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Fonds unter der Lupe Wie Stewart Investors mit gleich zwei Fonds den schwachen Asienbörsen trotzt

Das Investmenthaus erlöst mit den „Asia Pacific“-Geschwisterfonds hohe Erträge. Die Strategen setzen auf Nachhaltigkeit und Familienunternehmen.
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„Asian Pacific Leaders“ ist der größte Aktienfonds für Asienbörsen des Fondshauses Stewart Investors. Quelle: Reuters
Börse in Mumbai

„Asian Pacific Leaders“ ist der größte Aktienfonds für Asienbörsen des Fondshauses Stewart Investors.

(Foto: Reuters)

FrankfurtAnleger an den asiatischen Aktienmärkten sollten stressresistent sein. Kaum ein Investor überstand die Turbulenzen des vergangenen Jahres ohne Verluste. Eine Ausnahme macht Stewart Investors. Der Vermögensverwalter schaffte es sogar in die Gewinnzone, und das gleich doppelt. Zum einen mit dem größten Aktienfonds für Asienbörsen, dem fast neun Milliarden Euro schweren „Asia Pacific Leaders“.

Außerdem mit dessen kleinem Bruder „Asia Pacific Sustainability“, der knapp eine Milliarde Euro verwaltet und auch stärker in Aktien kleinerer Firmen investiert. Davon abgesehen sind die Portfolios ähnlich zusammengesetzt.

Während der vergangenen zwölf Monate schaffte der größte Fonds 3,2 Prozent Ertrag, während die Konkurrenten im Schnitt 7,5 Prozent verloren. Unter allen Aktienfonds für Asien ohne Japan bedeutete das den zweiten Platz. Der kleinere Ableger brachte es sogar auf 5,8 Prozent und führt damit die Hitliste an. Auch über längere Zeit liegen die Depots auf vorderen Plätzen.

„In turbulenten Märkten sehen wir immer ganz gut aus, in Boomphasen der Märkte schlechter“, sagt Chris McGoldrick, Analyst des Fondshauses in London. Unabhängige Beobachter urteilen ähnlich. Eine „exzellente Performance auf lange Sicht“ attestiert Nisha Long. Laut der Researchleiterin beim Finanzdienstleister Citywire in London klappt das nicht immer: „Vor zwei Jahren liefen Tech-Aktien gut, die Fonds hatten davon jedoch nur wenige.“

Das grundsätzlich positive Urteil teilt Andrew Daniels, Experte bei der unabhängigen Ratingagentur Morningstar in Hongkong: „Die Anteilspreise beider Produkte schwanken so wenig wie bei kaum einem anderen Fonds aus der Anlagegruppe.“

Stewart Investors verwaltet rund 30 Milliarden Euro und gehört zu First State Investments, einem Vermögensverwalter mit australischen Wurzeln. Die Manager David Gait und Sashi Reddy setzen die Akzente anders als viele Wettbewerber.

Sie verbinden die Themen nachhaltiges Investieren und Familieneigentum. „Wir kaufen fast nur Aktien von Familienbetrieben, denn die werden professionell und mit langfristigem Blick gemanagt“, sagt McGoldrick. Dafür komme man mit weniger als 50 Aktien im Fonds aus. Käufe und Verkäufe gebe es relativ selten.

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Man prüfe bei den Unternehmen die Entscheider, die Finanzen, das Geschäftsmodell und dessen Nachhaltigkeit. „Das verlangt viel Ressourcen, denn das ist kein simpler Ankreuztest, wo man ein Häkchen im Feld ‚grün‘ oder ‚nicht grün‘ macht“, erklärt der Analyst. Manchmal stelle sich ein Unternehmen als nachhaltig dar, was dann einer Prüfung aber nicht standhalte. Einige Anleger hätten auch heute noch falsche Vorstellungen von dem Ansatz: „Die glauben, das koste Ertrag. Aber das ist ein Irrtum.“

Ein nachhaltiger Ansatz bedeutet, dass die Analysten ökologische Fragen, soziale Verantwortung und die Firmenführung besonders unter die Lupe nehmen. „Wir reden intensiv mit den Unternehmen, sogar dann, wenn sie familiengeführt sind“, sagt McGoldrick. Er nennt als Beispiel eine Gesellschaft, bei der sich Stewart Investors dafür einsetzt, Frauen in das Topmanagement einzugliedern. Dieses Unternehmen wolle man auch dazu bewegen, sich aus dem Geschäft mit Kohlekraftwerken zurückzuziehen.

Das Fondshaus hat sich bei vielen Gesellschaften eingeschaltet. Beim australischen Pharmaunternehmen CSL ging es um Vergütungsfragen. Der Getränkehersteller Vitasoy aus Hongkong war mit seinem Produktangebot ein Thema. Die philippinische Holding Ayala stand wegen ihres Engagements in fossiler Energie auf der Beobachtungsliste. Die OCBC Bank in Singapur bot Gesprächsstoff wegen Nachhaltigkeitskriterien in der Kreditvergabe.

Kaum Bestände in China

Gute Gewinne in den Fonds brachten Investments wie Taiwan Semiconductor, die australische CSL sowie in Indien Tata Consultancy Services und die Kotak Mahindra Bank. Rund ein Drittel der Fondsgelder steckt in Indien. Wenn dieses Land als Anlagemarkt populär ist, dann hilft das laut McGoldrick auch den Fonds.

„Aber uns interessieren nur gute Unternehmen, nicht ganze Märkte“, sagt der Analyst. Kein Interesse habe man auch an wechselnden Modethemen: „Vor einigen Jahren wurden wir kritisiert, weil wir den Hype mit chinesischen Internetaktien nicht mitgemacht haben.“

Die Manager meiden chinesische Firmen, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Das ist ebenso ungewöhnlich wie das hohe Engagement in Indien. Morningstar-Mann Daniels kennt die Gründe: „Die Manager stellen die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle und die Integrität vieler Firmenführungen infrage, auch bei Konzernen wie Alibaba und Tencent.“

Künftig werden die beiden Fonds mit ihren geringen Chinagewichten noch stärker von ihren Konkurrenten abweichen, da der wichtige Indexanbieter MSCI die Anteile der in Shenzhen und Schanghai notierten Festlandsaktien in wichtigen Messlatten erhöht hat.

Trotz guter Ergebnisse läuft nicht immer alles glatt bei Stewart Investors. McGoldrick gibt sich selbstkritisch. „Wir beschäftigen uns viel mit unseren falschen Entscheidungen, die eben auch vorkommen“, räumt er ein. Als Verlustbringer in den vergangenen Jahren entpuppten sich beispielsweise das Handelshaus Li & Fung in Hongkong, der indische Mobilfunkbetreiber Vodafone Idea oder die im Energiesektor aktive Ezion Holdings aus Singapur. McGoldrick warnt: „Man darf sich nie in die gekauften Aktien und die Firmen verlieben.“

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