Geschlossene Fonds Die schlechteste Geldanlage der Welt

Nirgends war in den vergangenen Jahren mehr Geld zu verlieren als in geschlossenen Fonds. Wie sich die Branche bei den Anlegern bedient.
  • Daniel Schönwitz, Martin Gerth, Niklas Hoyer, Heike Schwerdtfeger
11 Kommentare
Der Schriftzug der Reederei Beluga am Firmensitz in Bremen. Quelle: dpa

Der Schriftzug der Reederei Beluga am Firmensitz in Bremen.

(Foto: dpa)

Niels Stolberg galt als Vorzeigeunternehmer. Als Selfmademan. Als talentierter Newcomer, der die Schifffahrtsbranche aufmischt. Doch das glanzvolle Image, das der 50-jährige Gründer der Reederei Beluga Shipping über Jahre gepflegt hatte, ist zerstört. Seit März rutschen reihenweise Beluga-Firmen in die Pleite, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdacht.

Stolbergs Absturz trifft Tausende Privatanleger. Mindestens 50 von 72 Schiffen der Beluga-Flotte gehören nicht seiner Reederei, sondern Schiffsfonds - Anlagevehikeln also, in denen sich Investoren zusammenschließen, um Containerriesen oder Tanker zu kaufen und an eine Reederei zu verchartern. Geht diese pleite, brechen die Einnahmen weg. Einige Fonds mit Beluga-Schiffen haben zwar inzwischen neue Betreiber gefunden, aber nur zu weit niedrigeren Charterraten. Den Anlegern drohen hohe Verluste.

Riesenauswahl an geschlossenen Fonds

Der Fall reiht sich ein in eine endlose Serie von Skandalen um geschlossene Fonds, die Anlegern Beteiligungen an Schiffen, Immobilien oder Filmprojekten anbieten. Was in den Hochglanzprospekten stets nach einer einmaligen Chance klingt, entwickelt sich immer wieder zum Desaster.

Nicht investiertes Kapital. Quelle: WirtschaftsWoche

Nicht investiertes Kapital.

(Foto: WirtschaftsWoche)

Von Plattenbauten im Osten über Bauprojekte in Dubai bis hin zu Kino-Flops aus Hollywood: Wenn irgendwo auf der Welt Geld zu verlieren ist, sind die deutschen Fonds meist nicht weit. Nirgendwo sonst haben Anleger so viel gezittert, gelitten und verloren. Nach Daten des Ratinganbieters Feri haben sie in den letzten drei Jahrzehnten 200 Milliarden Euro in geschlossene Fonds investiert, hinzu kommen 204 Milliarden Euro Kredite, die die Fonds aufgenommen haben.

Einen Großteil des Geldes, 71,4 Milliarden Euro Eigenkapital, steckten sie in deutsche Bürotürme, Hotels oder Pflegeheime; an zweiter Stelle folgen Schiffe mit 34,7 Milliarden Eigenkapital.

Die gut 300 Fondsanbieter agieren auf dem Grauen Kapitalmarkt - nahezu unbeobachtet von der Finanzaufsicht. Die schiere Zahl der Skandale ist erschütternd. Anders als bei Aktienfonds, Lebensversicherungen oder Zertifikaten sind Flops nicht die Ausnahme - sondern die Regel.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Standardmäßig hohe Wertverluste
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Geschlossene Fonds - Die schlechteste Geldanlage der Welt

11 Kommentare zu "Geschlossene Fonds: Die schlechteste Geldanlage der Welt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das HB hat absolut recht. Ich selber habe rund 30 Beteiligungen - alles Schrott! Von Immo-Fonds, über Schiffe, LV-Zweitmarkt, Leasing-Fonds, Medien-Fonds etc. Nichts taugt was! Ich habe selber früher als Banker diese Beteiligungen mit Euphorie verkauft - und bin jäh enttäuscht worden! Geschlossene Fonds sind reine Abzocke! Finger weg! Alle die hier im Kommentar so "positiv" sind, scheinen selber CeF-Vermittler zu sein. Da hat man natürlich eine ganz andere Meinung, und zitiert z.B. die lächerliche Studie des VGF. Ich bleibe dabei: Verdienen tun nur die Vermittler & Fondsgesellschaften - für den Kunden bleibt ggfs. die ersten 1-2 Ausschüttungen, die er selber bezahlt hat (da aus Liquidität ausgeschüttet wird, und nicht aus Gewinnen) - und spätestens danach ist alles gaaanz anders, als man es damals erwartet hat, und deshalb gibt es leider doch keine Erträge, und (so wie in meinem Fall bei 2 Beteiligungen) muss ich sogar die damaligen Ausschüttungen zurück zahlen, da es angeblich nur "Darlehen" waren, die man mir gewährt hat! Frechheit! Die ganze Branche gehört abgeschafft - braucht kein Mensch sowas!

