Gescheitertes Experiment Immobilienfonds CS Euroreal muss aufgeben

Auch der letzte offene Immobilienfonds für Kleinanleger, der 2008 in die Krise geraten ist, muss jetzt dichtmachen. Grund: Die Anleger des CS Euroreal wollten mehr Anteile zurückgeben, als der Fonds ausbezahlen kann.
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Die Credit Suisse kündigte das Verwaltungsmandat für den Euroreal-Fonds. Quelle: Reuters

Die Credit Suisse kündigte das Verwaltungsmandat für den Euroreal-Fonds.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie Anleger haben entschieden. Der rund sechs Milliarden Euro schwere offene Immobilienfonds CS Euroreal wird aufgelöst. Die Anleger wollten mehr Anteile zurückgeben, als der Fonds auszahlen kann. „Die Rückgabewünsche haben die Prognosen massiv überschritten“, sagte Karl Heinz Heuß, Geschäftsführer der Immobilienfondsgesellschaft der Credit Suisse. So ereilt die 200.000 Euroreal-Anleger das gleiche Schicksal wie die des SEB Immoinvest und die Beteiligten an sechs weiteren Fonds, die aufgelöst wurden, weil deren Manager von vornherein keine Chance auf eine Wiedereröffnung sahen.

Fondsanbieter Credit Suisse Asset Management hatte wie wenige Tage zuvor SEB Asset Management die Verantwortung für das Überleben des Fonds auf die Anleger abgewälzt. Nun ist das Experiment missglückt, Verkaufsaufträge zu sammeln um erst dann zu entscheiden, ob das Geld in der Kasse ausreicht, um alle Anleger auszahlen. „Sofort abzuwickeln wäre unfair gewesen“, hatte Heuß, gesagt, als er ankündigte, die Anleger entscheiden zu lassen.

Die Tochter der Schweizer Großbank Credit Suisse hatte alle Verkaufsaufträge, die zwischen dem 9. Mai und heute bei der Depotbank des Fonds eingegangen waren, gesammelt. Die liquiden Mittel in Höhe von 1,36 Milliarden Euro, rund 32 Prozent des Fondsvermögens, reichten zum Schluss nicht aus, um alle Rückgabewünsche zu befriedigen. Dies war auch beim SEB Immoinvest so gewesen.

Credit Suisse kündigte gleichzeitig das Verwaltungsmandat für den Fonds zum 30. April 2017. Das Fondsmanagement hat bis dahin Zeit, die Fondsimmobilien zu verkaufen und die Erlöse an die Anleger auszuzahlen. Sollten bis dahin nicht alle Objekte veräußert sein, geht die Verwaltung an die Depotbank des Fonds über. Die erste Ausschüttung kündigte Credit Suisse Asset Management für das zweite Kalenderhalbjahr angekündigt. Sie solle spätestens mit der regulären Ertragsausschüttung im Dezember erfolgen. Die regulären Ausschüttungen stammen im Wesentlichen aus Mietüberschüssen.

Damit ist auch der letzte von den offenen Immobilienfonds für Kleinanleger aus dem Rennen, die Ende Oktober 2008 in die Krise gerieten. Damals löste die Pleite der US-Investmentbank Lehman Panik an den Finanzmärkten aus. Die Anleger liefen daraufhin auch in Scharen aus offenen Immobilienfonds. Zeitweise steckten mehr als 30 Milliarden Euro Anlegergelder in den Fonds fest. Mehrere Fonds öffneten zwischenzeitlich wieder, mussten später aber erneut schließen. Dazu gehören auch der CS Euroreal und der SEB Immoinvest.

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13 Kommentare zu "Gescheitertes Experiment: Immobilienfonds CS Euroreal muss aufgeben"

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  • meine Altersvorsorge ist futsch. Vor 2 Jahren wollte ich mein Geld auszahlen lassen. Die Postangestellte sagte mir, daß der CS-Euroreal jetzt erst richtig Zinsen bringen würde. Ich ließ alles beim alten. Wurde mir alles als sichere Anlage verkauft. Jetzt ist mein ganzes gespartes futsch. Jetzt kommt Altersarmut. Wer verantwortet das alles ? Die Banken und Geldhaie machen mit uns was sie wollen.

