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Auf der Suche nach sicheren Häfen

Für Stiftungsfonds werden die Zeiten durch Niedrigzinsen und Handelsstreitigkeiten immer rauer.

(Foto:  Richard Lee on Unsplash)

Geldanlage Raue Zeiten für Wohltäter: Welche Stiftungsfonds noch auskömmliche Renditen erwirtschaften

Manager von Stiftungsfonds versuchen, mit speziellen Modellen stabile Erträge zu erzielen. Doch das gelingt mit unterschiedlichem Erfolg.
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Frankfurt Es gleicht der Quadratur des Kreises, wenn Fondsmanager versuchen, ihren risikoscheuen Kunden wenigstens ein bisschen Rendite zu bieten. Die Rede ist von Anlegern wie Stiftungen oder auch vermögenden Privatleuten, die stabile, regelmäßige Erträge sehen wollen. Drei Prozent Rendite, die viele Stiftungen brauchen, um ihre Projekte zu unterstützen, sind bei den heutigen Niedrigzinsen zum kühnen Traum geworden. Das belegt eine Studie des Münchener Beraters Fonds Consult zu 20 Fonds, die auf diese Anleger spezialisiert sind.

„Einen regelrechten Stresstest für die Risikomanagement-Systeme und die taktische Anlagestrategie haben die Fondsmanager durchlaufen“, sagt Stephan Schrödl, Analyst bei Fonds Consult, mit Blick auf die extremen Schwankungen der Aktienmärkte, vor allem im vierten Quartal 2018.

Anleihen sind auch ein schwieriges Thema. In den vergangenen zwölf Monaten bis Ende März, dem Stichtag der Studie, hat der von Fonds Consult benutzte Vergleichsindex nur 2,7 Prozent zugelegt. Doch die Fonds machten allesamt Verluste. Der Index setzt sich zu 70 Prozent aus dem iboxx Euro overall für Anleihen und zu 30 Prozent aus dem MSCI All Countries World für Aktien zusammen.

Auf der Aktienseite schlug bei vielen ihr Schwerpunkt auf Deutschland und Europa negativ zu Buche. Bei Anleihen profitierten zuletzt Staatspapiere als sicherer Hafen, viele Fondsmanager hätten aber zuletzt stärker auf Firmenbonds gesetzt, um noch etwas Zinsertrag zu bekommen, sagt der Analyst. Über die vergangenen drei Jahre blieben alle Fonds hinter dem Vergleichsindex zurück, der gut vier Prozent pro Jahr zulegte. Die laufenden Kosten der Fonds spielen dabei auch eine Rolle – sie liegen zwischen 0,58 und 1,61 Prozent.

Für die Stiftungen wird das Thema Kapitalanlage immer schwieriger, wie Florian Brechtel, Chef des Stiftungsberaters Dragoman, sagt. Die meisten der knapp 23.000 Stiftungen in Deutschland mit einem Vermögen von insgesamt rund 68 Milliarden Euro schaffen es nicht, die benötigten drei Prozent Rendite zu erreichen.

Einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Stiftungen zufolge gaben 2018 rund 40 Prozent an, dass ihre Rendite unterhalb der Inflationsrate von aktuell 1,7 Prozent liegt. Ein Jahr zuvor waren es 20 Prozent. Um der Renditefalle zu entgehen, sucht der Großteil der Stiftungsmanager Alternativen zu „Staatsanleihen und oft gering verzinsten Sparkassenbriefen“ und geht in Firmenbonds und Anleihefonds, wie Brechtel berichtet. Sie beschäftigen sich auch „ernsthaft mit Aktien und Dividenden als Ersatz für Zinserträge“.

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Viele Verantwortliche für die Kapitalanlage in Stiftungen stellen nun erstmals Anlagerichtlinien auf. „Das kann vor allem ehrenamtliche Geldmanager auch vor der Haftung für eventuelle Kapitalverluste schützen“, sagt Brechtel. Denn der Verzicht auf Richtlinien gilt möglicherweise als Fahrlässigkeit, wenn eine Pflichtverletzung vorliegt. Zwei Drittel der Stiftungen haben Vermögen von weniger als einer Million Euro. Während große Stiftungen meist eigene Vermögensmanager beschäftigen, suchen diese kleinen oft den Rat von Profis.

Die 20 in der Studie analysierten Fonds managen insgesamt ein Vermögen von knapp elf Milliarden Euro. Fonds Consult untersucht mithilfe verschiedener Kennzahlen die risikogewichtete Rendite über ein und drei Jahre und beleuchtet die Qualität des Fondsmanagements sowie Analysegrundsätze, Ausschüttungen und Kosten. Berücksichtigt wurden Fonds, die mindestens drei Jahre am deutschen Markt bestehen und mindestens 50 Millionen Euro Vermögen managen. Große Fonds für einzelne große Stiftungen sind nicht dabei.