  • Der Artikel verallgemeinert zu sehr - es gibt auch sehr gute und lohnenswerte Beteiligungen. Das Problem ist die Art des Vertriebes...Eine Bank nimmt die Beteiligung in ihre Bücher, bricht Vertriebsziele auf die Filialen herunter, die Filialen haben zu vertreiben - in aller Regel wird Widerstand nicht geduldet, die Berater werden vom Produkt überzeugt, überzeugen die Kunden. Von den tatsächlichen Risiken erfahren auch die Berater erst dann wenn einer der Fonds Probleme bekommt. Und leider waren das in den Strukturvertrieben der Banken zu viele in den letzten Jahren...

  • Liebes Handelsblattteam...einen Artikel aus der WIWO (und dann auch noch so einen grottenschlecht recherchierten) zu kopieren ist wirklich traurig...vor 2 jahren hättet ihr genauso gut schreiben können: AKTIEN,DIE SCHLECHTESTE GELDANLAGE DER WELT...ein leser weniger...

  • guter Tipp von mir: lasst niemals einen solchen Typen einen
    Schritt über eure Türschwelle machen. Jagt ihn vom Hof und
    schmeißt ihm seine Angeberaktentasche hinterher. Dann soll
    er sich in seine Karre setzen, die ihr euch selbst nie leisten könnt, und sich nie wieder blicken lassen.
    Tut ihr das nicht, werdet ihr eine Orgie aus Agio, Gebühren
    und Provisionen erleben.
    Danke an das Handelsblatt - ein treuer Leser mehr....

  • Sehr geehrte Autoren dieses Artikels,
    sehr geehrte Mitleser,

    ich bin selbst als Berater tätig und meine Kunden halten auch Beteiligungen an geschlossenen Fonds.

    Es ist absolut richtig, dass es zahlreiche Beteiligungsmodelle gibt, die durch sehr hohe Kosten auffallen, deren Prognosen fraglich erscheinen und die letztendlich auch zu Vermögensverlusten geführt haben oder führen werden.

    Es gibt aber auch das genaue Gegenteil: seriös kalkuliert, mit marktgerechten Kosten ausgestattet und mit einer hohen Chance auf wirtschaftlichen Erfolg.

    Jeder Verbraucher wünscht sich von seinem Berater doch eigentlich folgende Situation: er möchte die Chancen einer Kapitalanlage erklärt bekommen, er möchte aber auch die Risiken aufgezeigt bekommen. Und dann kann er auch eine sinnvolle Entscheidung für sich treffen.
    Meiner Erfahrung nach, sind sehr viele Anleger auch bereit, Risiken einzugehen und daher halten auch viele meiner Kunden - wie bereits oben erwähnt - unternehmerische Beteiligungen in ihren Portfolien.

    Das, was sich ein Anleger von einem Berater wünscht, erhoffe ich mir allerdings auch von einer seriösen Wirtschaftszeitung wie dem Handelsblatt. Eine differenzierte und ambivalente Betrachtungsweise!
    Genau wie ein schlechter Berater, der dem Kunden nur die Vorzüge einer Beteiligung darstellt, um "schnell" an Provisionen zu kommen, genauso wird hier mit einer reißerischen Headline und einer einseitigen Auflistung negativer Aspekte Auflage erzeugt. Die schlechteste Berichterstattung der Welt!

