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Geldanlage Zahl der Investment-Fonds in Europa steigt wieder – die Komplexität des Markts auch

Geldverwalter in Europa haben 2018 viele neue, oft exotische Fonds aufgelegt. Das macht es für Anleger nicht unbedingt einfacher, richtig zu wählen.
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Der Markt für Investmentfonds ist für Anleger unübersichtlich. Quelle: mauritius images
Eine Frage der Orientierung

Der Markt für Investmentfonds ist für Anleger unübersichtlich.

(Foto: mauritius images)

FrankfurtEine Branche startet durch. Diesen Eindruck vermittelt der Blick auf die europäischen Fondshäuser. Im vergangenen Jahr ist zum ersten Mal seit langer Zeit in Europa die Zahl der Fonds wieder angestiegen. Unter dem Strich gab es 183 zusätzliche Produkte. In den Vorjahren war das Angebot stetig geschrumpft.

Diese Zahlen hat das Researchhaus Lipper dem Handelsblatt zur Verfügung gestellt. Es sind die Netto-Veränderungen im Gesamtangebot, das heißt die Neuauflagen abzüglich der Fusionen und Schließungen. „Nach der Finanzkrise wurden viele Fonds dichtgemacht, das hat sich in den letzten zwei Jahren abgeschwächt, die Anbieter sind raus aus dem Krisenmodus“, sagt Lipper-Analyst Detlef Glow. Die Trendumkehr hat mehrere Gründe. Eine Rolle spielt die weiter wachsende Popularität von Mischfonds. Diese Produkte sollen über eine Streuung des Geldes auf verschiedene Anlageklassen eine Vermögensverwaltung in einem Produkt liefern.

Vor allem bei den Deutschen ist diese Fondsgattung populär. „Hier haben im letzten Jahr viele Anbieter neue Produkte aufgelegt, weil sie mehr Freiheiten bei ihren Investments haben wollen“, erkennt Glow. Das klassische Modell sehe eine Verteilung des Kapitals vor allem auf Aktien und Anleihen vor.

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Jetzt suchten die Vermögensverwalter zusätzlich Chancen etwa bei Immobilien oder Rohstoffen. Andere wollten sich die Möglichkeit schaffen, auch auf fallende Börsenkurse setzen zu können.

Der heiß diskutierte Brexit pusht ebenfalls die Zahlen in der Lipper-Statistik. „Manche britische Anbieter mussten Produkte etwa in Luxemburg oder Irland auflegen, um auch nach dem EU-Austritt Großbritanniens ihre Fonds kontinentaleuropäischen Anlegern anbieten zu können“, sagt Diana Mackay, Geschäftsführerin beim Finanzdienstleister Broadridge in London. Den Gang nach Luxemburg trat beispielsweise die traditionsreiche Gesellschaft M&G an. „Im vergangenen Jahr haben wir 28 Fonds in Luxemburg neu aufgelegt, weil wir den Kunden Sicherheit geben wollen“, sagt eine Firmensprecherin.

Einen starken Beitrag zur Ausweitung des Angebots leisten die immer beliebteren börsengehandelten Indexfonds, die Exchange Traded Funds, bekannt unter dem Kürzel ETF. Viele Experten sehen weiteres Wachstumspotenzial bei diesen preiswerten Depots, weil das Volumen im Vergleich zum Ursprungsmarkt USA noch bescheiden ist. Aber der Auflageschub in Europa hat seine Kehrseite. „Bei den Indexfonds glauben viele Anbieter, sie könnten mit Nischenprodukten und besonderen Ansätzen höhere Gebühren verlangen, also noch eine etwas höhere Gewinnmarge rausholen“, sagt ein Berater.

Immer speziellere Themen

Kritisch sieht das auch Jan Altmann, Analyst beim Online-Informationsdienst Justetf: „Zumindest Langfristanlegern bringen solche Fonds wenig, denn wenn sie nicht erfolgreich sind und kein Geld einsammeln, werden sie auch schnell wieder geschlossen – in den USA sehen wir das oft.“

Ferdinand Haas, Produktverantwortlicher bei der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, ergänzt: „Es gibt immer exotischere Produkte, gerade bei kleineren Anbietern. Das betrifft die aktiv gemanagten Fonds wie auch die Indexprodukte.“ Sein eigenes Haus will er ausdrücklich davon ausnehmen. „Wir als DWS aber glauben: Wir brauchen nicht Tausende neuer und immer speziellerer Produkte“, sagt er.

Fachleute wie Altmann sehen beispielsweise beliebte Themen wie Digitalisierung oder besondere Teilbereiche wie Robotertechnik und Künstliche Intelligenz sowie den großen Trend des nachhaltigen Investierens. Daneben gibt es spezifische Ansätze wie etwa Fonds für höher verzinsliche Staatsanleihen, Firmenbonds mit gesenktem Rating, Aktien für Unternehmen mit Inklusionspolitik sowie für Variationen bei der Berechnung klassischer Marktindizes wie einem S&P 500.

Das kann Anleger überfordern. „Der Markt wird unübersichtlicher“, sagt etwa Rüdiger Sälzle, Vorstand von Fonds Consult. Der Lipper-Statistik zufolge waren Ende vergangenen Jahres mehr als 32.000 Fonds mit einem Kapital von 9,9 Billionen Euro am Markt. Manche Anbieter reduzieren ihr Geschäft.

Der große französische Vermögensverwalter Amundi etwa wird seine Produktpalette deutlich verkleinern. Die DWS hat ihr Angebot an aktiv verwalteten Produkten in den vergangenen Jahren bereits verringert und erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Die große Frage lautet daher: Werden auch im laufenden Jahr mehr neue Fonds auf den Markt kommen als durch Schließungen und Fusionen verschwinden? Das hängt von der Börsenentwicklung ab, glauben viele Experten. „Im Fall einer Krise sollte die Zahl wieder abnehmen, weil die Anbieter ihre Produktpaletten aufräumen würden“, meint Lipper-Mann Glow. Die Märkte schwächeln bereits seit vergangenem Herbst.

Glow kann sich bereits jetzt vorstellen, dass die Anbieter mit gewisser Zeitverzögerung darauf reagieren. Für Haas von der DWS ist klar: „Fallen die Kurse, fällt auch der Vorhang für exotische Produkte.“ Dann müssten sich viele Anbieter neu orientieren und die Kosten senken, was auch hieße: „Wenig Neuauflagen, mehr Schließungen und Fusionen“.

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