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Fondsbilanz Gutes Halbjahr für Fondsanleger – Hoffnung für die Gold-Produkte

Fondsanleger können sich im ersten Halbjahr über Gewinne freuen. Aktienprodukte glänzen, die Manager für Edelmetallwerte proben ein Comeback.
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Vom flüssigen Metall zum Barren. Quelle: Bloomberg
Goldmine in Südafrika

Vom flüssigen Metall zum Barren.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Die hervorragenden Kapitalmarktentwicklungen der vergangenen Monate scheinen alle Krisenängste zu widerlegen. Dementsprechend fällt die Abrechnung der Fondsanleger aus. „Die Ergebnisse sind fast durchweg gut“, registriert André Härtel. Der Fondsanalyst bei der Ratingagentur Scope Investors errechnete für das Handelsblatt: In den ersten sechs Monaten erreichten fast alle Aktienfonds zweistellige prozentuale Erträge.

Angeführt wird die Hitliste vom Anlageschwerpunkt Technologie mit knapp 24 Prozent Durchschnittsertrag (siehe Grafik). Den größten Sprung nach vorn machten jedoch die Produkte für Edelmetallaktien. Der Goldpreisanstieg verhalf diesen Produkten zu einer guten Performance. In der Fondsbilanz für das erste Halbjahr bedeuten über 21 Prozent Gewinn Rang zwei.

Vorerst sind die guten Daten allerdings nur ein Trostpflaster für die Besitzer der Anteilsscheine. Denn die Auswertung zeigt auch die längerfristigen Erträge über fünf Jahre. Da sehen die Fonds für Edelmetallwerte mit nur zwei Prozent jährlichem Gewinn im Vergleich zu den anderen Anlagegruppen schlecht aus.

„Trotz Geldschwemme der Notenbanken und sorgenvoller Stimmung unter den Investoren“, merkt Härtel an. „Beide Faktoren kurbeln üblicherweise die Nachfrage nach einem ‚sicheren Hafen‘ wie Gold an.“ Tatsächlich hatte der Goldpreis sein Hoch vor rund acht Jahren bei über 1.900 Dollar je Feinunze. Davon ist er auch nach seinem Anstieg von über 100 Dollar in den letzten zwei Monaten weit entfernt. Das gilt noch stärker für die Minenaktien, die zu einem Drittel der damaligen Höchstpreise zu haben sind.

Wegen der schlechten Performance führen die Fonds für Edelmetallaktien ein Nischendasein. In den vergangenen Jahren wurden praktisch keine neuen Produkte mit Fokus auf die Förderer von Gold, Silber, Platin und Palladium aufgelegt. Scope zählt weniger als drei Dutzend Fonds mit insgesamt nicht einmal zehn Milliarden Euro Kapital.

Die Analysefirma gibt hier nur drei Fonds eine Bestnote beim Rating. Es sind durchweg kleine Produkte: der „Stabilitas Pacific Gold & Metals“, der „Baker‧steel Global Precious Metals“ sowie der sehr kleine „Stabilitas Gold & Resourcen“. Die drei Fonds erreichten im ersten Halbjahr Erträge zwischen 17 und 27 Prozent.

Ende einer sechsjährigen Lethargie

Der jüngste Goldpreisanstieg nach vielen Jahren der Lethargie hat mehrere Gründe. „Der Sprung über 1.360 Dollar je Unze war ein klares Kaufsignal“, sagt Martin Siegel, Fondsmanager und Chef des Anbieters Stabilitas. John Hathaway, Analyst beim US-Vermögensverwalter Tocqueville, meint sogar: „Dieser Sprung hat viele Anleger kalt erwischt, sie hatten das nicht erwartet.“ Der Amerikaner betreut seit Jahrzehnten Goldminenfonds.

Für Brancheninsider ist der jüngste Preisanstieg wichtig, weil er in ihrer Deutung eine sechsjährige Preisbewegung in einem engen Band beendete. Hathaway zufolge ist der Ausbruch „eine ganz große Sache, der Markt hat gesprochen“.

Das wichtigste Argument für die Wiederbelebung des Goldmarktes meint jedoch Mark Burridge zu kennen, der in London für den Verwalter Baker Steel einen Goldminenfonds steuert. Er pocht auf die Wende der Notenbankpolitiken vor einem Monat. Sowohl Mario Draghi als Chef der EZB als auch Jerome Powell für die US-Notenbank hatten anhaltende Tiefzinsen signalisiert

„Das ist der Hauptmotor für einen steigenden Goldpreis“, sagt Burridge. Schon heute rentierten weltweit Anleihen im Volumen von über 17 Billionen Dollar negativ. Tiefere Zinsen verschärften das Problem. Gold werde also im Vergleich zu Anleihen immer attraktiver.

Grafik

Die Konkurrenzlage zwischen Aktienmärkten und Gold sehen die Experten jedoch unterschiedlich. Siegel ist kurzfristig skeptisch für das Metall, weil die tiefen Zinsen wieder mehr Anleger in die breiten Aktienmärkte locken könnten – die dann als Käufer für Gold erst einmal ausfielen. Burridge macht eine andere Rechnung auf. Nach zehn Jahren Aufschwung der breiten Aktienmärkte seien die Minen noch am Anfang einer Erholung.

Auch Geldmanager von Mischfonds setzen auf Gold. Der Vermögenverwalter Bert Flossbach hält im großen Fonds „Multiple Opportunities“ mehr als ein Zehntel des Kapitals in dem Edelmetall. Die Strategen der Anlagegesellschaft Ethenea Independent Investors meldeten sich am Montag zu Wort. Dass Anleger weiter fallende Realzinsen erwarteten, sei „ein starkes Plädoyer für Gold“, meint Michael Blümke, Manager des Fonds „Ethna-Aktiv“.

Am weitesten aus dem Fenster lehnt sich Jens Ehrhardt vom Vermögensverwalter DJE Kapital. Als direkte Reaktion auf die geldpolitische Wende hatte er dem Handelsblatt gesagt: „Wir könnten neue Höchststände sehen, 2.000 Dollar für die Feinunze wären realistisch und angemessen.“

Minenaktien noch weit von früheren Höchstständen entfernt

Die Mischfondsmanager investieren häufig in das physische Metall. Strategen wie Siegel, Hathaway oder Burridge dagegen kaufen Aktien von Minen. Deren Kurse sind noch weit von früheren Höchstständen entfernen. Sie schwanken auch viel stärker als der Goldpreis. Der Grund: Minen haben Produktionskosten, sodass ein Anstieg des Metallpreises überproportional auf die Unternehmenserträge durchschlägt. „Die durchschnittlichen Produktionskosten liegen zwischen 1.100 und 1.200 Dollar je Feinunze.

Demnach erzielen die Minen beim Goldpreis von über 1.400 Dollar gesunde Margen“, heißt es von Blackrock. Der weltgrößte Vermögensverwalter betreut mit dem „World Gold“ den größten Minenfonds, bekommt von Scope aber nur ein Durchschnittsrating.
Die Manager der kleinen Fonds für Edelmetallaktien investieren ganz unterschiedlich. Bakersteel konzentriert sich stärker auf Amerika und Afrika. Im Fonds sind die Minen Harmony Gold, Pan American Silver, Santa Barbara Mines und Newmont Mining große Positionen.

Siegel von Stabilitas legt im „Pacific Gold & Metals“ den Schwerpunkt auf Australien und Kanada. Größte Position ist jedoch die südafrikanische Impala Platinum, die auch vom steigenden Palladiumpreis profitierte. Bei der australischen Goldmine Evolution Mining gefallen Siegel das Wachstum, die Dividende und das gute Management. Hathaway hat in seinen Fonds „Tocqueville Gold“ und „Falcon Gold Equity“ etwa zwei Drittel des Geldes in Kanada investiert. Darunter sind Namen wie Agnico Eagle Mines, Detour Gold und Pan American Silver.

Hathaway träumt vom ganz großen Aufschwung. Er erinnert an das Jahr 1999, als Gold 250 Dollar kostete. Dann folgten der Crash der Internetaktien und die Finanzkrise. „Die Welt heute hat Parallelen zu der von 1999“, glaubt er und erwartet eine Renaissance des Goldes. Der Tocqueville-Mann pocht auf die Folgen der Tiefzinswelt, eines „radikalen geldpolitischen Experiments“. Er ist überzeugt: „Wir sehen echtes Potenzial auf einen ganz großen Anstieg des Goldpreises und der Minenkurse.“

Mehr: Aktive oder passive Fonds? Lesen Sie hier, wie der langfristige Vermögensaufbau funktioniert.

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