Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Geldanlage Aktive oder passive Fonds? So funktioniert der langfristige Vermögensaufbau

Wer mit Fonds sein Geld anlegen will, muss sich entscheiden: Manager aktiver Produkte suchen eine höhere Rendite, passive Fonds sind dafür billiger.
Kommentieren
Experten raten, dass Anleger ihr Geld rund um den Globus verteilen sollten. Quelle: Getty Images
Globales Investment

Experten raten, dass Anleger ihr Geld rund um den Globus verteilen sollten.

(Foto: Getty Images)

FrankfurtDie Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die meisten Aktienfondsmanager in Europa haben in den vergangenen zehn Jahren weniger Rendite erzielt als ihre Börsen-Vergleichsindizes. Bei italienischen Aktien waren es gut 65 Prozent, bei deutschen Dividendentiteln gut 82 Prozent – und bei europäischen Aktien 87 Prozent. Depots für Schwellenländertitel und globale Aktien erreichten sogar die frappierende Misserfolgsquote von 98 Prozent. Diese Daten mit Berechnungsbasis Ultimo 2018 veröffentlichte der Indexanbieter S&P Dow Jones Indices.

Solche Fakten geben Anlegern einen ersten Hinweis für die Produktauswahl. Grundsätzlich sind Fonds wegen der Streuung des Anlagekapitals auf viele Einzeltitel eine gute Wahl für den langfristigen Vermögensaufbau. Man kann regelmäßig auch mit kleinen Summen ansparen. Dabei muss sich der Anleger für die Anlageregion entscheiden, etwa Europa oder global. Er wird sich auch für Aktien oder für eine Kombination von Vermögensformen in Mischfonds entscheiden.

Eine grundlegende Wahl ist jedoch die für oder gegen einen aktiven Manager. Aktive Manager wollen mehr Ertrag als ihr Vergleichsindex erzielen, scheitern aber oft an diesem Ziel. Das belegen die Zahlen von S&P eindrucksvoll.

Wenn Anleger dennoch einen solchen Manager wählen, sollten sie von seiner Qualität überzeugt sein. Die Alternative sind Indexfonds. Sie benötigen kein Research und keine Manager, werden daher auch preiswert angeboten. Dieser Kostenvorteil verschafft ihnen einen strukturellen Vorsprung im Ertragskampf mit den aktiven Managern.

„Die Entscheidung, ob aktive Fonds oder Indexprodukte ins Depot kommen, ist eine Frage der Anlagephilosophie“, sagt Barbara Claus, Analystin beim Fondsratinghaus Morningstar. Vor Kosten würden viele aktive Manager ihrem Anspruch sogar gerecht werden. Sie lieferten tatsächlich mehr Ertrag als der Gesamtmarkt. Doch die laufenden Kosten beispielsweise bei Aktienfonds von jährlich rund 1,5 Prozent des angelegten Kapitals nagten an der Rendite. „Und das summiert sich langfristig, ähnlich dem Zinseszinseffekt bei der Rendite“, meint Claus.

So schnitten laut S&P aktive Fonds mit europäischen Aktien in den vergangenen zehn Jahren um knapp zehn Prozent schlechter ab als ihr Vergleichsindex. Während die Fonds knapp acht Prozent Rendite jährlich erreichten, legte der S&P-Europe-350-Index um 8,8 Prozent zu. Noch deutlicher klafft die Lücke bei Fonds mit Schwellenländerpapieren und mit globalen Aktien.

Grafik

Dort blieben die Fondsmanager in dem Zeitraum um gut ein Viertel und ein knappes Drittel zurück. Bei weltweiten Aktien war der Renditenachteil mit jährlich 8,5 Prozent zu knapp 13 Prozent im S&P-Global-1200-Index extrem.

