro abgeschmolzen. In sechs Jahren zogen die Anleger 10,6 Milliarden Euro ab, wie Carmignac berichtet.

Den einstigen Höhenflug und die Popularität hatte der Fonds seinen guten Ergebnissen in den schlechten Börsenjahren 2008 und 2011 zu verdanken. Das machte den „Patrimoine“ auch bei deutschen Anlegern zu einem begehrten Produkt. „Durch Absicherungen konnte der Fonds während der beiden schwierigen Phasen größere Verluste vermeiden“, beobachtet Nisha Long, Analystin beim Finanzdienstleister Citywire in London.

Deswegen ist die Wende zum Schlechteren besonders schmerzlich: „Was uns sorgt, ist gerade die Tatsache, dass der Fonds immer mit dem Ziel des Kapitalerhalts warb“, meint die Analystin.

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In der Tat sind die guten Anlageleistungen Geschichte. Carmignac-Mann Saint-Georges erklärt die jüngste Schieflage: „Unser wirtschaftlicher Grundausblick hat nicht gestimmt.“ Der Stratege spricht über die weltgrößte Volkswirtschaft und die Weltleitbörse Wall Street. „Die unglaublich starke Konjunktur in den USA war für uns ebenso überraschend wie der starke Dollar – wir hatten mit dem Gegenteil gerechnet“, sagt er.

Entsprechend war der Fonds ausgerichtet. Die Dollar-Positionen wurden abgesichert. „Das war im Nachhinein sinnlos und kostete nur Geld“, sagt Saint-Georges.

Belastend wirkten auch andere Engagements. „Wir waren zu stark in Schwellenländern und Rohstoffaktien engagiert“, erklärt der Mann aus Paris. Das habe den Fonds zusätzlich zurückgeworfen. Eine besondere Rolle spielten chinesische Technologietitel, die in diesem Jahr stark abgesackt sind.

Dort sieht er „aber nach wie vor große Chancen – wir haben im Sommer bei tieferen Kursen nachgekauft“, sagt Saint-Georges. Der chinesische Aktienmarkt ist von den zunehmenden Handelsspannungen mit den USA belastet. An einigen großen US-Aktien hält der Fonds auch fest. Dazu zählen die Tech-Werte Google und Facebook ebenso wie der Pharmariese Celgene.

Verluste auch mit Bonds

Auch Anleihepositionen sorgten zuletzt für unerfreuliche Ergebnisse. „Das war vor allem den Verlusten der Schwellenländerbonds zuzuschreiben“, erkennt Mara Dobrescu, Analystin bei der Fonds-Ratingagentur Morningstar. Der Fonds ist bei den Festverzinslichen klar auf weiter steigende US-Zinsen ausgerichtet.

„Wir haben Positionen aufgebaut, mit denen wir gewinnen, wenn die US-Anleihekurse fallen, sprich die Renditen weiter steigen“, sagt Saint-Georges. In den USA seien die Renditen für Staatsanleihen bereits angezogen, da die Inflation weiter steige und die Konjunktur bereits Gefahr laufe zu überhitzen.

Auch ein hoher Liquiditätsanteil scheint in abwärts driftenden Börsen die Fondsverluste kaum zu bremsen. Über ein Fünftel des Kapitals steckt in kurzfristigen Anlagen, die als Bargeldersatz dienen – eine ungewöhnlich hohe Quote für einen Mischfonds. „Daran sieht man: Wir finden wenig wirklich attraktive Aktien und Anleihen“, erklärt Saint-Georges.

Den Fondsanlegern bleibt nur die Hoffnung auf Besserung. Das Haus Carmignac hat beim „Patrimoine“ immerhin personell umgestellt: Bis vor Kurzem verantworteten Firmengründer Edouard Carmignac und Kollegin Rose Ouahba den Fonds. Seit September verstärkt David Older das Management und steuert den Aktienteil. Auf ihn setzen nun auch Analysten: „Der neue Manager kann dem schwächelnden Fonds vielleicht wieder Schwung verleihen“, meint Long von Citywire.

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