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Geldanlage Das erste Quartal bringt Fondsanleger zum Jubeln

Fondsanleger können sich im ersten Quartal über Gewinne freuen. Das meiste Geld war mit Tech-Aktien, in China und an der Wall Street zu verdienen.
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Der Bulle symbolisiert steigende Aktienkurse und Optimismus. Quelle: Lonely Planet Images/Getty Images
Statue eines Börsenbullen in New York

Der Bulle symbolisiert steigende Aktienkurse und Optimismus.

(Foto: Lonely Planet Images/Getty Images)

Frankfurt Abrechnungen lösen im Alltagsleben kaum Freude aus. Schließlich handelt es sich meist um Zahlungsaufforderungen. Bei der aktuellen Abrechnung für Fondsanleger sieht das ganz anders aus. Die ist rundum positiv, denn hier strömt das Geld in die entgegengesetzte Richtung: Im ersten Quartal spielten Fonds für sämtliche wichtigen Anlageschwerpunkte Gewinne ein. „Alles im grünen Bereich, was absolut ungewöhnlich ist“, kommentiert André Härtel von der Ratingagentur Scope Analysis.

Der Analyst stellte die Ergebnisse für das Handelsblatt zusammen. In der Quartalsbilanz führen Aktienfonds für Technologiewerte mit durchschnittlich 21,2 Prozent Ertrag (siehe Grafik). Die Produkte für chinesische und nordamerikanische Titel folgen mit fast ebenso beeindruckenden Resultaten. Selbst die Schlusslichter in der Hitliste, aus dem Zinssektor, schaffen es noch ins Plus.

Die Übersicht bündelt die Ergebnisse der in Deutschland zugelassenen Fonds für 36 Anlageschwerpunkte. Praktisch alle Aktienprodukte erreichten in nur drei Monaten zweistellige prozentuale Erträge. Der Aufschwung ist zum großen Teil einer fulminanten Erholung an den Märkten nach den Einbrüchen im letzten Quartal vergangenen Jahres zuzuschreiben. „Das gilt insbesondere für den chinesischen Markt und für Technologieaktien“, erklärt Toby Gibb, Aktienexperte beim Fondshaus Fidelity International.

Zur besseren Orientierung ist die Tabelle durch Performancedaten für die Fünfjahresperiode ergänzt. Der Vergleich offenbart: Die kurzfristigen und langfristigen Fondsgewinner sind annähernd die gleichen. Vor allem mit Tech-Aktien, aber auch an der Wall Street und in China waren jährlich zweistellige prozentuale Erträge drin. Der Gleichklang der Ergebnisse bei den drei Anlageschwerpunkten provoziert die Frage: Sind das auch die erfolgreichen Investmentsektoren und Regionen der Zukunft?

Deutsche Aktien abgehängt

Die These wird zumindest von einigen Wahrnehmungen gestützt. So laufen die Konjunkturen in den USA und in China besser als in Europa. Technologisch und politisch scheint Europa im Vergleich zu den beiden großen Mächten zurückzufallen. „Andere Länder entwickeln sich tatsächlich dynamischer als Europa und speziell Deutschland“, erkennt etwa Thomas Romig.

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Der Fondsmanager beim Anlagehaus Assenagon erklärt: „Das gilt für die USA, wenn man an die Deregulierung und Steuerreformen denkt, oder auch in China und Asien, wo fiskalische Stimuli und flexible Notenbanken die Wirtschaft unterstützen.“ Folgt man dieser These, ist insbesondere das bescheidene Abschneiden deutscher Aktienfonds mit langfristig dreieinhalb Prozent Jahresertrag laut den Scope-Daten nachvollziehbar.

Martin Stürner gehört zu den Verfechtern dieser These pro US-Kapitalmarkt. Der Vorstand des Vermögensverwalters PEH Wertpapier hat fast das gesamte Kapital seines Mischfonds „PEH Empire“ auf Aktien in Übersee konzentriert. „Die Amerikaner führen in Technologie, Biotech und Pharma, geben die Trends vor, und an der Wall Street ist die Gewinndynamik höher“, argumentiert er. Konzerne wie Amazon seien global groß geworden und zu Gelddruckmaschinen mutiert.

Stürner räumt auch eigene Fehler ein: „Den frühen Boom bei Amazon haben wir verschlafen, aber die Aktie seit einigen Jahren im Fonds.“ Dann schlägt er den Bogen nach Asien: „Chinesische Unternehmen wie Alibaba bauen vielleicht ähnlich starke Marktstellungen auf wie die Vorreiter an der Wall Street – Europa dagegen ist hintendran.“

Aus strategischer Sicht bleibt der PEH-Mann den Favoriten treu. „Die Revolution in der Technologie läuft, und der Trend hält an“, ist Stürner überzeugt. Er erhält Rückendeckung von Paul Wick. Der Fondsmanager bei Columbia Threadneedle sieht in dem Sektor die Ampeln weiter auf Grün: „Die globale Nachfrage nach Informationstechnologie ist stark geblieben, und es gibt wichtige neue Entwicklungen wie das Mobilfunksystem 5G und E-Mobilität.“

Ende vom Handelsstreit in China wäre gut für Europas Märkte

Manfred Schlumberger vom deutschen Asset-Manager Starcapital setzt den chinesischen Markt noch auf Platz eins seiner Attraktivitäts-Rangliste. Der Fondsmanager erwartet zumindest die Lösung für ein bekanntes Problem: „Im Handelsstreit zwischen den USA und China sieht es nach einer Einigung aus.“

Das wäre ihm zufolge auch eine gute Nachricht für Europa. „Dann würden die Märkte hier besser laufen, als Abfallprodukt dieser Einigung sozusagen, es sei denn, US-Präsident Donald Trump knöpft sich anschließend beim Handelsthema Europa vor“, meint Schlumberger.

Auch andere Experten wollen Europa noch nicht abschreiben. So erklärt Gibbs von Fidelity die bessere Performance der Wall Street seit der Finanzkrise vor über zehn Jahren mit höherem Gewinnwachstum. Er relativiert jedoch: „Deshalb sehen US-Aktien nach den Anstiegen jetzt recht teuer aus, gerade im Vergleich zu deutschen Werten.“ Die Analysten von Starcapital rechnen die Unterschiede vor. Sie nennen Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 16 für China, 18 für Deutschland und 30 für die Wall Street.

So ist es kein Wunder, dass einige Fachleute dem Rat widersprechen, das Thema Technologie und US-Unternehmen bei den Anlagen auch weiter stärker zu berücksichtigen. Das gilt insbesondere für ausgewiesene Value-Manager mit entsprechendem Fokus auf Aktien günstig bewerteter Unternehmen.

Dazu gehört das große US-Haus Franklin Templeton Investments. Fondsmanager Matthias Hoppe verweist auf die Erfahrung der Jahrtausendwende. In der Aktieneuphorie rund um Dotcom und den Neuen Markt seien Bewertungen nicht mehr wichtig gewesen. „Das Ende vom Lied: eine geplatzte Blase, Pleiten und viele enttäuschte Anleger“, erinnert Hoppe.

Er bleibt trotz der Ergebnisse der Scope-Fondsbilanz seiner Vorsicht treu. „Auch wer auf fünf Jahre schaut, schaut in den Rückspiegel und nicht durch die Windschutzscheibe“, gibt Hoppe zu bedenken. Und setzt hinzu: „Wie heißt es so schön: Vergangene Wertentwicklung ist keine Garantie für zukünftige Gewinne.“

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