Nicht eingerechnet wurden in die Studie einmalige Aufwendungen für den Kauf von Fonds, die das Verhältnis weiter zuungunsten der aktiven Fonds verschieben. Denn für den Kauf etwa von Aktienfonds kassiert der Vertrieb oft Gebühren bis zu fünf Prozent der angelegten Summe. Der Zusatzbelastung können Anleger allerdings meist entgehen, wenn sie Direktbanken, Broker oder Vermittler wie Fondsplattformen nutzen.

Der langfristige Sparer kann sich über Fonds unkompliziert anteilig an vielen Firmen beteiligen und damit von der Entwicklung des Produktivkapitals von Volkswirtschaften profitieren. Morningstar-Analystin Claus rät zu einem Sparhorizont von mindestens zehn Jahren. Gerade in der Phase rekordtiefer Anleihezinsen empfiehlt sich eine Anlage in Dividendentiteln. Denn sie bringen über die Ausschüttungen noch laufende Erträge, bieten als Sachwerte im Gegensatz zu Anleihen Schutz gegen Inflation und Aussichten auf Wertsteigerung.

Aktien gehören langfristig zu den Anlageklassen mit den höchsten Ertragschancen. Allerdings schwanken ihre Kurse mitunter heftig im Wert, wie das Börsenjahr 2018 zeigte, als der deutsche Leitindex Dax 18 Prozent verlor. In den vergangenen 50 Jahren gab es allerdings keinen Elf-Jahres-Zeitraum mit negativer Rendite, wie das Deutsche Aktieninstitut errechnete. Im Durchschnitt haben breite Aktienindizes wie der MSCI World bei Wiederanlage der Dividenden eine jährliche Rendite von gut sieben Prozent erreicht. „Mit einem langen Zeithorizont können Anlegern also Schwächephasen an der Börse egal sein“, sagt Claus von Morning‧star.

Wichtig beim Ansparen ist ein umfassendes Investment. „Anleger sollten ihr Risiko immer möglichst breit streuen, indem sie Fonds wählen, die Titel aus möglichst vielen unterschiedlichen Branchen und Ländern enthalten“, erklärt auch Stefan Schießer, Honorar-Anlageberater bei GSAM + Spee in Frankfurt.

Denn geht es etwa der Chemiebranche einmal schlecht oder läuft es in den USA wirtschaftlich nicht so gut, können die Verluste durch Gewinne in anderen Branchen und Ländern ausgeglichen werden. Claus von Morningstar rät daher, den Börsenindex MSCI All Countries mit über 2.400 Aktien als Maßstab zu nehmen.

ETFs sind besonders beliebt

Die Messlatte enthält neben rund 55 Prozent USA, 25 Prozent Europa und sieben Prozent Japan gut ein Zehntel Schwellenländer. Sie gilt als modernisierte Form des bekannteren weltweiten MSCI World. Der ist noch stärker in den USA investiert, aber nicht in Schwellenländer. Ein gut aufgebautes Aktiendepot sollte laut Claus ein „Spiegel der globalen Wirtschaft“ sein.

Eine Kernfrage für Anleger bleibt also die nach dem Managementansatz: aktiv oder passiv? Im einfachsten Fall wird der passive Indexfonds auch an der Börse gehandelt. Die Kosten dieser „Exchange Traded Funds“ sind bei gängigen Indizes sehr gering. Die Jahresgebühren solcher ETFs, etwa auf einen Euro Stoxx 50, betragen oft nur höchstens ein Viertel der Aufwendungen für aktive Fonds. Manche sind schon für weniger als 0,1 Prozent jährlich zu haben. Zumindest das spricht klar für die Indexprodukte.

Der Gebührenvorteil ist neben der jederzeitigen Handelsmöglichkeit zum fairen Wert an der Börse der Grund für den rasanten Absatz. Die Direktbanken berichten über wachsende Anteile in ihrem Sparplangeschäft mit Fonds. Größte Anbieter sind Blackrock unter dem ETF-Markennamen iShares, die Deutsche Bank sowie der französische Verwalter Lyxor.

