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Fonds unter der Lupe Wie der Mischfonds Ethna nach der Talfahrt einen Kurswechsel vollziehen will

Anleger haben aus dem Mischfonds „Ethna-Aktiv“ viele Milliarden Euro abgezogen. Eine neue Strategie soll den Fonds wieder aus dem Tief hieven.
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Der Vermögensverwalter verzichtet jetzt auf Einzelaktien im Fonds. Quelle: Judith Wagner für Handelsblatt
Luca Pesarini

Der Vermögensverwalter verzichtet jetzt auf Einzelaktien im Fonds.

(Foto: Judith Wagner für Handelsblatt)

FrankfurtDer Mann beschönigt nichts. „Ich bin mit dem vergangenen Jahr nicht zufrieden, das ist klar“, sagt Luca Pesarini. Der Chef des Vermögensverwalters Ethenea Independent Investors spricht über sein 4,2 Milliarden Euro großes Flaggschiff, den Mischfonds „Ethna-Aktiv“. Und er relativiert sein Eingeständnis nicht: „Der Verlust ist bedauerlich.

Es war das schlechteste Jahr unserer Firmengeschichte.“ Über die vergangenen zwölf Monate errechnet Scope Analysis einen Verlust von sechs Prozent. Damit liegt der „Ethna-Aktiv“ unter allen konservativ anlegenden Mischfonds, die auf verschiedene Wertpapiere setzen, auf einem der letzten Plätze.

Pesarinis Schwächephase trifft viele Anleger, besonders aus Deutschland. Sie lernten den gebürtigen Italiener schätzen, als er als einer der wenigen Manager mit nur leichtem Verlust durch die Finanzkrise kam. Damals floss viel neues Kapital in den Fonds, sein Ruf als eigenwilliger Geldmehrer formte sich. Rund die Hälfte des Fondsvermögens gehört deutschen Anlegern.

Mit der Performance läuft es aber für den Fondsmanager, der vor massiven strategischen Umbauten nicht zurückschreckt, schon länger schlecht.

Deshalb zogen Anleger viele Milliarden Euro ab: Vor knapp sieben Jahren war der Fonds drei Mal so schwer wie heute. Barbara Claus, Analystin beim Fondsratinghaus Morningstar, rät Anlegern denn auch, „nicht darauf zu spekulieren, dass die Wertentwicklung besser wird, sondern zu verkaufen und stattdessen auf Fonds mit gutem Rating zu setzen“.

Harald Braml sieht das ähnlich. „Im Februar haben wir den Fonds von ‚halten‘ auf ‚verkaufen‘ abgestuft“, sagt der Analyst von Fonds Consult – und nennt dafür mehrere Gründe. Entscheidend seien Wechsel auch hochrangiger Experten in seinem Team gewesen. Braml fehlt zudem Konstanz in der Fondsstrategie. Mitunter habe der Fonds in Anlagen investiert, die Fonds Consult kritisch sehe, etwa Beteiligungsfirmen und spezielle Fonds.

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„Der ‚Ethna-Aktiv‘ ist für eine langfristige und konservative Vermögensanlage gedacht“, sagt er. „Wenn man die Ergebnisse der letzten drei Jahre anschaut, kann man das Produkt keinem empfehlen.“ Pesarini will jetzt mit einer radikalen Wende das tiefe Tal verlassen. „Wir haben personelle Konsequenzen gezogen, aber auch den Ansatz verändert“, sagt der 57-Jährige.

So habe sich im vergangenen Jahr der Kauf von Einzelaktien nicht bewährt, erklärt Pesarini. Wenn sich Werte wie Kraft Heinz oder Anheuser Busch halbierten, sei es ein Problem, das den Kunden zu erklären. Pesarini resümiert: „Wir wollen künftig Einzelwertverluste bei Aktien ausschließen, deshalb kaufen wir keine Aktien mehr.“ Auch Themenfonds besitze der Fonds nicht mehr.

Dies soll helfen, „die Fehler der letzten Jahre zu vermeiden.“ Von Einzelaktien schwenkt der Manager auf Derivate wie Futures auf Länderindizes um. So setzt er nun seine Meinungen etwa zum S&P 500, zum Nasdaq oder Dax um. Pesarini will damit vermutete Trends an wichtigen Aktienmärkten in den Vordergrund rücken. „Der Schwerpunkt liegt klar auf USA und Europa“, sagt er.

Insgesamt steckt allerdings nur ein kleiner Teil des Fondsvermögens in solchen Kontrakten. Denn jeweils sechs Prozent des Kapitals binden Anteile an einer Beteiligungsfirma der Kaffeedynastie Reimann sowie Gold. Rund vier Fünftel des Fondskapitals entfallen auf Anleihen, entsprechend der generell konservativen Ausrichtung des Fonds.

Wette auf den US-Dollar

Auf der Bondseite kämpft Pesarini wie alle Investoren mit der Niedrigzinswelt. „In Europa werden die Zinsen sehr lange sehr tief bleiben“, meint er. Etwa ein Fünftel der Gelder sind in US-Dollar-Anlagen investiert. Ein Großteil davon entfällt auf US-Firmenanleihen mit Renditen zwischen zweieinhalb und viereinhalb Prozent, wie er sagt.

Zu den Emittenten gehören Merck, Amazon, Cisco Systems, American Express und McDonald’s. Pesarini setzt außerdem auf eine Aufwertung des Dollars gegenüber dem Euro Richtung 1,05 je Euro: „Das würde uns weitere Währungsgewinne liefern.“

Der Fondsmanager hat nach den herben Rückschlägen vor allem einen Wunsch: „Unsere Zielrendite von vier bis sechs Prozent im Jahr wollen wir 2019 wieder erreichen.“ Gewisse Hoffnung hat auch Nisha Long, Researchleiterin beim britischen Finanzdienstleister Citywire. „Pesarini hat keine Angst davor, mit mutigen Entscheidungen die Performance zu drehen“, sagt sie.

So habe er vor sieben Jahren größere Verluste an den Börsen mit hohen Barbeständen im Fonds gut abgefedert. Aus dem gleichen Grund sei die defensive Anlage im laufenden Jahr vielleicht ein Vorteil, „denn die starken Kursschwankungen an den Märkten sind noch nicht vorbei“.

Pesarini ist außerdem Unternehmer. Über seine Haron Holding hält er Beteiligungen an mehreren Firmen, unter anderem 95 Prozent an Ethenea. Beim Fondshaus Mainfirst Asset Management sitzt er als Mehrheitseigner im Verwaltungsrat. Die Bank der Main-First-Gruppe wird gerade an die Investmentbank Stifel verkauft, man warte nur noch auf die Genehmigungen, sagt Pesarini. Den Kauf eines weiteren Fondshauses kann er sich vorstellen.

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