  • Also das ganze geschimpfe auf die Banken usw. verstehe ich nicht...ich gebe doch niemanden Geld und sage kauf mir ein Auto....er kann mir für 100tsd eine Mercedes oder auch einen Trabbi hinstellen... schauen Sie sich doch mal in Natur an was die CS Eureal für Bruchbuden im Fond hatte...das die nicht das Geld wert sind ist klar.

  • Dieser Fond wurde als sichere Anlage verkauft. Vor ca. 2 Jahren wollte ich schon verkaufen, doch der Anlageberater der Postbank überredete mich, damit ich mein Geld nicht abziehe!
    Wer hat nun Schuld an dieser Misere mit meinem Geld ?
    Eigentlich sollte das alles eine Altersversorgung sein, nun haben die verflixten Manager es geschafft, einen zu berauben. Wo ist eigentlich unsere Politik, die solche Machenschaften gesetzlich verbieten kann.

  • ich werde mir einen Rechtsbeistand leisten, die Hypovereinsbank hat mich 2009 in diesen Fond geholt und auch eine entsprechende Provision von mir kassiert. Aber verschwiegen ,dass der CS euroreal schon 2008 einmal geschlossen war. wahrscheinlich sind da auch noch "kick backs" gezahlt worden.

  • Tja, auch ich bin sauer. Wahrscheinlich werden die Immobilien jetzt für relativ kleines Geld verscherbelt an Häuser, wo die CS sogar selbst beteiligt sein wird und daran verdienen die noch einmal und der dumme Anleger (also ich z.B.) kann das dann mitfinanzieren. Kein Wunder, dass die Bürger immer weniger Vertrauen in Banken und in die Börse haben.
    Diese Abzocke ist völlig legal und das System schützt die Abzocker. Ich werde jedenfalls meine Schlüsse daraus ziehen.

  • Das war legalisiertes Schneeballsystem, öffentlicher Betrug. Bei Kaffeefahrten und beim Schneeballsystem werden die Drahtzieher, wenn man ihrer habhaft wird, verhaftet und hinter Gitter gesteckt. Was passiert mit diesem korrupten verbrecherischem Gesindel, diesen Betrügern? Ein schweizer Fond - es reicht nicht, dass die Schweiz hilft die Steuern zu hinter ziehen, nein jetzt werden noch die Kleinen ab geschöpft.

  • Herr Schäuble von der CDU hat Recht. Er hat - wenngleich diplomatisch durchaus etwas ungeschickt - rechtzeitig darauf hingewiesen, dass die NAVs von offenen Immobilienfonds deutlich überhöht sind. Darauf hätten verständige Anleger aber selber kommen müssen! Es ist eine finanzmathematisch Binsenweisheit, dass faire spekulative Preise stochastisch unabhängig sind. NAVs von OIFs sind aber tendenziell positiv autokorreliert, also "trendy". Damit sind solche Anlagen nur etwas für Zocker, wo das Timing stimmen muss, nichts aber für "naive" strategische Investoren im Vertrauen auf marktgerechte Preise.
    Der Gesetzgeber hat aber woanders versagt: solche konzeptionell zum Scheitern verurteilte Produkte (illiquide Anlagen in einer offenen Fondshülle verpackt) hätten niemals auf Druck der Fondslobby zugelassen werden dürfen und die Reform hätte zumindest theoriekonsistent gegen den Druck der jammernden Vertriebslobby der provisionsgetriebenen Fondsindustrie durchgeführt werden müssen (Ausgabeaufschläge und Rücknahmegebühren in der Höhe von expliziten und impliziten Transaktionskosten zugunsten des Fondsvermögens zum Schutz der Altanteilsinhaber). Der jüngste Kuhhandel beim CS Euroreal und SEB Immoinvest, bei denen die Verantwortung an den Anleger ausgelagert wird, ist eine regulatorische Zumutung und soll nur das Fondsmanagement exkulpieren.
    Fazit:
    1) Kritik an der Politik ist berechtigt, muss aber in die richtige Richtung stoßen.
    2) Das (deutsche!) Elend um die OIFs ist multikausal (gierige Fondsindustrie, unverständige Anleger mit Blick auf merkwürdige Produktkonstruktionen mit versteckten Risiken, Regulierer mit wenig Sinn für die ökonomische Problematik bei geringer Bewertungstransparenz und hoher Illiquidität - in der Kombination typisch für ein komplexes Systemversagen.
    3) Nach den beiden jüngsten GAUs dürfte die Produktklasse OIF endgültig gescheitert sein (Vertrauensschaden, Renditeprognosen von unter 2% bei marktbreitem Verkaufsdruck durch die Fondsabwicklungen)