Der Käufer eines ETFs bekommt fast exakt den Indexertrag. Er nimmt also die Schwankungen des Gesamtmarkts mit. Das gilt sowohl auf dem Weg nach oben als auch auch dem Weg nach unten. Es gibt allerdings abweichende ETF-Varianten. Manche folgen bestimmten Strategien und machen damit einen Schritt Richtung aktiv gesteuerter Fonds. Doch diese Strategien werden auf Indexbasis umgesetzt und regelmäßig angepasst.

Ein Beispiel: Ein ETF sucht weltweit die interessantesten Aktien mit attraktiver Dividende und bündelt die Titel in einem Index. Dieser Aktienkorb wird beispielsweise alle drei Monate nach den gleichen Auswahlkriterien neu sortiert. Die meisten ETFs gibt es auf Aktienbasis. Es gibt allerdings auch immer mehr Indexfonds für Anleihen. Orientierung über die Angebote bieten Internetseiten wie justetf.com.

Mischfonds mit Freiheiten

 Eine umfassende Vermögensverwaltung würde möglichst viele Anlageformen in einem einzigen Produkt bieten. Als ETF-Konzept sind solche Ansätze bisher selten. Traditionelle Mischfonds mit aktivem Management jedoch gibt es in verschiedenen Varianten für unterschiedliche Vorlieben. Manche investieren relativ ausgewogen in risikoreichere Anlagen wie Aktien und weniger stark schwankende Anleihen. Andere agieren grundsätzlich konservativ, haben durchweg höhere Bestände an wertstabileren Investments.

Das weitaus meiste Kapital steckt in Mischfonds mit großen Freiheiten. Die Devise lautet hier für die Manager: flexibel auf die Börsenlage reagieren, je nach Aussichten die Bestände an Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Immobilienfonds und Gold erhöhen – oder eben senken. Einer der bekanntesten Anbieter ist das Kölner Haus Flossbach von Storch. Dessen Flaggschiff „Multiple Opportunities“ lieferte sowohl in der jüngeren Zeit als auch über zehn Jahre attraktive Erträge. Bei den reinen Aktienprodukten zeigen unter den europaweit anlegenden Fonds beispielsweise der „Growth Europe“ von Comgest und der „European Dynamic“ des Verwalters Fidelity gute Ergebnisse (siehe Tabelle).

Die Fans aktiver Fonds müssen unterdurchschnittliche Manager meiden. Das erzwingt eine Suche nach den wenigen guten Geldlenkern. Rein statistisch ist es eine schwierige Aufgabe, wie die Daten von S&P belegen. Orientierung bieten immerhin Ratings von Fondsanalysehäusern wie Morningstar. In diese Bewertungen fließen die längerfristige Wertentwicklung sowie qualitative Aspekte zum Fondsmanagement, zum Vermögensverwalter und zu den Kosten ein.

Eine Garantie, dass erfolgreiche Manager auch erfolgreich bleiben, gibt es zwar nicht. Doch kann sich der Anleger mit einer Ratingerfahrung im Hause Morningstar beruhigen. Gut bewertete Fonds blieben überwiegend auch überdurchschnittlich, wie Analystin Claus erklärt. Das schütze nicht vor Ausnahmen. Ein Fondsmanager könne wechseln oder schlicht enttäuschen, räumt sie ein. Ihr Rat: Anleger sollten regelmäßig die Fonds in ihrem Depot prüfen.

Mehr: Mischfonds sind bei Anlegern derzeit besonders beliebt. Unter den Anbietern herrscht allerdings ein Verdrängungswettbewerb.

Startseite

Mehr zu: Geldanlage - Aktive oder passive Fonds? So funktioniert der langfristige Vermögensaufbau

0 Kommentare zu "Geldanlage: Aktive oder passive Fonds? So funktioniert der langfristige Vermögensaufbau"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote