Fonds unter der Lupe Mit Tech-Aktien und Nebenwerten gegen die Konkurrenz

Der „Digital Funds Stars Europe“ spürt steigende Kurstrends auf. Viele seiner Gewinner findet der europäische Aktienfonds im Tech-Sektor.
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Solche elektronischen Teile stellt Siltronic her, eine Aktienposition im Fonds. Quelle: Corbis/Getty Images
Siliziumscheibe

Solche elektronischen Teile stellt Siltronic her, eine Aktienposition im Fonds.

(Foto: Corbis/Getty Images)

FrankfurtDer Computer ist die Lösung. Davon ist Julien Bernier überzeugt. Den Großteil der Arbeit macht die Maschine, sie wählt die Einzeltitel aus. „Doch der Mensch hat das letzte Wort, anders geht es auch nicht“, sagt er.

Bernier ist der Fondsmanager des „Digital Funds Stars Europe“. 558 Millionen Euro an Anlegergeld hat er inzwischen für den europäischen Aktienfonds angezogen. Das ist viel für eine kleine und unabhängige Gesellschaft wie die luxemburgische J. Chahine Capital, die insgesamt 1,2 Milliarden Euro betreut.

Relativ unbeobachtet hat sich der Fonds mit guten Erträgen von den meisten Konkurrenten abgesetzt. Im laufenden Jahr erreichte er einen Ertrag von 14,1 Prozent, liegt damit auf dem zwölften Rang unter allen 129 konkurrierenden europäischen Aktienfonds mit Fokus auf Nebenwerte (siehe Grafik).

Seit dem Start vor zwei Jahrzehnten machte er im Schnitt jedes Jahr knapp zehn Prozent Gewinn. Die Gesellschaft gibt es seit fast 30 Jahren. „Am Anfang waren wir ein reiner Lieferant von Finanzdaten. Dann wollten wir zeigen, dass wir auch Fonds steuern können – und dafür sind Daten wichtiger als ein Manager“, blickt Bernier zurück.

Bernier hat den Computer so programmiert, dass der Aktien sucht, bei denen vor allem die Kurse oder die Firmengewinne stark steigen. „Wenn ein Titel für Anleger sexy ist und die Kurse steigen, dann sind wir dabei“, sagt der 42-Jährige. Der Ansatz klinge sehr einfach, doch ein paar Feinheiten seien natürlich dabei. Mitte und Ende des Monats werde der Fonds nach Analyse des Computers in seiner Zusammensetzung angepasst.

Nebenwerte machen mehr als die Hälfte des Depots aus. Das erklärt einen Teil der guten Wertentwicklung, denn Aktien kleinerer Firmen liefen in den vergangenen Jahren besonders gut. Einen weiteren Grund kennt Barbara Claus, Analystin bei der Fondsratingagentur Morningstar: „Die Neigung zu Wachstumsaktien half in den vergangenen Jahren den Erträgen, ebenso die Ausrichtung auf Technologietitel.“

Inzwischen sind Bernier und sein Computer zurückhaltender unterwegs. „In diesem Jahr haben wir uns teilweise von konjunktursensiblen Aktien verabschiedet. Bei der letzten Anpassung sind wir aus der Branchenbrille stärker in Richtung Gesundheit und Software gegangen“, sagt er. Die defensivere Ausrichtung erkläre auch, wieso sich der Fonds in den vergangenen Tagen trotz der Börsenturbulenzen besser halten konnte als die Konkurrenz.

Hier hilft schlichtweg Zurückhaltung in einzelnen Branchen. Der Fonds besitzt nur wenige Finanzwerte. Das kommt Bernier aktuell zugute, schließlich werden Banktitel durch die Währungskrise in der Türkei besonders belastet. „Der europäische Finanzsektor ist am stärksten vom Absturz der türkischen Lira betroffen, deshalb ist unser Fonds relativ stabil“, erklärt Chahine-Fondsstratege Aymar de Léotoing.

Insgesamt stecken mehr als 100 Aktien im Depot. „Das ist breit gestreut, deshalb sollten die Einzeltitelrisiken begrenzt sein“, meint Analystin Claus.

Siltronic als Renditetreiber

Als automatischer Geldvermehrer kann allerdings auch dieser Fonds nicht dienen. „In manchen Jahren weichen die Erträge stark von denen der Märkte ab“, sagt Claus. Bernier erinnert sich an heikle Phasen wie das Jahr 2009: „Das war sehr schwierig für uns, weil sich die Aktien nach dem Börsencrashjahr sehr abrupt erholten.“ Wenn Trends schnell wechseln würden, brauche das eigene Programm immer noch zwei bis drei Monate, um eine neue Richtung zu erkennen und das Depot entsprechend anzupassen.

Momentan bleibt der Fonds seinen stärker berücksichtigten Sektoren Informationstechnologie und Industrie treu. Fast die Hälfte aller Aktien kommt aus diesen Bereichen. Eine größere Position ist die deutsche Siltronic. Der Kurs des Herstellers spezieller Siliziumscheiben für die Elektronikbranche hat sich in den vergangen Jahren vervielfacht.

Außerdem auf der Liste steht Ambu, ein dänischer Produzent von Lebensrettungsausrüstung, dessen Aktienkurs sich in diesem Jahr mehr als verdoppelte. Ein Fünftel des Kapitals steckt in britischen Aktien, etwa in denen des Getränkeherstellers Fever Tree Drinks. „Diese Titel muss man genau beobachten, wegen der laufenden Brexit-Verhandlungen“, meint Nisha Long, Fondsspezialistin beim britischen Finanzdienstleister Citywire.

Der Fonds ist allerdings kein Themenprodukt für Werte mit Digitalisierungspotenzial, wie es der Name suggeriert. „Der Begriff ‚digital‘ stand bei Gründung des Fonds für Daten, er meinte also damals etwas anderes als heute“, erklärt Bernier.

Auch früher kannten Computer nur die zwei Zahlen 0 und 1. Die Zwei hat für den Strategen vor allem einen sehr privaten Bezug. Bernier ist Vater von vier Kindern, genauer gesagt von zwei Zwillingspaaren: „Als meine Frau und ich vom zweiten Paar erfuhren, war das eine echte Überraschung.“

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