  • CS hatte offenbar keinen Bock mehr auf den Fond.
    Sonst hätte man nicht die Kleinanleger kurz vor knapp (durch den Feiertag blieb nur ein Tag zum agieren) informiert (auf 9.5. datierter Brief ging am 16.5. ein). Und dann noch gleich neue
    Konditionen: Rückgabe nur noch an einem Stichtag im Jahr möglich. Auf dass sich das Szenario von Freitag jährlich wiederholt und man bei der Verkaufsorder keinen blassen Schimmer hat, was man eigentlich erzielt.
    Da blieb nur eine vernünftige Wahl. Damit hat CS erreicht, was sie wollten.

  • Leider war das Management zu feige, den Fonds im Jahr 2011 zu öffnen. Jetzt wird bei der Abwicklung kassiert und die Bafin schaut tatenlos zu, wie CS und die anderen KAGs noch einmal richtig Geld verdienen.

  • Genau so ist es. Ich hatte als Privatanleger die Muttergesellschaft angeschrieben um folgendes zu fragen. Wenn Sie von Ihrem Produkt so überzeugt sind, warum übernehmen Sie nicht den Fond und zahlen die Kleinanleger aus.Schuld ist Herr Schäuble von der CDU, der ja überhaupt den Stein ins Rollen gebracht hatte als er meinte, man tue gut daran die Immobilien in Europa um 10% abzuwerten. Ja und das war der Auslöser der Panik. Und jetzt kommt der Oberhammer. CS Euroreal haben pro Anteilsschein im letzten Jahr 1,80 € ausgeschüttet. Und davon habe ich 26,375% Abgeltungssteuer an Herrn Schäuble ( Fikus überwiesen.Und jetzt kann man erst mal 3,5% = 2,00 € zurück geben. Folglich hat man Steuern bezahlt obwohl man einen Verlust erzielt hat. Normalerweise müßte man die Steuer von 2011 zurück erhalten.Aber was der Staat einmal hat gibt er nicht mehr her. Eine Sauerei ist das. Und wir verpulvern dieses Geld an Griechenland. Das heißt der arme Bürger muß die Zeche zahlen. Und die Fondgesellschaft hat jetzt 5 Jahre Zeit alles zu verkaufen und verdient sich dabei noch eine goldene Nase. Und der Oberhammer ist das Geld fließt unkontrolliert scheibchenweise und als Ottonormalbürger haste keine Einsicht was die da kungeln. Da gibt es nur eine Gerechtigkeit. Da die Anleger ohnehin seit 2 Jahren dieser Fondgesellschaft ein sozusagen zinsloses Darlehn gegeben haben, müssen die jetzt der Gerechtigkeitshalber Ihre jetzigen Anteile ohne 3,5% Abschlag von heute an mit 2,5% verzinst zurück erhalten. Wann und ob die Ihre Immobilien verkaufen oder nicht dürfte dem Anleger egal sein. Der kleine Mann indes soll statt dessen 5 Jahre warten bis die da was auskungeln. Das ist doch vollkommen daneben. Was sind denn das für Gesetze. Ich zweifle immer mehr an unserer Demokratie.Dabei haben die an der Spitze des Fonds seit Gründung über Jahrzehnte 0,75% von 6,35 Mrd jedes Jahr an Provisionen kassiert und das für ein Paar an der Spitze. Ich bin sprachlos. Danke es reicht.

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