  • Liebes Handelsblatt, dieser Artikel ist undifferenziert und Ihres Blattes unwürdig. Wurde die Wirtschaftsredaktion der SUPER-ILLU von Ihnen aufgekauft oder woher haben Sie dieses Autorenniveau erworben? Wenn das so weiter geht haben Sie einen treuen Leser weniger.

  • @ Wundern,

    verkaufst wohl des Zeug oder? ;-)

  • man muss sich doch langsam Wundern, welche Artikel und Beiträge auch in gut gestellten Wirtschaftsblättern wie dem Handelsblatt veröffentlicht werden. Sicherlich gibt es in diesem Segment (wie in übrigen allen anderen auch) schwarze Schafe, die von Beratung und Betreuung schlicht keine Ahnung haben (und es auch nicht wollen), aber ein bischen mehr Sachverständnis und weniger Polemik würde der Thematik eher dienen. An dieser Stelle möchte ich auf die Gegendarstellung des VGF (bzgl. eines ähnlichen Beitrages der WiWo) verweisen.
    Ich hoffe stark, dass das Niveau in Ihrer Zeitung wieder demnächst steigende Tendenz aufweist!

  • Hallo Leute habt ihr's immer noch nicht kapiert.
    Fonds (egal welche) ist das genialste Geschäftsmodell für die Initiatoren. Sprich, mit dem Anlegergeld wird
    spekuliert.
    Wenn's gut läuft, wird der Gewinn geteilt. Saftige Boni, Verwaltungsgebühr usw..
    Wenn's schlecht läuft gibt's halt nur die "Verwaltungsgebühr". Sind in der Regel immer noch ein paar Millionen.
    Und den Verlust ? Trägt natürlich der Geldgeber !!
    Einfach genial !!

  • Ihre Recherchen werden der Anlageklasse nicht gerecht.
    Im Krisenjahr 2009 sind auf den Aktienmärkten nicht nur „Mrd.“ sondern „Billionen“ vernichtet worden.
    Z. B. Kleinanleger sitzen auf Garantieversprechen aus Fondanlagen ohne Renditeerwartung (nebulöse Kapitalgarantie)!
    Bei den Geschlossenen Fonds kommt es immer auf das unternehmerische Konzept an:
    Nur ein Konzept, welches der Kunde versteht und welches er als unternehmerisch denkender Mensch auch als schlüssig empfindet, erfüllt die notwendigen Kriterien an Sicherheit, Rendite und Verfügbarkeit.
    Dies ist bei einer Schiffsanlage (oder Flugzeug) aber nur in Ausnahmefällen der möglich. Es ist ein Einzelrisiko, stark konjunkturabhängig (= nicht vorhersehbar!). Ausnahmen bilden nur Fonds, die Schiffe unter Wert erwerben können, und so einen entsprechenden Risikopuffer aufbauen.
    Auch bei geschlossenen Immobilienfonds gilt: Wie sieht das Konzept aus: Kennt der Anleger die Objekte? Ist ein Vermietungskonzept mit solventen Mietern vorhanden? Und, und, …
    Bei den erneuerbaren Energien stimmt es zwar, das die Kosten relativ hoch sind: Warum – die Anleger verlangen nachhaltige Anlagen! Trotz der Kosten werden immer noch Renditen zwischen 6 – 9 % aus garantierten Gewinnen erwirtschaftet (subventioniert). Dies ist in anderen Branchen nicht gegeben!
    Was Sie gar nicht behandeln sind Anlagen im breit gestreuten Bereich „Private Equity“. Hier können Sie bei Scope auch nachlesen, das diese Anlagen im Schnitt im Krisenjahr 7,8 % erwirtschaftet haben. Institutionen wie Stiftungen oder große Vermögensverwalter (z. B. Allianz) haben ihre Bestände an PE ausgeweitet – warum: In der Regel handelt es sich hierbei um solide Mittelstandsfinanzierungen mit Streuung auf Eigenkapitalbasis. Derartige Anlagen entziehen sich der Spekulation, bieten gute Renditen, handelnde Personen sind Unternehmer, die ihre Expansion solide über Jahre finanzieren wollen.
    Diese einseitige Schelte trifft nicht das Niveau des Handelsblatts!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%