„Deutliche Unterschiede in der Qualität“ stellt Analyst Schrödl fest. Unterm Strich hätten die Produkte ihr Qualitätsniveau gegenüber dem Vorjahr halten können. Es sind vier neue Fonds in der Studie vertreten, mit der Commerzbank und der HVB nehmen dagegen zwei Anbieter nicht mehr teil. Zwölf Fonds lobt Schrödl, sieben hält er für durchschnittlich und einen für schwach.

Die typische Anlagestrategie ist konservativ: Den Anteil der Aktien beschränken die Fondsmanager meist auf 30 bis 35 Prozent. Anleihen und Firmenbonds guter Qualität bilden den Kern. Immobilien, Gold, Rohstoffe werden dazugemischt. Auf das schwierige Kapitalmarktumfeld versuchten die Fondsmanager zunehmend, mit flexiblen Strategien zu reagieren, beobachtet Schrödl. Ethisch-ökologisch-soziale Kriterien wollen inzwischen die meisten Stiftungen berücksichtigt wissen.

Ganz oben im Ranking stehen zwei Fonds mit der Bestnote 1,0. Einer von ihnen erreicht den Spitzenplatz zum fünften Mal in Folge: Beim „FvS Stiftung“ des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch lobt Schrödl die Stabilität im Investmentteam und eine stringente Ausrichtung auf „substanzstarke Qualitätsaktien“ und einen hohen Anteil Unternehmensanleihen.

Fondsmanager Elmar Peters erreiche mit einer breiten Streuung des Kapitals ein sehr gutes Risiko-Rendite-Profil und die beste Wertentwicklung der Gruppe über ein und drei Jahre. Dazu tragen auch die leicht unterdurchschnittlichen laufenden Kosten von 0,95 Prozent im Jahr bei. Beim FvS-Fonds lobt der Analyst zudem die hohe Ausschüttungsquote von gut drei Prozent in den vergangenen drei Jahren, die Stiftungen sehr wichtig ist. 

Schlusslicht „Deka Stiftungen Balance“

Ebenfalls Bestnote erreicht der Fonds „BKC Treuhand Portfolio“ der genossenschaftlichen Bank für Caritas und Kirche. Überzeugen konnte Fondsmanager Bernhard Matthes vor allem mit einer mutigen Ausrichtung des Anleiheportfolios etwa in Schwellenländeranleihen und einer flexiblen Strategie mit alternativen Anlagestrategien aus der Hedgfonds-Welt, wie Analyst Schrödl erklärt.

Besonders im turbulenten vierten Quartal 2018 habe Matthes so und mit einer frühzeitig reduzierten Aktienquote Verluste vermeiden können. So erreichte der Fonds ein überzeugendes Risiko-Rendite-Profil über die vergangenen drei Jahre. Auch die Ausschüttungsquote von 2,5 Prozent lobt Schrödl.

Drei weitere Fonds wurden mit einem „Sehr gut“ ausgezeichnet. Der „DWS Stiftungsfonds“ hat sich mit einer relativ hohen Aktienquote, einem flexiblen Anleiheportfolio und einem funktionierenden Risikomanagement um drei Bewertungsstufen nach oben gearbeitet. Schrödl lobt die sehr gute „Balance zwischen Chance und Risiken“.

Ebenfalls sehr gut bewertet wurde der „Landert Stiftungsfonds“ des gleichnamigen Family Offices, der laut Fonds Consult mit einer „offensiven Positionierung vor allem bei Anleihen überzeugte. Der fünfte Spitzenfonds ist der „Stiftungsfonds Spiekermann & Co“ der Horus Spiekermann Holding mit einem gewichtigen Anteil Firmen-, Hochzins- und Schwellenländerbonds von zuletzt 45 Prozent, einer hohen Ausschüttungsrendite und „moderaten“ Kosten“, wie Schrödl den Neuling im Ranking lobt.

Schwächer schnitt dagegen der aktienlastige „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen ab“, dem Fonds Consult eine enttäuschende Wertentwicklung attestiert. Schrödl sieht den Fonds mit seiner in der Regel hohen Aktienquote nicht als typischen defensiven Stiftungsfonds. Philipp Prömm, Vorstand bei Shareholder Value Management, räumt ein, dass nach jahrelang überdurchschnittlicher Wertentwicklung die Absicherungsstrategie Ende 2018 nicht funktioniert habe und sich viele Substanzwerte im Fonds schlecht entwickelt hätten.

Ganz unten in der Rangliste steht wie im Vorjahr der „Deka Stiftungen Balance“ der Sparkassen-Fondstochter. Der Fonds weist als Einziger eine jeweils leicht negative Rendite über drei Jahre aus. Schrödl bemängelt das Risikomanagement, eine Ausrichtung auf extrem kurz laufende Anleihen und eine zu defensive Ausrichtung bei Aktien Anfang 2019. Die Deka setzt auf eine Änderung der Anlagestrategie nach einem „schwächeren Jahr 2017“, die sich allmählich auszahle.

Mehr: Erstmals seit 2011 sind die Gewinne der deutschen Vermögensverwalter wieder gefallen. Das sind die Gründe.

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