Geschlossene Fonds Olympia-Stars bringen Tausende Anleger um ihr Erspartes

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Elmar Bormann (l.) bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta.

Elmar Bormann (l.) bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta.

Als sie erste Zweifel an der Investition bekam, hatte sie schon mehr als 20 000 Euro** angelegt. "Irgendwann wurde mir dann klar, dass mein Geld hier weniger wird und nicht mehr", sagt F. heute, die über Risiken nicht aufgeklärt worden sein will. Nach einem Besuch bei der Verbraucherzentrale kündigte sie ihre Verträge - und bekam einen Schock: Die CSA wollte ihr weniger als die Hälfte des eingezahlten Gelds erstatten.

Borrmann und Gerull wollten sich nicht in Interviews gegenüber dem Handelsblatt äußern. Deshalb bleibt unklar, warum sie nach der Sportlerkarriere ausgerechnet ins Fondsgeschäft einstiegen. Von Borrmann sind immerhin eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann und eine Tätigkeit in der Branche überliefert.

Doch große Expertise mussten sie nicht nachweisen. Sie suchten sich nämlich, wie die 2007 spektakulär pleitegegangene Göttinger Gruppe, den grauen Kapitalmarkt als Betätigungsfeld. Der wird anders als der Großteil der deutschen Finanzwirtschaft von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kaum kontrolliert. Unter dem Dach der Frankonia Beteiligungs AG sollten Anfangsverluste zwischen verschiedenen Gesellschaften so hin- und hergeschoben werden, dass für die Fondsgewinne bei den Anlegern weniger Steuern anfallen als sonst. Später sollte es dann auch Gewinne geben.

Borrmann und Gerull brauchten nun noch Kunden, die Geld anlegen wollten. Um diese zu überzeugen, wählten sie die brachialste Waffe des Finanzverkaufs: den Strukturvertrieb. Ihre Partner waren unter anderem die 2008 insolvent gegangene Futura Finanz, selbstständige Finanzberater und ein Vertrieb namens Südfinanz. "Man hat uns sogar geraten, Leute vor den Arbeitsämtern abzupassen", berichtet Mirko G.*, der selbst einige Monate versuchte, Produkte der CSA an den Mann zu bringen. Gerade arbeitslos geworden, hatte ihn eine Bekannte auf die Verdienstmöglichkeit gebracht.

G. hatte keine Ahnung von Finanzen, aber das schien niemanden zu stören. In Schulungen, die er bekam, ging es mehr ums Verkaufen als um Finanzen. "Es hieß immer wieder, man solle das Gespräch auf Gemeinsamkeiten lenken, Vertrauen schaffen. Die Argumente für das Produkt waren: Steuern sparen, tolle Gewinnchancen", sagt G. Dazu sollte er Namen und Adressen von 100 Bekannten angeben - damit andere Vertriebler ihnen Verträge verkaufen konnten.

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5 Kommentare zu "Geschlossene Fonds: Olympia-Stars bringen Tausende Anleger um ihr Erspartes"

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  • Jeder Handwerksbetrieb braucht einen Meister, der das Geschäft führt und gute Arbeit leistet..
    In der Finanzindustrie kann jeder Dödel anfangen. Hauptsache er kann Leute beschwatzen-von etwas überzeugen und schlau daher reden, wovon er selber keine Ahnung hat.
    Wieso laufen die Menschen- die normalen Anleger immer wieder diesen Rattenfängern und Laien hinterher?
    Erst wenn sie alles verloren haben, fangen sie an zu denken. Man könnte ja vielleicht auch erst mal mit einem kleine Betrag testen, was die wert sind.
    Der ganze Finanzmarkt mutiert zur Mafiagesellschaft.
    Die Seriösen leiden darunter, weil die Trittbrettfahrer überall präsent sind und einen Reinfall nach dem anderen liefern..
    Die Geldgier -gepaart mit Dummheit- hat die Masse erreicht, da gibt es wohl noch viel zu holen für die Gangster.

  • Was regt ihr Euch auf, das viele Geld ist doch noch da!! Nur eben in anderen Händen.
    So ist gerade der Würzburger Betrüger Ulrich M. nach 4 Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden - und nach München gezogen, eben in die Nähe seines Freundes Elmar Borrmann. Nach eigenem Vernehmen hat er mit eben diesem eine sensationelle Geschäftsbeziehung aufgebaut. Und siehe da nach nur einem Jahr fährt der Grosspleitier (Hinterlassenschaft von zweistelligen Millionenbeträgen bei Würzburger Banken, Ärzten und Unternehmern) schon wieder Ferrari. Das Kennzeichen trägt natürlich seine Initialen und die Nummer 599 zeigt den Fahrzeugtyp.

    Spannend ist, dass der Bruder des feinen Herrn seit Jahren die CSA als Anwalt vertritt und und Kleinanleger einschüchtert und mit miesen Vergleichen abspeist....

    Aber schön ist, dass wenigstens die Autoindustrie noch was von unserem Geld hat.
    Eine feine Olympische Gesellschaft........

  • Ich bin immer wieder verwundert, wie diese Menschen, die über Jahre jeden Tag dafür arbeiten, solch ein System am Laufen zu halten, mit ihrem Leben zurechtkommen. Nicht nur die Macher, auch die Sekretär/in und andere Angestellte. Was erzählen die ihren Familien? Schläft es sich gut? Nichts aber auch nichts ist interessant daran, Geschäftssitze im Provinzgewerbegebiet.. da ist selbst die Mittagspause deprimierend.
    Selbst wenn es Geld abwirft.. diese Arbeit ist unheimlich langweilig und dazu noch erzeugt sie soviel Unzufriedenheit, Not und Ärger bei anderen Menschen. Wie halten diese Leute ein solch erbärmliches Leben aus?

  • Spitzensportler und Geldanlage? Boris Becker hat auch mal ganzseitig für Dubai Immobilienfonds geworben, bevor dann 2008 alles den Bach runterging. Wie soll jemand, der jahrelang Spitzensport betreibt, Zeit und Gelegenheit haben, auch etwas über Geldanlage zu lernen, was über ein Sparbuch hinausgeht?

  • Anlegerschutz ist ein sehr, sehr mühsames Geschäft! Kaum hören oder lesen Menschen irgendwo das Wort Rendite, brennen alle Sicherungen durch. Und dann dieser unbegreifliche Geiz: Wenn sie einen Fön im Wert von 59 Euro kaufen wollen, geben sie ohne zu zögern 10 Euro für die Zeitschrift der "Stiftung Warentest" aus. Aber bei einer Kapitalanlage von 20 oder gar 100.000 Euro mal (kostenpflichtig) einen Fachman fragen? Nein, bewahre - erstens bin ich ja slbst ein Cleverle und zweitens habe ich doch diesen wahnsinnig netten "Berater" von der Kloppertruppe gefragt, und der hat auch gaaanz seriös geguckt... Gier frisst Hirn, ganz einfach.

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